Schwörmontag: Was ist dran an den viel zitierten "Exzessen"?

Mehr Müll, mehr Gewalttaten und mehr Verletzte sind die Begründung für die 23-Uhr-Sperrstunde am kommenden Schwörmontag. Doch gibt es überhaupt belastbare Zahlen? Wir haben nachgefragt.

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Der Arbeiter-Samariter-Bund hatte am Schwörmontag 2012 mehr zu tun als im Jahr zuvor. In diesem Jahr wird ein Zwischenlager für Menschen mit Alkoholvergiftung im Kornhaus geben, um Kliniken zu entlasten.  Foto: 
Die Stadt hat die Sperrstunde am Schwörmontag um eineinhalb Stunden vorverlegt. Anstatt um 0.30 Uhr ist nun um  23 Uhr Schluss. Das hatte vor allem Ulmer Gastronomen empört. Die Erklärung für diese Maßnahme fiel Oberbürgemeister Ivo Gönner (SPD) nicht schwer: "Wir reagieren auf zunehmende Exzesse", sagte er. Gönner bezog sich dabei auf "Erkenntnisse und Erfahrungen der Polizei und der Sicherheitskräfte", ohne ins Detail zu gehen.

Grund genug, nachzufragen. Gibt es belastbare Zahlen, die mehr Müll, mehr Gewalttaten und mehr Verletzte belegen? Die SÜDWEST PRESSE hat bei der Stadt, den Entsorgungsbetrieben und dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) - zuständig für die "medizinische Gesamteinsatzleitung" am Schwörmontag - nachgefragt.

Zahlen liegen nur für die vergangenen drei Jahre vor
Etwas überraschend mag für manche sein, dass die Stadt lediglich Zahlen der vergangenen drei Jahre hat. "Vorher war das für uns noch kein Thema", sagt Rainer Türke, zuständig für Ordnung und öffentliche Sicherheit bei der Stadt. Soll heißen: Der Schwörmontag bereitet der Stadt erst seit Kurzem Sorgen. Überraschend ist auch die Aussage der Entsorgungsbetriebe Ulm (Ebu). "Die Müllmenge war in den vergangenen fünf Jahren ungefähr konstant", sagt Wolfgang Grund, Einsatzleiter Stadtreinigung bei der Ebu. Sie pendele sich bei ungefähr 20 Tonnen ein. Je nach Jahr sind es ein bis zwei Tonnen mehr oder weniger Müll. Das widerspricht der verbreiteten Annahme, die Müllmenge wachse von Jahr zu Jahr. Genaue Zahlen haben die Ebu allerdings nicht. Lediglich der ASB hat Zahlen für die Jahre 2009 bis 2012.

Die folgenden Grafiken zeigen alle verfügbaren Daten im Überblick:
 









Die Zahl der Festnahmen, der versorgten Patienten und der Körperverletzungen sank also von 2010 auf 2011. Dann stiegen die Zahlen in allen drei Bereichen. Was ist die Ursache für diese Entwicklung? Rainer Türke, bei dem alle Informationen zusammenlaufen, spricht von einer "Tendenz zum Warmtrinken". Bereits vor dem Nabada würden vor allem Jüngere mit dem Trinken beginnen.

Das Fest wandelt sich
Zudem wandle sich der Charakter des Fests seit einiger Zeit. Während früher viele Livebands gespielt hätten, würden nun vor allem DJs "laute, partyhämmernde Musik" auflegen. Eine Bewertung dieser Wandlung will Türke nicht vornehmen. Vielleicht hat der veränderte Schwörmontag zu den steigenden Besucherzahlen geführt, die die Stadt verzeichnet. Auch hier gibt es keine genaue Zahlen. Türke spricht von 30.000 bis 40.000 Besuchern im vergangenen Jahr. Die Konsequenz, welche er aus den gestiegenen Zahlen bei Besuchern, Verletzten und Betrunkenen zieht: "Wir müssen handeln."

Die Folge ist ein früheres Ende der Außenbewirtschaftung. Dass um 23 Uhr Schluss ist, soll nach Türkes Angaben drei Dinge bewirken:

  • Die Innenstadt soll schneller ruhig werden.
  • Die Zahl der Straftaten soll zurückgehen.
  • Die Stadt soll sich zügiger leeren.
Die 23-Uhr-Regelung gilt zunächst für ein Jahr. Nach dem Schwörmontag soll geprüft werden, wie sich die Zahlen verändert haben.
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Kommentare

04.03.2013 20:06 Uhr

Gastronomen wollen nur das schnelle Geld! Ende der DJs

" würden nun vor allem DJs "laute, partyhämmernde Musik" auflegen. "
Na klar, die Wirte buchen billige Djs statt teurer Livebands - und wundern sich, wenn die Menge kocht!

Und dann jammern, wenn die Stadt und die Bürger etwas weniger Lärm und Betrunkene ertragen wollen.

Man sollte die DJs verbieten und lediglich Livemusik zulassen. Das wäre eine Qualitätssteigerung und würde dem Fest gut tun.

Ach, wenn in den Taschen so manchen potentiell raffgierigen Wirtes etwas weniger Geld hängen bleiben würde.

Fände ich wirklich nicht schlimm.

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