Seit Monaten schlechtes Geschäft wegen Baugrube vor dem Laden

Was ursprünglich sechs Wochen dauern sollte, zieht sich seit drei Monaten: Die Verlegung eines Fernwärmerohrs in der Kohlgasse verärgert die ansässigen Geschäftsleute. Ging nicht anders, sagt die FUG.

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Der Ulmer Wirt des Kammerzelts in der Kohlgasse steht wegen der Baugrube kurz vor der Pleite.  Foto: 
„Die komplette Gasse ist blockiert, es kommt doch keiner hier rein.“ Jürgen Faust vom gleichnamigen Schuhgeschäft in der Kohlgasse ist nicht der Einzige, der ge- und entnervt ist von der Baugrube, die an der Ecke Platzgasse seit mehr als drei Monaten den Zugang zu seinem Laden erschwert. Das, was Céline von Knobelsdorff von der Geschäftsführung des Industriedesign-Studios Rothkegel ausspricht, ist der Tenor vieler Geschäftsleute vor Ort: „Man fühlt sich als kleines Unternehmen nicht mehr wahrgenommen.“ Und Sven Kammerzelt, der dort ein Café betreibt, schäumt vor Wut: „Wir alle brauchen das Weihnachtsgeschäft, und bis die fertig sind, ist Weihnachten vorbei.“

Sechs Wochen hätte es dauern sollen, bis die Fernwärmeleitung verlegt ist, so war es Anfang September angekündigt gewesen. Drei Monate später ist die Baugrube immer noch offen – und vermiest dem Wirt das für ihn wichtige Geschäft in der Adventszeit. Darauf, erzählt Kammerzelt, sei er angewiesen: Nach dem Umzug aus der Raben- in die Kohlgasse vor zwei Jahren, zwei Sommerlöchern und höheren Kosten für Miete und Personal hat er ordentlich Miese gemacht. Mit dem Weihnachtsgeschäft wollte er seinen Puffer wieder auffüllen. Doch die Grube vor der Haustür ist nicht besonders einladend, und in den vergangenen Monaten wirkte es oft so, als sei es gar nicht möglich, in die Kohlgasse einzubiegen. Ein „Fußgänger verboten“-Schild tat das Übrige. Die Kunden, sagt Kammerzelt, bleiben weg.

Ein Krisengespräch mit der Fernwärme Ulm (FUG) und dem ausführenden Bauunternehmen Kugler führte laut Kammerzelt zu dem Versprechen, dass die Baustelle am 30. November weg sei. Geklappt hat das nicht. Dass alles so lange dauert, liege daran, dass das Rohr in drei Bauabschnitten verlegt werden musste, erklärt Andreas Thur, Bauleiter bei der FUG. Was unter anderem damit zu tun hat, dass eine Tiefgaragen-Zufahrt ständig gewährleistet sein musste. „Das hat die Bauzeit erheblich verlängert. Wir wären auch gerne früher fertig.“

Auch Karolin As, die ein paar Türen weiter erst im September ihren Laden für Mode, Schmuck und Geschenke eröffnet hat, ist enttäuscht, dass so wenige Menschen den Weg in die Kohlgasse finden. Jürgen Faust holt gleich die schweren verbalen Geschütze raus: „Hier macht man den klassischen Einzelhandel zunichte. Das ist nicht nur geschäftsschädigend, sondern existenzbedrohend.“ Er spricht von 30 bis 40 Prozent weniger Umsatz im Vergleich zum Vorjahr. „Es geht mit einer Lethargie voran, die ist unvorstellbar.“ Und während das Rothkegel Design Studio zwar nicht auf Laufkundschaft angewiesen ist, ist es dennoch von den Auswirkungen der Baustelle betroffen. Anfang der Woche war versehentlich ein Stromkabel durchtrennt worden, was Rechner und Server lahmlegte. Der Schaden beträgt laut von Knobelsdorff mindestens 1000 Euro – noch ist nicht klar, wie viele Daten verloren gegangen sind: „Es geht um viel Geld.“ Sie fühlt sich vor allem von der aus ihrer Sicht mangelnden Kommunikation vor den Kopf gestoßen. „Es gab keinerlei Vorwarnung, dass sensible Arbeiten anstehen.“

Fehlende Kommunikation will die FUG sich aber nicht vorwerfen lassen. „Es gab zum Baustart ein Infoschreiben an alle Anwohner“, sagt Andreas Thur. Und verspricht: „Ende nächster Woche ist alles zu – die Grube wird schon verfüllt.“

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