Schwörmontagsparty bietet wieder mehr Plätze mit Musik

Der erste reale Test der 24-Uhr-Schlussregelung für die Schwörmontagsparty ist gut ausgefallen: Es gab weniger Aggressionen, zerbrochene Flaschen und Müll. Die Lage auf dem Münsterplatz war eher entspannt. Mit einem Kommentar von Frank König: Der richtige Rahmen

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Die Schwörmontagsparty hat einen richtigen Neustart hingelegt: Nach dem total verregneten Vorjahr und dem Boykott der Gastronomen wegen der 23-Uhr-Regelung 2013 findet die Party nun – mit neuem Schluss um Mitternacht – zu ihren Ursprüngen zurück. Und das heißt: Überall in der Innenstadt ist etwas los, kleine und große Bands treten auf, außerdem DJs auf improvisierten Kanzeln und mit eigens aufgebauten Dancefloors. Das reduziert auch den Druck auf die Party-Zone am Münsterplatz, wo die Lage an Schwörmontag entspannt war. Vor zwei Jahren noch musste in einem Noteinsatz die Bereitschaftspolizei eingreifen, um junge Leute zu retten, die fast erdrückt worden wären.

Veranstalter Christian Becker, der mit seinem Medienpartner Radio 7 auch das Konzert mit den Fantastischen Vier am Sonntag organisiert hatte – im jährlichen Wechsel mit Donau 3 FM – war diesmal entsprechend zufrieden: „Das war eine schöne Atmosphäre, das Publikum hat richtig Spaß gehabt.“ Auch Jürgen Eilts vom Platzvermieter Ulm-Messe wirkte nachts am Beobachtungspunkt auf dem Stadthaus entspannt: „Alles läuft super.“

Den Zählungen zufolge waren am Montag wie am Sonntag etwa 11.000 Besucher auf dem Münsterplatz, mit dem Publikum der Carmina Burana am Samstag insgesamt also 25.000. Auch im Umfeld des Münsterplatzes fiel positiv auf, dass die Security Beckers, die 2013 sehr ruppig zugange war, diesmal eher rücksichtsvoll auftrat. Becker hatte wie stets auch den Markplatz in seiner Hand, wo er die „Albfetza“ auftreten ließ und kaum ein Durchkommen war – auch hier mit Security, die Handgreiflichkeiten und Wildpinkeln verhindern sollte.

Ein regelrechtes Comeback erlebte am Montag der Judenhof, wo es 2013 beim Boykott dunkel geblieben war und nun wieder Bands auftraten. Gleich um die Ecke in der Breiten Gasse war eine dicht umlagerte Partyzone mit DJ-Podium vor der Vorglühbar, von der aus das Quartier beschallt wurde. Das Restaurant Yamas in der Herrenkellergasse sorgte mit entspanntem Jazz für eine Oase der Ruhe, bevor man beim Rundgang die neue Konzert-Location in der Platzgasse aufsuchen konnte. Capo hatte diesmal einen Lkw-Anhänger quergestellt, auf dem Rock Unlimited nach ihrem Konzert bei Rock am Petrus erneut einen krachenden Auftritt hatten.

Auch in der Wengengasse war es voll, wo DJ Beeman im Café W an den Plattentellern agierte. Ein Phänomen an Schwörmontag ist zweifelsohne das Fischerviertel, mit angesagten Kneipen wie „Zill“ und „Wilder Mann“. Vor der Zill war eine DJ-Plattform aufgebaut, die vermutlich Ibiza alle Ehre gemacht hätte. Beim Wilden Mann hatte Wirt Michael Freudenberg eine Outdoor-Tanzfläche installiert, über der eine überdimensionale Disco-Kugel hing. Der Andrang rund um diese zwei Kneipen war enorm. Wer etwas Erholung suchte, wurde unweit beim Schmuckladen Dentler fündig, wo nach der Thronrede (siehe unten) Al Jovo und Lea mit Latin vor einer Garage auftraten.

Auf dem Münsterplatz spielte nach diversen Vorgruppen die Profitruppe Hermes House Band Hits wie La Vida Loca oder Amarillo, mit Gaststar Lou Bega (Mambo No. 5), der zwei Go-go-Girls mitgebracht hatte. Um 23 Uhr trat das eingespielte DJ-Duo von Radio 7, Matze Ihring und Chris Montana, an den Plattentisch und machte Schlag Mitternacht mit einem Hit von East 17 Schluss. Bei Henry’s Coffee World in der Hirschstraße genehmigte sich eine Coverband 20 Minuten Nachschlag. Danach lief noch Musik von der Konserve, wurde jedoch dann runtergedreht. An dem kritischen Punkt Lautenberg fand sich gegen halbeins Polizei und Bereitschaftspolizei ein. Es gab zwar gelegentliche Schlägereien, die Stimmung war aber weniger aggressiv als in den Vorjahren. Es gab auch weniger zerbrochene Flaschen und Müll.

Ein Kommentar von Frank König: Der richtige Rahmen

Nach Alkoholexzessen, dem deswegen verordneten Frühschluss mit Boykott der Gastronomen und einem Regenjahr war dies wie eine Art Schwörmontagsparty 4.0 – eine neue, deutlich entspanntere Version des Ausklangs für den Stadtfeiertag nach Schwörrede und Nabada. Zur veränderten, spürbar weniger aggressiven Atmosphäre trug sicherlich die Rückkehr zum Erfolgsrezept der Party bei: mit dezentralen Locations, die jede für sich hunderte, im Fischerviertel tausende Partygäste anziehen.

Vielleicht ist aber nach den ernsthaften Diskussionen im Gemeinderat über die weitere Vorgehensweise auch die Botschaft bei den Kampftrinkern angekommen: Der Schwörmontag ist nicht das richtige Pflaster für sie. Daher bleibt an den Brennpunkten der City die Präsenz der Bereitschaftspolizei wichtig, die zweifelsohne de-eskalierend wirkt.

Vor allem am Lautenberg ist es nach Mitternacht nicht gerade lustig, es kommt vereinzelt zu Schlägereien, ausgerechnet in diesem Umfeld hielt sich Henry’s Coffee World nicht an die neuen Spielregeln. Die – und auch das zeigte sich beim ersten realen Test der 24-Uhr-Regel – absolut Sinn machen. Die verlängerte Schlusszeit hat viele Gastronomen ermuntert, wieder mitzumachen und die Party mit Bands und DJs zu bereichern. Aber dann dürfte es auch gut sein: mit Alkohol und mit Schallpegeln, die Wände zum Wackeln und sonst auch Leute um den Schlaf bringen, die halt am nächsten Tag arbeiten müssen.

Die Schwörmontagsparty hat so den passenden Rahmen gefunden. Das Sicherheitskonzept ist aber nicht fertig. Im Fischerviertel geht es gefährlich eng her, während der Münsterplatz mit viel Security fast ruhig geworden ist.

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