Schulprojekt "Auf der Kippe" von Oberlin: Rechtliche und moralische Bildung

Soziale Kompetenz schließt die Fähigkeit ein, zu wissen, was richtiges Verhalten und was Recht ist. Oberlin hat dafür das Schulprojekt "Auf der Kippe" entwickelt und dafür jetzt eine Auszeichnung bekommen.

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Hoher Besuch bei Oberlin (von rechts): Siegfried Hoch, Vorstand der Stiftung Präventive Jugendhilfe, Herzogin Marie von Württemberg, Oberlin-Leiterin Renate Könn und Mitarbeiterin Kathrin Modsching. Könn und Modsching stellten den Besuchern das Projekt für Schüler vor. Foto: Volkmar Könneke

Susanne und ihre beste Freundin (beide 16) gehen Klamotten einkaufen. Die Freundin behält eine Bluse, die ihr gefällt, einfach unter dem Mantel an und verlässt den Laden. Kurz darauf kommt der Kaufhausdetektiv zu Susanne und will den Namen des Mädchens wissen, mit dem sie zusammen war. Was soll Susanne tun: Die Freundin verraten oder sich der Mithilfe einer kriminellen Tat schuldig machen?

Diese Beispiel-Situation stammt aus dem Schulprojekt "Auf der Kippe - Über Recht und Unrecht im gesellschaftlichen Miteinander". Entwickelt hat es die Ulmer Jugendhilfeeinrichtung Oberlin, die Idee stammt von der Mitarbeiterin Kathrin Modsching. Drei Klassen der Jahrgangsstufen acht und neun im Ulmer Westen - von Pestalozzi-Förderschule, Albrecht-Berblinger-Werkrealschule und Elly-Heuss-Realschule - haben das Projekt durchlaufen. Mit viel positiver Resonanz.

Noch erfreulicher ist den Verantwortlichen die Nachricht aus Tübingen: Das Oberlin-Projekt bekommt den Herzogin-Marie-Preis 2012 der Stiftung Präventive Jugendhilfe. Dieser Tage war der Stiftungsvorstand samt der Namensgeberin, der Königlichen Hoheit Herzogin Marie von Württemberg, am Eselsberg, um sich vor Ort über "Auf der Kippe" zu informieren.

Die Idee stammt aus der Arbeit mit straffällig gewordenen Jugendlichen. "Unsere Erfahrung ist, dass viele gar nicht genau benennen konnten, was überhaupt Straftaten sind, und sie hatten auch kein Wissen über rechtliche Konsequenzen", sagte Modsching. Daraus ergab sich eine Säule von "Auf der Kippe": die Information über die rechtliche Seite. Die andere Säule ist die moralische Bildung, die auch die Fähigkeit einschließt, einen eigenen Standpunkt zu beziehen und diesen begründen zu können. "Wir haben einen guten Weg gefunden, um alle Jugendlichen zu erreichen", zieht sie Bilanz. Das Projekt hat in allen drei Schultypen funktioniert. Umgesetzt wurde es in Form von zwei oder drei zusammenhängenden Projekttagen in einem "Mix an Methoden": So gab es Theorie-Teile mit rechtlichen Informationen durch eine Anwältin, es gab Diskussionen, um die eigene Meinungsbildung zu üben und erlebnispädagogische Elemente, um manches auch praktisch zu erfahren.

"Wir wollten nichts Theoretisch-Verkopftes, sondern haben einen lebensnahen Ansatz für die Jugendlichen gewählt", betonte Modsching. Das zeigt auch das eingangs genannte Beispiel. Und sie berichtete vom Fazit der Ulmer Jugendlichen: "Sie haben gesagt, dass sie jetzt mehr wissen und dass sie auch anders denken."

Wie Renate Könn, die Leiterin von Oberlin sagte, wurde die Dokumentation so angelegt, dass "anhand dieses Rezepts" Sozialarbeiter und Lehrer das Projekt "Auf der Kippe" selbstständig umsetzen können. Bislang ist eine Broschüre erschienen, die angefordert werden kann. Ein Teil des Preisgelds soll dazu verwendet werden, die Dokumentation in einer höheren Auflage herauszubringen, "dann können wir das weiter in die Welt streuen", hofft Könn.

In der Broschüre finden sich detaillierte Pläne für die Projekttage, ausführliches Material zur Gestaltung der einzelnen Bausteine, Diskussions- und Übungsvorschläge ebenso wie Elternbriefe.

Info Die offizielle Verleihung des Herzogin-Marie-Preises findet am Mittwoch, 17. Oktober, in Ellwangen statt. Die 10 000 Euro Preisgeld teilen sich Oberlin für "Auf der Kippe" und das Theater Tempus Fugit aus Lörrach für ein Theaterprojekt zum Thema Zivilcourage. Die Auszeichnung wird alle zwei Jahre vergeben.

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