Selbstversuch: Flohmarkt ist Frauensache

Fünf Uhr morgens aufstehen, Stand aufbauen, Krempel anbieten. Das ist Flohmarkt. Beim Zelt-Flohmarkt habe ich mir nach dem Regen Sonnenbrand geholt - und für zwölf Stunden Arbeit unterirdisch verdient.

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Ist der Flohmarkt zu Ende, ehe er angefangen hat? Das frage ich mich, als ich am Samstag mit meinem Auto, vollgestopft mit Klamotten und Krimskram, im Stau stehe. Kurz vor sechs Uhr, Ecke Talfinger-/Stadionstraße. Dicht an dicht stehen die Klapperkisten. Alle wollen zum Zelt-Flohmarkt und dort das Geschäft ihres Lebens machen.

Eine Dreiviertelstunde später - Fahrtweg ein Kilometer - bin ich am Ziel. Die besten Plätze, die am Außenring, an denen jeder Besucher vorbei muss, sind weg. Helfer weisen ein. Dicht an dicht stehen wir Händler und beginnen mit dem Aufbau. Mein Platz ist irgendwo mittendrin, dort, wo es nur ausdauernde Marktbesucher hin schaffen.

Mein bestes und teuerstes Stück - einen Hesba-Kinderwagen, Neupreis 1000 Euro - lade ich als erstes aus. "Was solln der kosten?", ruft mir eine Frau zu, vom Fahrersitz ihres Busses. "350 Euro", rufe ich zurück. Schließlich hatte mein Mann am Abend zuvor im Internet recherchiert, was der Hesba noch wert ist. Seine Anweisung: Den gibst du nicht unter 400 her. "Machen Sie Witze?", schreit die Frau aus ihrem Auto. "Nicht um diese Zeit", antworte ich. Die Frau gibt Gas.

Der Kinderwagen ist schuld, dass ich so spät losgekommen bin. "Den räume ich morgen ins Auto", dachte ich am Vorabend. Ohne zu wissen, dass ich keine Ahnung mehr habe, wie er zusammengeklappt wird. Eine Schraube habe ich am guten Stück abgebrochen. Jetzt zerre ich daran, klappe den Wagen wieder auf. Baue einen Ikea-Kleiderständer zusammen - drei Anläufe, dann steht das Ding. Stelle Bücherkisten und Schuhe vor den Tisch.

Meine Geschäfte kommen nicht richtig in Gang. Währenddessen laufen die Geschäfte meiner Nachbarn zur Linken prima: Haushaltsauflösung der Schwiegereltern, sagt die Händlerin, eine Frau um die 60. Geschirr, Besteck, ein Massagegerät, das wie eine Kochplatte aussieht - alles bringt sie an den Kunden. Zu meiner Rechten steht eine junge Mutter. Flohmarkt ist Frauensache. Sie verkauft Nippes, der aus dem Keller ihrer Mutter stammt. Ihr Verkaufstrick: Ein Blumenstrauß auf dem Tisch. "Ich weiß nicht warum, aber Blumen ziehen wie Hölle", sagt sie. Zwei Schweinchen aus Ton bietet sie auch an. Sollte sie die nicht loswerden, verabreden wir schon mal ein Treffen mit der schrillen Tonkuh von meinem Verkaufstisch - im Container des Grimmelfinger Recyclinghofs.

Bücher, Hosen in Größe 110, eine Tasche - langsam laufen meine Geschäfte an. Alle sind sie auf dem Flohmarkt: die Armen - "Mach mir einen guten Preis", fleht eine Frau mit Kind im Schlepptau -, die Schnäppchenjäger, die Plattenfreaks, die, die jedes Jahr kommen, ohne dass sie was brauchen, die knallharten Pfennigfuchser.

"Was kann ich Ihnen Gutes tun?", frage ich einen älteren Mann. Den Satz habe ich von einer Freundin gelernt, mit der ich vor Jahren das erste Mal beim Zelt-Flohmarkt verkaufte. Bei ihr - Tochter eines Spargelbauern und Händlerin von frühester Jugend an - funktioniert der Satz immer. Bei dem Mann, der vor mir steht, nicht. Er geht weiter.

Dann beginnt es zu regnen. Die Händler ziehen sich zurück, in den Kofferraum ihrer Autos, machen von dort aus kaum Geschäfte. Ich sitze auch im Kofferraum, meine Nachbarin ebenfalls. Zeit zum Quatschen.

Es regnet um acht Uhr, um neun Uhr noch immer, um zehn Uhr wieder. Der Kinderwagen wird gewaschen. Die Ersten packen zusammen. Ich harre aus. Um 11 Uhr herrscht Flaute. Die Händler bieten sich die Waren gegenseitig an. Die Zelt-Mitarbeiter kassieren Standgebühr. "Gibts Regenbonus?", frage ich. "Wieso meint jeder, dass es das gibt? Wir haben auch Auslagen", antwortet eine gereizte Ehrenamtliche. Knallhart wird kassiert. Da kann ich noch was lernen. 7,50 Euro muss ich zahlen.

Und dann kommt die Sonne raus. Die junge Mutter neben mir hat ihren Kofferraum verlassen und verhandelt mit einer Frau, die ihre Plastikteller kaufen will - "unbenutzt, zwei Euro", wirbt sie.

Vor mir steht plötzlich ein zorniger kleiner Junge - mein Sohn - und fragt: "Wieso verkaufst du meine Kuh?" Weil sie kaputt ist und potthässlich, sage ich natürlich nicht. "Du willst sie behalten?" "Ja!" Wir stellen sie zurück in den Kofferraum. Mein Sohn übernimmt die Geschäfte.

Es wird warm, am Ende des Tages kassiere ich einen Sonnenbrand, weil ich nach Regenwetter nicht an Sonnenschutz denke. Um 15 Uhr reicht es mir. Ich packe ein, auch den Kinderwagen, steure den Recyclinghof an, wo auch die Schweinchen meiner Stand-Nachbarin gelandet sind. Nicht alles fliegt raus, doch meine 90er-Jahre-Klamotten mit Aufdrucken wie "Bis einer heult" liegen jetzt im Rot-Kreuz-Container. Zwölf Stunden sind seit dem Aufstehen vergangen.

Zum Schluss kommt das Beste, Kassensturz. Ergebnis: 64,12 Euro. Nicht der Verdienst meines Lebens. Mit dem Kinderwagen probiere ich es mal bei Ebay. 

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