Sechs Konzerte, 10 000 Zuhörer: Die Ulmer Spatzen sind aus China zurück

Sie haben rund 25 000 Kilometer zurückgelegt und in sechs Großstädten vor insgesamt 10 000 Menschen gesungen: Gestern sind die Ulmer Spatzen von ihrer Konzertreise aus China heimgekehrt.

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Applaus gab es gestern Mittag dann auch auf dem Parkplatz des Wonnemar: Die Spatzen-Eltern begrüßten Dirigent Hans de Gilde, Pianistin Barbara Comes und die Sängerinnen und Sänger, die nach zweiwöchiger Konzertreise aus China zurückkehrten. Ja, es war tatsächlich eine ziemlich professionelle Tournee durch das Reich der Mitte, die der Jugendchor der Ulmer Spatzen auf Einladung des chinesischen Chorverbands absolvierte. Sie traten in Qingdao, Zhengzhou, Wuhan, Hefai, Taiyuan und Peking auf und erreichten rund 10 000 Zuhörer. Das heißt, den finalen Auftritt in Peking zeichnete das staatliche chinesische Fernsehen auf, das 100 Millionen Menschen sehen. Und für diesen Erfolg legten die Spatzen etwa 25 000 Kilometer zurück.

Hans de Gilde zeigte sich gestern erschöpft, aber sehr stolz und lobte die Disziplin, die Kondition, die Harmonie, den Gemeinschaftsgeist seines 50-köpfigen Chors: „Alle haben wunderbar durchgehalten.“ Was die Spatzen besonders erfreute, waren die fast immer ausverkauften Konzerte in großen Sälen. Die Spatzen wurden regelrecht gefeiert, berichtet Sängerin Carla Frank: „Die Chinesen lasen uns unsere Wünsche von den Augen ab, und es wurde entgegen der chinesischen Konzertkultur sogar teilweise ,psst’ geflüstert, wenn jemand wagte, in einem besonders schönen Stück wie üblich nebenher zu telefonieren oder zu reden. Bei ,Ubi caritas’ haben manche sogar geweint. Ein Englisch sprechender Chinese meinte: ,Ich verstehe zwar den Text nicht, aber ich fühle die Musik.’“

Land und Leute – die Spatzen haben so manches erlebt: den Smog in Peking, unverschämt drängelnde Einheimische an den Sicherheitskontrollen auf dem Flughafen, die Große Mauer, die perfekte Organisation. Eindrucksvoll war die Fahrt von Zhengzhou nach Wuhan mit einem Hochgeschwindigkeitszug: „Bei 300 Stundenkilometern konnten wir uns entspannen und bequem die Landschaft bewundern.“ Den totalen Bauboom beobachteten die Ulmer: „Da werden zahllose Hochhäuser in den Siedlungen hochgezogen, unten wohnen schon die ersten Familien, während oben teilweise keine Fenster eingebaut sind. Viele dieser Siedlungen sind noch wahre Geisterstädte, aber das ändert sich wegen des rasanten Bevölkerungswachstums schnell.“

Und das Essen? Einmal hatten die Ulmer zur Abwechslung Pizza, Pommes und Schnitzel geordert – „am Abend hatte dann die Hälfte von uns Bauchschmerzen. Wir vertrugen schon unser eigenes Essen nicht mehr, chinesische Küche ist leicht und gesund.“ Das Wetter allerdings spielte nicht so mit: „Entgegen unseren Erwartungen war es teilweise eiskalt. Jeder normale Mensch würde daraufhin die Heizung anstellen, aber nach einem noch gültigen Gesetz Maos darf südlich des großen Flusses Chang Jiang keine Heizung vorhanden sein.“

Von vielen schönen Momenten erzählt Carla Frank: An Gründonnerstag sangen die Spatzen in einer christlichen Kirche im buddhistischen Qingdao ein hebräisches Lied. „Ein tolles Symbol für Toleranz und Weltoffenheit.“

Auch der Austausch mit den Gastchören fanden die Spatzen klasse: „Nach chinesischer Tradition werden beim Kennenlernen immer Geschenke ausgetauscht; wir mit Wibele, Ritter Sport und Ulmer Spatz – die Chinesen mit Teedosen, Fächern und Freundschaftsanhängern.“ Ein fernes Land, und doch „gab’s immer wieder Momente des Wiedererkennens“, sagt Sängerin Carla: „Die Züge sind nach dem Vorbild des ICE entworfen, die Orgeln wurden von deutschen Orgelbauern gebaut, und Haribo-Gummibärchen aus dem ,Spar'-Supermarkt waren auch keine Seltenheit.“

Mit dabei war auch Spatzen-Vereinsvorstand Tobias Mehlich, der bei offiziellen Anlässen sich im Zuprosten mit den chinesischen Gastgebern bewährte und in Qingdao auch einen Freundschaftsvertrag mit dem Chor des örtlichen TV-Senders unterzeichnete. „Die Chinesen wünschen, dass wir wiederkommen. Hans de Gilde und die Spatzen haben mit ihren Auftritten dort die Konzertkultur verändert.“

Auf Tour in Fernost

Zwei Wochen reisten die Ulmer Spatzen auf Einladung des zentralen chinesischen Chorverbands durch China und gaben Konzerte in sechs Großstädten. Die Musik und die Bilder der Reise stellt der von Hans de Gilde geleitete Jugendchor am 9. Mai beim Jahreskonzert der Ulmer Spatzen im Edwin-Scharff-Haus vor.

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