Schwörmontag in Ulm: Träge Donau – rauschendes Fest

Rechtzeitig zum Schwörmontag stand die Sonne hoch und versetzte die Ulmer in Festlaune. Tausende waren bei der Schwörfeier, noch mehr beim Nabada, das länger dauerte, als vielleicht jemals zuvor.

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Der Schwörmontag und das Wetter: Ähnlich wie im vergangenen Jahr waren auch heuer die Tage zuvor nass und kalt. Das Konzert von Elton John auf dem Münsterplatz am Freitagabend war noch völlig verregnet und auch das Wochenende kaum besser. Am Montag aber zeigte sich keine Wolke mehr am stahlblauen Himmel, und die Sonne ließ die Temperaturen in Höhen vordringen, die die „Wilden“ in Massen in die Donau trieb, die allerdings ziemlich kalt war. Wenn es in Ulm etwas zu feiern gibt, spielt das Wetter eben mit.

Die großen Themenschiffe stellten beim Wasserumzug ganz überwiegend bundespolitische Themen dar wie Kanzlerin Angela Merkel als Goldesel, das Auf und Ab der Benzinpreise oder die Schlecker-Pleite. Am besten gefiel den vielen Zehntausend Zuschauern beiderseits der Donau aber das Schiff mit der Nummer 13 von der Justizvollzugsanstalt zum Thema Euro-Rettung.

Offizielle und wilde Nabader hatten große Mühe, die Strecke von der Eisenbahnbrücke in die Au zurückzulegen – die Donau war so aufgestaut, dass sie nur träge voran kam.

Anschließend ging es wie gewohnt in die ewig junge Friedrichsau, nach Söflingen, an den Binsenweiher nach Wiblingen oder auch in die Stadt hinein, wo es an vielen Stellen Musik gab.

Der Tag hatte wie alle Jahre mit der Schwörrede des Oberbürgermeisters auf dem Weinhof begonnen. Ivo Gönner räumte in seiner Rede vor vielen tausend Menschen auf einem durch den Bau der Synagoge begrenzten Platz der Solidarität breiten Raum ein und mahnte die Menschen in der Stadt darauf zu achten, dass „Schwache und weniger Lautstarke nicht untergehen“. Nicht erst seit den Donauaktivitäten sei Ulm eine internationale Stadt, in der Heimat für alle sei. In diesem Zusammenhang sprach Gönner unter großem Beifall von einer „Schande“, dass in Deutschland eine rechtsradikale Mördergruppe eine Blutspur durch Deutschland ziehen konnte. „Das darf sich nicht wiederholen und dazu müssen wir alle aufstehen“, sagte Gönner.

Aufgeschreckt haben ihn die schlechten Nachrichten aus der Wirtschaftswelt, die Insolvenzen und Pleiten großer Arbeitgeber in der Region, wegen derer viele Menschen arbeitslos seien. Dennoch seien die Wirtschaftskraft der Region und der Standort gesund und kraftvoll – ebenso wie die Finanzen der Stadt, die ihre Schulden in den vergangenen zehn Jahren um 100 Millionen Euro habe fast halbieren können.

Um die Wirtschaft anzukurbeln und die Energiewende voran zu bringen, hält es Gönner nicht für abwegig, über eine Abwrackprämie für energiefressende Haushaltsgeräte nachzudenken. Und auch auf den City-Bahnhof gemünzt hatte er eine versteckte Neuigkeit parat: Demnach wird die Auslobung des Realisierungswettbewerbs wohl erst Ende kommenden Jahres stattfinden, und somit etwa ein Jahr später als bisher geplant.

Aus einiger Entfernung und nicht wie vorgesehen aus der ersten Reihe verfolgte die baden-württembergische Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) die Schwörrede. Die offizielle Vertreterin des Landes folgte Gönners Rede stehend inmitten der Ulmer und Neu-Ulmer. Sie war nach einem frühmorgendlichen Termin bei IHK-Präsident Peter Kulitz etwas knapp auf den Weinhof gekommen und nicht mehr zu ihrem Platz durchgelassen worden, wo es sich stattdessen der Narr der Küfer-Zunft in grün-rotem Gewand gemütlich gemacht hatte.

Ein Ärgernis, wie ein SPD-Parteigänger meinte. Öney aber sah das ganz entspannt: „Das war ein schönes Gefühl, inmitten der Ulmer zu stehen und der Schwörrede zuzuhören“, sagte sie später beim Empfang im Ulmer Rathaus. Diesen Ulmer Gemeinschafts- und Bürgersinn zu spüren sei für sie etwas ganz besonderes gewesen, sagte die Ministerin. Sie sieht darin die Grundlage der Demokratie, die in freien Reichsstädten wie Ulm geprägt worden sei. Öney: „Die Landesregierung sieht sich in dieser Tradition.“ So sehr Ulm geografisch an der Peripherie liege, was Wissenschaft und Forschung anbelange, seien Stadt und Region ein Kraftzentrum. Die Landesregierung werde Ulm deshalb weiter unterstützen: „Das Geld ist hier gut angelegt und wirft sogar Zinsen ab.“ Bundesbildungsministerin Annette Schavan sprach von einem „wunderbaren Tag“.

Zuvor waren noch zwei Wissenschaftspreise verliehen worden. Ausgezeichnet wurden die Forscher Professor Iris-Tatjana Kolassa und Professor Thomas Walter. Beide erhielten von OB Gönner je eine Urkunde und Schecks über jeweils 7500 Euro überreicht.

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Kommentare

25.07.2012 01:15 Uhr

SWU schuld?

Die SWU stauen seit einiger Zeit die Donau für ihr Wasserkraftwerk höher zurück. Könnte dies zur langsamen Fliesgeschwindigkeit währen des Nabada geführt haben?
Vielleicht sollte man zukünftig die Schleusen am Schwörmontag etwas weiter aufmachen.

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24.07.2012 09:28 Uhr

Anschließend die längsten und lautesten Feiern.

Musikgewumme bis morgens um 1Uhr in der ganzen Stadt, während man gleichzeitig die Kneipenwirte darauf hinweist ihre Musikanlagen leiser zu machen, wegen der Nachbarn und so...

ja ne is klar !

;)

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24.07.2012 00:49 Uhr

Nabada

Das wohl zeitlich längste Nabada der Gechichte. Es lief wie in zeitlupe

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