Schwierige Friedensmission

Die Pfadfinderschaft Sankt Georg aus Söflingen ist am dritten Advent wieder mal in besonderer Mission unterwegs.

|

Sie passt am 13. Dezember den ICE 612 aus München ab, Ankunft Hauptbahnhof Ulm: 8.47 Uhr, an Bord: das Friedenslicht. Aus Bethlehem. Dieses Licht wird seit 1986 in der Geburtsgrotte Jesu entzündet und dann über Wien von Pfadfinderverbänden in alle Welt verteilt.

"Ist eine nette Aktion mit Symbolkraft", sagt Annette Gillhuber von den Söflinger Pfadis, die das Licht mit einer Abordnung von 15 Leuten abholt, um es mit dem Auto nach Söflingen zu bringen und es in der Kirche Mariä Himmelfahrt um 9.30 Uhr an die Gottesdienstbesucher weiterzugeben. So weit, so klar, aber: "Das Entgegennehmen des Lichts ist immer ein kleines Abenteuer."

Der ICE hält sich nicht ewig auf. Man muss den richtigen Waggon erwischen. Die Bahn sagt schon mal den falschen an. "Dann muss man ans andere Ende des Zugs rennen."

2015 lautet das Motto: "Hoffnung schenken - Frieden finden." Damit soll aktuell ein Zeichen für Gastfreundschaft und Menschen auf der Flucht gesetzt werden. Das macht die Sache nicht einfacher. So hatten die Organisatoren in Wien im Vorfeld zu bedenken, dass sich die Ausfahrt des Lichts diesmal "aufgrund der Flüchtlingssituation an der deutsch-österreichischen Grenze schwieriger" gestalten könne, wie sie mitteilten, sprich: Man weiß nicht, ob Züge fahren. Vielleicht müsse man den Bus nehmen, aber: "Wir sorgen unsererseits dafür, dass das Friedenslicht sicher um 6 Uhr in München am Hauptbahnhof ist und von dort seine Reise durch Deutschland antreten kann."

Doch auch im Zug kann es Ärger geben mit Blick aufs Merkblatt der DB: "Informieren Sie das Zugbegleitpersonal sofort zu Beginn Ihrer Mitfahrt darüber, dass Sie ein Friedenslicht mitführen wollen . . . Machen Sie sich unmittelbar nach Fahrtantritt mit dem Standort der Feuerlöscher vertraut . . . Das Licht muss sich entweder in einem geschlossenen Metallbehälter oder einem geschlossenen Glasbehälter befinden, der in einem Metallbehälter steht . . . Bei Zuwiderhandlungen muss das Friedenslicht gelöscht werden!"

Da können die Söflinger Pfadis froh sein, wenn ihr Einsatz am Dritten Advent um 8.47 Uhr nicht schon abgeblasen ist. Doch sie sind hartgesotten. 2014 hatte der Frieden eine Stunde Verspätung in Ulm. Annette Gillhuber: "Da mussten wir den Gottesdienst ohne Licht beginnen." Es wurde noch rechtzeitig nachgeliefert. Mission erfüllt.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Der Rinderflüsterer 

Ernst Hermann Maier setzt sich seit Jahrzehnten für das Wohl seiner Tiere ein. Fast hätte er deswegen seinen Hof verloren. weiter lesen