Schneevorhersage mit Heilpflanze: Ein Bayer setzt auf altes Wissen

Wenn Joseph Haslinger die Pflanze namens Königskerze im August anschaut, weiß er, wie der Winter wird. Seine Prognose für dieses Jahr trifft bisher zu. Obwohl das Gewächs in ganz Deutschland zu finden ist, wagt sich selbst die Ulmer Kräuter-Kennerin Carmen Kreiser nicht an eine Deutung.

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Eine Königskerze ist mehr als eine Heilpflanze. Joseph Haslinger aus Benediktbeuren sagt, er könne anhand ihres Blütenstandes ablesen, wann es im Winter schneit.  Foto: 
Die Königskerze kann mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Das meint zumindest Joseph Haslinger aus Benediktbeuren in Oberbayern. Er kennt sich mit der Heilpflanze gut aus und sagt, er könne anhand des Blütenstands des Gewächses schon im Sommer sagen, wie der Winter wird. Für diese Aussage wurde der alte Mann, der im Sommer gerne ganz traditionell seine kurze Lederhose anzieht, schon viel verspottet.

Ob der Haslinger Sepp, wie in seiner Heimat genannt wird, wohl recht hat? In der Sendung "quer" im Bayerischen Fernsehen hatte er im August gezeigt, wie er den Blütenstand seiner Königskerze für eine Voraussage zu Rate zieht. Und bislang traf seine Prognose für diesen Winter zu. Die Mitarbeiter vom Bayerischen Rundfunk besuchten den Mann im Februar noch einmal und stellten fest, dass er tatsächlich gewusst hatte, in welchem Monat Schnee liegt.

Als Spinner bezeichneten einige Einwohner von Benediktbeuren den Mann mit dem grauen Bart. Beim Faschingsumzug nahmen ihn die Narren aufs Korn und dichteten Sprüche über ihn. Doch davon lässt sich der Wetter-Sepp nicht aus der Ruhe bringen. Das Wissen über die Pflanze hat er von seinen Vorfahren, die sich seit 200 Jahren nach der Königskerze gerichtet hätten.

Auch in Ulm wächst die Königskerze - doch keiner kann sie deuten

Carmen Kreiser kennt sich mit Kräutern und den dazu gehörenden Geschichten aus. Sie weiß, dass die Königskerze auch in Ulm gut gedeiht. Dass man mit ihrer Hilfe herausfinden kann, wie der Winter wird, wusste sie jedoch nicht. "Davon höre ist zum ersten Mal", sagt die 42-jährige Ulmerin. Sie bietet regelmäßig Führungen durch den Heilkräutergarten des Botanischen Gartens der Uni Ulm an. Auch dort blüht im Sommer ein Exemplar.

"Ich weiß, dass die Königskerze ganz wichtig ist für den Kräuterbuschen, den man an Mariä Himmelfahrt bindet." Dieser Brauch werde in der Region noch immer gelebt. Frauen sammeln vor dem Feiertag Kräuter und binden diese in Sträußen zusammen, damit sie in der Kirche geweiht werden können. "In die Mitte kommt die Königskerze", erzählt Kreiser. Es sei eine bedeutende Heil- und Zauberpflanze.

Sie weiß, warum sich so viele Mythen um die Pflanze mit den gelben Blüten ranken. Im Volksmund wird sie nämlich auch Wetterkerze genannt. Dass der Haslinger Sepp ganze Rodelrennen nach der Königskerze plant, will sie kaum glauben. Wobei es natürlich viele Bauernregeln gebe, die auch zuträfen. Sie kann sich durchaus vorstellen, dass es darauf ankommt, wie viele Samen die Pflanze ausbilde. Man könne schließlich auch etwas davon ableiten, wenn Bäume im Sommer viele Früchte trügen. Die Kräuterkennerin weiß: "Dann wir es ein harter Winter."

Der Wetter-Sepp glaubt, dass an Ostern in Oberbayern nochmal Schnee liegt

Dass der Haslinger Sepp sogar wusste, dass es keine weiße Weihnachten geben wird, macht sie stutzig. Eine Vorhersage auf den Monat oder gar Tag genau sei eigentlich eher ein Wunder. Aber vielleicht wird auch Kreiser in diesem Sommer eine Königskerze beobachten und anschließend eine Prognose für den Winter aufstellen? Die Ulmerin lacht: "Vielleicht."

Der Winter ist noch nicht vorüber. Noch kann der Haslinger Sepp falsch liegen. Für die Region rund um Benediktbeuren sagt er nämlich voraus, dass an Ostern noch einmal Schnee liegen wird. Mit dieser Aussage hat er schon viele Frühlingsfans verärgert. Ob er Recht behält, wird sich Ende des Monats zeigen.
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