Seltenes Klangerlebnis im CCU

Von den "Geschöpfen des Prometheus" zum "Feuervogel": Zündend, begeisternd, was das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart im CCU spielte. Umjubelt: Denis Kozhukhin mit Rachmanivows 3. Klavierkonzert.

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Große Klasse: Pianist Denis Kozhukhin und das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart unter Aziz Shokakhimov im Congress Centrum.  Foto: 

Ja, das war er, "The Stuttgart Sound". Nicht nur, dass jetzt nach langen Jahren das Radio-Sinfonieorchester des SWR einmal wieder in Ulm gastierte, in einem Konzert der SÜDWEST PRESSE, und die Zuhörer im CCU internationale sinfonische Klasse erlebten. Das RSO spielte die Ouvertüre zu Ludwig van Beethovens Ballettmusik "Die Geschöpfe des Prometheus" auch derart hellwach und mitreißend, als stünde Sir Roger Norrington persönlich am Dirigentenpult. Der hatte nämlich als Chefdirigent von 1998 bis 2011 diesen "Stuttgart Sound" entwickelt und ihn offenbar als Vermächtnis hinterlassen: ein Klangbild, das von einem historisch informierten Musizieren geprägt ist, gleichwohl mit den Mitteln eines modernen Orchesters. Kaum Vibrato, straffe Tempi, federnde Rhythmen: Mit dem "Stuttgart Sound" waren die Beethoven-Aufnahmen des RSO einst für den "Grammy" nominiert - und das Orchester hat ihn noch immer drauf. Auch wenn ein Dirigent am Pult steht, der Norringtons Enkel sein könnte: Aziz Shokakhimov.

Dann aber ging's gleich weiter ins "silberne Zeitalter" der zaristischen Kultur: das 3. Klavierkonzert Sergej Rachmaninows. Wer dieses spektakuläre Virtuosen-Schaustück hört, vermutet ja eigentlich nicht, dass es schon 1909 entstanden ist. Aber das ist originale Spätromantik - nur prägte Rachmaninow eben Generationen von Hollywood- und Unterhaltungskomponisten.

Es stecken gewaltige Emotionen in diesem d-Moll-Klavierkonzert, neben aller Brillanz freilich auch ernste, tiefergründige Töne. Und vor allem, ein Solist muss das spielen können. Rachmaninow selbst, so erinnerte sich der polnische Pianist Josef Hofmann, der Widmungsträger, der sich freilich nie ans Werk gewagt hatte, habe "aus Stahl und Gold" bestanden: "Stahl in seinen Armen, Gold in seinem Herzen". Das lässt sich nicht doubeln, aber der junge Denis Kozhukhin gehört zu einer Pianisten-Generation, die das fast aus dem Ärmel schüttelt. Vom Akkord-Angriff zur feinst hinziselierten Triller-Verzierung: technisch brillant, cool gegriffen.

Ein starker Auftritt, gut ausgesteuert mit dem Orchester. Grenzen zeigte dem Russen höchstens der Einsteinsaal-Flügel auf, der mal generalüberholt werde müsste. Dirigent Shokakhimov und das RSO wiederum ergaben sich nicht einfach dem Rachmaninow-Rausch, sondern agierten offensiv unsentimental, mit forcierten Tempi. Wobei dieser Dreiviertelstünder im hochgepeitschten Finale keinen kalt ließ: Riesenbeifall der knapp 500 Zuhörer. Mit wunderschön schlichtem Anschlag kühlte Kazhukhin dann die Gefühle mit seiner Zugabe runter: mit Bachs h-Präludium, arrangiert von Alexander Siloti.

Aber dann loderte wieder das Feuer - eine großartige Schöpfung des Prometheus Igor Strawinsky: das 1911 uraufgeführte Ballett "Der Feuervogel" als Suite (von 1945). Zauberischer Impressionismus in allen Klangfarben. Das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart zeigte eine sinfonische Klasse, die man im CCU so schon sehr lange nicht mehr gehört hat. Pianissimi der tremolierenden Streicher und herbe Tutti-Schläge in absoluter Perfektion, ohne jede Intonationstrübung: eine beeindruckende Klangkultur.

Shokakhimov, der so energievoll wie streng dirigiert und mit einer Körperchoreografie die Musik sichtbar auslebt, malte mit seinem Orchester in riesenhafter Dynamik die "Feuervogel"-Bilder. Und das hymnische Finale: ein Traum. Vom wunderschönen Horn-Solo, das eine ganze Märchenwelt erinnert, zur rhythmischen Attacke. Grandios.

SWR-Geschichte

Wiederhören und Abschied Das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart hat am Samstag letztmals in Ulm gespielt - 2016, nach dieser Saison, fusioniert der Südwestrundfunk seine beiden großen, traditionsreichen Orchester. SWR Symphonieorchester heißt dann der neue Klangkörper.

 

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