Sechseinhalb Jahre in Haft nach Messerstich

153 Euro und Angst vorm Ausländeramt: Deshalb hat ein Pakistaner einen Landsmann im Asylbewerberheim Pfuhl erstochen und wurde nun verurteilt.

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Zu insgesamt sechs Jahren und sechs Monaten Jugendstrafe wegen Totschlags wurde ein junger pakistanischer Asylbewerber aus Neu-Ulm gestern von der 5. Großen Jugendkammer des Landgerichts Memmingen unter dem Vorsitz von Richterin Brigitte Grenzstein verurteilt.

Der damals 20 Jahre alte Pakistaner war am 30. Juli des vergangenen Jahres in der Asylantenunterkunft an der Leipheimer Straße 41 in Pfuhl, einer ehemaligen Polizeiwache, mit einem 29-jährigen, ebenfalls pakistanischen Asylbewerber, mit dem er das Zimmer teilte, in Streit geraten. Dieser hatte dem Jüngeren vorgehalten, er schulde ihm 153 Euro, und ihn schließlich bei der Polizei angezeigt. Die war der Sache nachgegangen. Der 20-Jährige hatte daraufhin Schwierigkeiten mit dem Ausländeramt befürchtet.

Eine weitere Auseinandersetzung mit dem 29-Jährigen, der die Anzeige erstattet hatte, schloss sich an. Dieser hatte sich zwar bereiterklärt, die Anzeige zurückzuziehen, war aber in der Sache nicht sofort zur Polizei gegangen. Der Jüngere hatte daraufhin mit einem Messer zugestochen.

Der Grund für diese Reaktion soll die Kränkung darüber gewesen sein, dass der andere nicht gleich auf sein Drängen reagiert hatte. Das Gericht wertete diese Begründung für den tödlichen Stich als Zeichen für die mangelnde Reife des Angeklagten, da eine solche Reaktion vielleicht für ein Kind, nicht aber für einen erwachsenen Menschen angemessen sei.

Das Opfer der Messerattacke starb an seinen inneren Verletzungen. Der Stich mit der 20 Zentimeter langen Klinge in den Körper war mit erheblicher Wucht ausgeführt worden und hatte dabei die Hauptschlagader durchtrennt.

 Der Prozess hatte am Mittwoch begonnen. Der Angeklagte leugnete zunächst, den anderen Mann absichtlich getötet zu haben.  Die insgesamt 15 Zeugen, die an diesem Tag gehört wurden, darunter Mitbewohner aus der Asylantenunterkunft und mehrere Polizeibeamte, machten dagegen allesamt Aussagen, deren Ergebnisse für den Angeklagten eindeutig und übereinstimmend belastend waren.

Gestern wurde die Verhandlung mit den Aussagen verschiedener Gutachter und den Plädoyers fortgesetzt. Am Ende des Prozesses wurde der Angeklagte für schuldig befunden. Er selber gab sein Leugnen auf, bat in seinem Schlusswort um Verzeihung und ließ über seinen Dolmetscher erklären, dass er bereit sei, die volle Verantwortung für seine Tat zu übernehmen.

Das Gericht schätzte die Tat als spontane Handlung ein, stellte jedoch in Rechnung, dass der Angeklagte dabei eine potenziell tödliche Verletzung seines Gegenübers in Kauf genommen habe. Die Staatsanwaltschaft forderte acht Jahre und zwei Monate Jugendhaft für den Angeklagten. Die Verteidigung beantragte dagegen vier Jahre. Das letztendliche Urteil lautete auf sechs Jahre und sechs Monate Haft und ist rechtskräftig.

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