Schwere Schäden an der Ludwig-Erhard-Brücke in Ulm

Die Brüstung am Gehweg der Ludwig-Erhard-Brücke droht auf die Gleise zu stürzen, weil Träger durchgerostet sind. Die Stadt greift zu Sofortmaßnahmen.

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  • Ein 4 Tonnen schweres Brüstungsteil wurde am Donnerstag aus der Ludwig-Erhard-Brücke gesägt. Ein 50 Zentimeter tiefes Loch, wo keines sein sollte, und verrostete Eisenträger: Das bereitet den Prüfern Sorge.  1/3
    Ein 4 Tonnen schweres Brüstungsteil wurde am Donnerstag aus der Ludwig-Erhard-Brücke gesägt. Ein 50 Zentimeter tiefes Loch, wo keines sein sollte, und verrostete Eisenträger: Das bereitet den Prüfern Sorge. Foto: 
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    Schäden an der Ludwig-Erhard-Brücke Foto: 
  •  Ludwig-Erhard-Brücke: Teil der Brüstung wird wegen Schäden herausgeschnitten  3/3
    Ludwig-Erhard-Brücke: Teil der Brüstung wird wegen Schäden herausgeschnitten Foto: 
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So jung und schon so kaputt: Die erst 28 Jahre alte Ludwig-Erhard-Brücke macht den Verantwortlichen bei der Stadt Ulm wegen ihres hohen Sanierungsbedarfs schon lange Sorgen. Mit einem solchen Schaden aber hätte Gerhard Fraidel nie gerechnet. Die Betonbrüstung am Rand des Geh- und Radwegs ist so marode, dass Teile auf die Gleise zu stürzen drohen. Die Fahrbahn selbst sowie die Geh- und Radwege sind aber sicher.

Fraidel, der für die Verkehrsinfrastruktur der Stadt verantwortlich ist, fürchtet, dass die Brüstung ersetzt werden muss, „wir müssen die Gefahr beseitigen“. Und zwar vor allem auf der Südseite der Brücke Richtung Hauptbahnhof, und da wiederum auf dem Teil Richtung Neutorstraße.

Der Schaden war bei einer Kontrolle entdeckt worden, „zum Glück“, wie Fraidel sagt. Der Prüfer klopfte heikle Stellen mit einem Hammer ab – und das Geräusch klang hohl. Die Stelle wurde geöffnet, und es offenbarte sich ein Loch. „Der Meterstab verschwand 50 Zentimeter weit drin.“ Wie groß der Hohlraum tatsächlich ist, kann Fraidel noch nicht sagen. Und auch nicht, ob es noch mehr davon gibt. „Wir wissen nicht: Ist das nun die beste oder die schlechteste Stelle?“

Gestern ließ Fraidel ein 3,8 Meter langes, 4 Tonnen schweres Brüstungsteil aus der Brücke sägen, um den Schaden genau unter die Lupe nehmen zu können. Auf den ersten Blick zeigten sich Mängel im Beton, Löcher und Risse. An diesen Stellen dringt Wasser ein, es gefriert, dehnt sich aus und könnte Bruchstücke weg-
sprengen. Im Winter spült das Wasser zudem Streusalz ins Bauwerk. Es hat die Eisenträger so angegriffen, dass sie an der untersuchten Stelle kaum mehr vorhanden sind.

Als Grund vermutet Fraidel Bau- oder Konstruktionsmängel. Die Betonbrüstung besteht aus Fertigteilen, die auf die Brücke aufgesetzt wurden und mit ihr über zwei Eisenträger verbunden sind. „Das ist eine Stelle, die man mit Beton nicht gut füllen kann“, erklärt der Abteilungsleiter, der von einer „unglücklichen Konstruktion“ und Ausführungsmängeln spricht. Sie seien womöglich teilweise dem Umstand geschuldet, dass die Technik vor 30 Jahren nicht dem heutigen Stand entsprach. Ob dafür jemand haftbar gemacht werden kann, werde die Rechtsabteilung der Stadt prüfen. Die Baufirma allerdings, die die Ludwig-Erhard-Brücke 1989 gebaut hat, gibt es nicht mehr.

Die Stadt nimmt sich als erstes den Abschnitt zwischen Hanser & Leiber bis ungefähr zur Brückenmitte vor. Die ausgesägte Stelle wird als Notlösung von einer Stahlkonstruktion ersetzt, die die Firma Peri auf die Schnelle liefern konnte. Das gestern ausgesägte Bauteil wird nun eingehend untersucht. Fraidel befürchtet aber, dass die Brüstung an der gesamten Brücke ausgetauscht werden muss. Für eine schmucklose Normallösung rechnet er mit Gesamtkosten von drei Millionen Euro. Wegen des Bahnverkehrs kann die Stadt nicht auf einfache Standardgeländer zurückgreifen. Die Brüstung muss zum Beispiel Wind in Orkanstärke aushalten, damit selbst dann nichts auf die Gleise fällt. Soll die Brüstung zudem gut aussehen, wird’s teurer.

Die Brüstung auf der Nordseite, also Richtung SWU, ist in diesem Jahr bereits saniert worden, hatte aber bei Weitem nicht die Schäden wie im Süden. Der Austausch der Brüstung soll auf der Brücke, auf der jeden Tag fast 35.000 Fahrzeuge verkehren, mit möglichst geringen Sperrungen einhergehen. Fraidel hofft deshalb, dass die Bahn die Einwilligung gibt, mit einem Kran von unten her zu arbeiten.

Hier lesen Sie weitere Daten und Fakten zur Ludwig-Erhard-Brücke...

Brücken Eine Brücke sollte im Durchschnitt nach 40 Jahren saniert werden und insgesamt 80 Jahre lang halten. Die Ludwig-Erhard-Brücke ist gerade mal 28 Jahre alt und schon ein schwerer Sanierungsfall. Zum Vergleich: Die Brüstung an der Herdbrücke hat 60 Jahre lang gehalten.

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