Schock im Ulmer Jobcenter: Arbeitsvermittlerin niedergeschlagen

Eine 38-jährige Arbeitsvermittlerin ist in ihrem Büro im Jobcenter überfallen und niedergeschlagen worden. Sie musste in der Klinik behandelt werden.

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Die Bestürzung ist groß in der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter in der Oststadt. Am Montagnachmittag ist ein Unbekannter in das Gebäude gestürmt, hat gezielt ein Zimmer in der zweiten Etage aufgesucht und die dort arbeitende 38-jährige Arbeitsvermittlerin mit mehreren Schlägen ins Gesicht und auf den Körper krankenhausreif geschlagen. „Wir sind geschockt“, sagte Sprecher Michael Wägerle auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE.

Die Polizei bestätigt die Informationen dieser Zeitung und den Vorgang, hatte aber selbst keine Mitteilung veröffentlicht. Die Darstellungen gehen allerdings auseinander. Während die Polizei von zwei Schlägen ins Gesicht und einer einfachen Körperverletzung ausgeht, spricht die Familie von schweren Verletzungen, einer gebrochenen Nase und zahlreichen Hämatomen am Oberkörper der Frau. Offenbar war sie zur ärztlichen Behandlung im Bundeswehrkrankenhaus, hat die Nacht aber auf eigene Verantwortung zuhause verbracht.

Über die Hintergründe ist nichts bekannt. Zwar scheint es so, dass der etwa 25 bis 30 Jahre alte Mann mit roten Haaren und schwäbischer Aussprache, zielgerichtet das Büro der 38-Jährigen aufgesucht hat. Aber weder ihr noch ihren Kollegen, die den Täter auf dem Weg durch das Haus gesehen haben, ist der Mann bekannt. „Das Motiv ist uns völlig unklar“, sagt Behördensprecher Wägerle. Demnach wäre der Täter nicht ein unzufriedener Kunde des Jobcenters, wie zunächst vermutet worden war. Der Mann ist nach dem Vorfall sofort zu Fuß geflüchtet und konnte bislang nicht ermittelt werden. Opfer wie Behörde haben Strafanzeige gestellt.

Derweil gibt es erneute Diskussionen und Forderungen bezüglich höherer Sicherheitsvorkehrungen im Jobcenter. „Wir sind eine öffentliche Einrichtung mit öffentlichen Zugängen, die nicht nur notwendig, sondern auch gewünscht sind“, sagt Wägerle, der eine Verschärfung an dieser Tatsache für einen Schritt in die falsche Richtung hielte.

Es gebe Sicherheitsvorkehrungen, die auch immer auf den neuesten Stand gebracht und eingeübt würden. Eine 100-prozentige Sicherheit könne es in einem Jobcenter aber nicht geben. Behördensprecher Wägerle: „Das ist immer auch Teil der Teambesprechung, weil es Teil der Arbeit ist.“

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Kommentare

04.03.2015 14:05 Uhr

@HANS G. LAECHTER

Hallo,

seltsam - ich habe von bekannten ähnliche sachverhalte aus Ulm Stadt gehört:

Aussagen der zuständigen sachbearbeiterin wie - Sie machen das was ich ihnen sage, ich entscheide über Sie -> drohungen, keine "vermittlungen", die meisten aktionen wurden als schikane empfunden, bei beschwerde wurde sofort massiv gedroht: kürzung, sperre etc.

Beide bekannte studierte mit FH-Diplom und MBA, einer sogar noch mit berufsausbildung und erfahrung.
Nach beschwerde über die jeweilige sachbearbeiterin, fanden die termine nur noch mit zusätzlichem zeugen/beisitzer statt.

Beide haben bewerbungen geschrieben und wurden auch zu vorstellungsgesprächen
eingeladen - bundesweit - mittlerweile haben sie wieder eine festanstellung.

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04.03.2015 10:02 Uhr

Jobcenter

Leider sieht das Gesicht unseres Staates je nach Einkommensklasse sehr unterschiedlich aus.
Als Arbeitsloser in einer lobbyfreien Zone angekommen, zeigt sich dieses Gesicht leider meist nur noch als drohende Fratze. Wer nicht sofort widerspruchsfrei ins nächste Hamsterrad springt, einen Job, der oft kaum genug zum Leben abwirft, keine Befriedigung, Selbstbestätigung oder Selbstverwirklichung bietet, wird gnadenlos unter Druck gesetzt.. Die Agenda 2010 hat weiter befördert, daß wir aus unserer sogenannten sozialen Marktwirtschaft das Wort "sozial" beruhigt streichen können. Wer heute soziale Ansprüche geltend macht, selbst wenn er 40 Jahre lang ununterbrochen gearbeitet hat, muss sich erst mal nackt machen und wird von Mitarbeitern des Jobcenters oft würdelos gegängelt.
Es ist schon traurig, daß in unserem so wohlhabenden Industriestaat so wenig Toleranz denen gegenüber geübt wird, die nicht sofort wirtschaftlich bedingungslos verwertbar sind.
Doch ein Staat, der seit Jahren für ein Lohnniveau sorgt, das oft zum Leben kaum mehr reicht, während mittlerweile eine winzige Elite von 5% Deutscher 50 % des deutschen Vermögens an sich gerafft haben und somit den anderen 95 % der Bevölkerung entziehen, frage ich mich, ob unsere Politiker jegliche Bodenhaftung verloren haben.
Mich wundert es schon lange, mit welcher Geduld unsere am unteren Rand der Gesellschaft lebenden Menschen das unsoziale Verhalten unserer "sozialen" Einrichtungen ertagen.
Und ich frage mich, wie gut es Menschen in in unserer "Leistungsgesellschaft" wirklich geht, wenn ich die erschreckende Zahl von Selbstmorden, besonders von jungen Menschen, in Deutschland betrachte.

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04.03.2015 07:15 Uhr

Arveitsloser vermittelt Job?

Hättest du nur die letzten Sätze geschrieben, würden die bestimmt mehr Leute lesen! Wahrscheinlich aber war der Auftraggeber nicht zu clever, dort wo ihn jeder kennt ohne Maske eine Straftat zu verüben, sondern einfach nur zu faul, den Job selbst zu machen...

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