Schwörmontagsparty steht auf der Kippe

Sie ist längst das Zentrum des Ausklangs an Schwörmontag: die Party auf dem Münsterplatz. Doch die Macher wollen wegen hoher Security-Kosten aufhören.

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  • Beim Ausklang an Schwörmontag ist der Münsterplatz mit kostenlosem Konzert – hier Luna – die zentrale Anlaufstelle für zigtausende junge Leute. 1/2
    Beim Ausklang an Schwörmontag ist der Münsterplatz mit kostenlosem Konzert – hier Luna – die zentrale Anlaufstelle für zigtausende junge Leute. Foto: 
  • Carlheinz Gern, hier im Studio von Donau 3 FM, zeigt das umfangreiche Security-Konzept für die Schwormontagsparty. Für die Veranstalter der Party werden die Kosten zu hoch.  2/2
    Carlheinz Gern, hier im Studio von Donau 3 FM, zeigt das umfangreiche Security-Konzept für die Schwormontagsparty. Für die Veranstalter der Party werden die Kosten zu hoch. Foto: 
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Die Schwörmontagsparty auf dem Münsterplatz mit freiem Eintritt steht auf der Kippe. Die Veranstalter der Party, die sozusagen eine Zugabe zum Konzert am Sonntag vor Schwörmontag ist, klagen vor allem über steigende Kosten für die Security. So werde die Party, die allein Produktionskosten von 60.000 Euro vor Künstlerhonoraren verursacht, eindeutig zu teuer. Carlheinz Gern von Donau 3 FM, der die Party im jährlichen Wechsel mit Radio 7 veranstaltet, sagte nun: „Das ist für mich in jedem Fall das letzte Mal in dieser Form.“ Es werde in der Sache im September ein Krisengespräch mit OB Gunter Czisch geben, an dem auch sein Kollege Volker Schwarzenberg von Radio 7 teilnehme. Für beide Sender sei klar: „Das ist in der Form nicht mehr möglich.“

Gern, der im Nebenjob auch über eine eigene Konzertagentur verfügt, hatte die Party 1998 erfunden – damals noch vor dem Neuen Bau und mit dem Myer`s als Partner. Ein Konstruktionsfehler war aus seiner Sicht, dass er die Ausweitung auf den Münsterplatz im Folgejahr gegen den Willen von Czischs Vorgänger Ivo Gönner durchsetzte: „Ich würde das heute nicht mehr machen.“

Gönner wollte demnach am Ausklang des Stadtfeiertags in der Friedrichsau und auf dem Söflinger Klosterhof festhalten. Damals entstand die Konstruktion, dass der Veranstalter eines kommerziellen Konzerts am Vorabend von Schwörmontag am Folgetag die kostenlose Party drauflegen muss. Die Party ist längst das Zentrum des Ausklangs – anfangs bei offenem Münsterplatz. Nun umfasst das Security-Konzept 30 Seiten, die Kontrollen kosten rund 20.000 Euro. Dazu kommen Feuerwehr, Sanitäter, Bühne, Licht, Ton.

Gerns Partner Stephan Huber rechnet vor, dass bloß das Herauskurbeln der 13 versenkten Stromboxen am Münsterplatz eine Pauschale von fast 100 Euro je Stück kostet. Die erste Reaktion der beiden auf steigende Kosten: Die Party wird diesmal nicht für die volle Kapazität von 11.700 Personen freigegeben, sondern nur für etwa 7000. Das verringert den Aufwand für die Security um mehr als die Hälfte.  Huber sieht einen Vorteil für das Partypublikum: Das Gedränge höre damit auf.

Gern und Huber sind ein Stück weit gebrannte Kinder. Sie haben mit ihren Konzertpartnern beim Auftritt von Neil Young vor zwei Jahren etwa 200.000 Euro in den Sand gesetzt. Gleichwohl wollen sie an den kommerziellen Konzerten festhalten, die eben ein unternehmerisches Risiko darstellten. Wegen der Party an Schwörmontag beginne allerdings jede Kalkulation „mit 60.000 Miesen“, sagt Huber, und das bei gesamten Produktionskosten von ohnehin mehr als einer halben Million Euro.

Die Honorare für die Künstler bei der Schwörmontagsparty bestreiten die Radios zumeist aus ihren Marketing-Etats. Die Gagen betragen demnach bis zu 20.000 Euro. Für 2016 hat Gern die bekannte Stuttgarter Coverband Ncognito, Marquess mit Latin-Pop und den lokalen DJ Beeman verpflichtet. Die Zusage eines zusätzlichen Topacts steht noch aus. Beginn der Party ist wie immer um 17 Uhr, Ende um Mitternacht.

Gerns Herz hängt vor allem am Schwörsonntagskonzert – diesmal mit Revolverheld –, das Ulm als Open-Air-Location am Leben halte. So hätten The Who und Elton John nur wegen der Kulisse Münsterplatz zugesagt. Das Wiley, für das gerade David Gilmour zugunsten des Stuttgarter Schlossplatzes abgesagt habe, sei bei weitem nicht so attraktiv.

Um den Deal insgesamt zu halten, macht Gern drei Vorschläge: Zwei bis drei kommerzielle Events, neben Rockpop auch Klassik und Comedy, finanzieren die freie Party; zehn Euro Eintritt mit Getränk und Sicherheitsgebühr wie beim WM-Public-Viewing – oder die städtische Kulturabteilung macht an Schwörmontag ein Programm auf eigene Kosten.

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