Schmutziger Dienstag

Mehr Müll und mehr Straftaten: Die eher ernüchternde Bilanz einer Nacht, in der zu viel Alkohol nicht selten Katalysator für Gewaltausbrüche war. Auch am Bahnhof gerieten Betrunkene außer Kontrolle.

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Szenen eines Schwörmontags (im Uhrzeigersinn): Sicherheitsleute halten einen Besucher fest und übergeben ihn später der Bereitschaftspolizei, Ulmer Polizeibeamte im Einsatz auf dem Marktplatz, Jägermeister-Konsum beim"Wilden Mann", Kater nach der Partynacht. Fotos: Volkmar Könneke

"Trinken kann jeder, saufen nur die Elite" lautete die Aufschrift auf einem T-Shirt bei der Schwörmontagsparty. Viele Jugendliche schienen das wörtlich zu nehmen, entsprechend die Bilanz der Nacht auf Dienstag: 83 behandelte Verletzte, 22 mussten ins Krankenhaus gebracht werden, resümierte am Morgen danach der ASB. Ein großes Problem in diesem Jahr: Schnittverletzungen durch Glasscherben.

Polizeisprecher Reiner Durst:"Seit 2011 müssen die Wirte zwar in Plastikbechern ausschenken. Aber offenbar haben viele Gläser und Flaschen mitgebracht . . ." Vor allem leere und zu Bruch gegangene Sektflaschen säumten die Straßen.

Die Polizei zog eine durchwachsene Schwörmontags-Bilanz. Während es auf Neu-Ulmer Seite kaum nennenswerte Vorfälle gab, zählte die Polizeidirektion Ulm deutlich mehr Straftaten als 2011. Bis zum frühen Dienstag wurden insgesamt 16 Körperverletzungen, zwei Diebstähle und mehrere Beleidigungen angezeigt."In den meisten Fällen spielte Alkohol eine tragende Rolle als Katalysator für Gewalt", sagte Durst. Mehrere Betrunkene kamen in Gewahrsam oder wurden ihren Eltern in Obhut gegeben.

In neun Fällen ermittelt die Polizei wegen gefährlicher Körperverletzung - also Taten, bei denen Beteiligte gemeinsam oder besonders aggressiv agiert haben. So traktierten gegen 19 Uhr drei Jugendliche einen Heranwachsenden auf der Donauwiese, bis beherzte Passanten eingriffen. Wenig später attackierte ein Quintett in der Friedrichsau einen 31-Jährigen, der von einem Arzt behandelt werden musste. Um 0.30 Uhr zerrte ein 26-Jähriger seine Frau an den Haaren heimwärts. Passanten, die einschritten, verletzte er mit Schlägen und Tritten. Der Mann wurde gefasst. Massive Gesichtsverletzungen erlitt ein 18-Jähriger, der gegen 2 Uhr in der Hirschstraße von einem Unbekannten angegriffen wurde. Gegen 4.45 Uhr fasste die Bundespolizei einen 21-Jährigen, der zwei 27-Jährige mit einem Messer bedroht haben soll.

Erfolgreich zur Wehr setzte sich eine 27-Jährige, die gegen 2 Uhr in der Hafengasse von zwei Unbekannten - beide etwa 25 bis 30 Jahre alt und 1,70 Meter groß - unsittlich berührt wurde. Sie schrie laut, schlug um sich und damit die Täter in die Flucht. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei in der Sache laufen.

Über die Zahl der Einsatzkräfte schweigt sich die Polizei aus. Die Präsenz, verstärkt durch Bereitschaftspolizei, sei vergleichbar mit den Vorjahren gewesen. Die Situation wirkte vor allem an Engstellen teils bedrohlich. So sagte ein Jugendlicher beim Nabada am Metzgerturm, wo vor lauter Menschen kein Durchkommen war:"Das ist fast schon wie bei der Love Parade in Duisburg." Es gab auch andere Engstellen, vor allem nachts im Fischerviertel, am Lautenberg, am Marktplatz, Neue Mitte bei Fielmann.

Zu problematischen Szenen kam es auch am Hauptbahnhof, Hauptursache Alkohol. So wurde das Personal der Bahn beleidigt, weil der Regionalexpress nach Sigmaringen wegenÜberfüllung um 22.15 Uhr nicht abfahren konnte. Es musste ein zusätzlicher Waggon bereitgestellt werden. Ein alkoholisierter 27-Jähriger wurde wegen des Platzverweises so aggressiv, dass er sich danach an einem Streifenwagen zu schaffen machte. Beamte konnten einschreiten. Mit zwei Promille überquerte ein 23-Jähriger gegen 23.40 Uhr mehrere Gleise im Hauptbahnhof. Als ihn ein Bahnmitarbeiter zur Rede stellte, wurde er tätlich angegriffen. Noch gegen 4 Uhr hielten sich 150 betrunkene Schwörmontagsbesucher in der Bahnhofshalle auf, bevor sie mit Regionalzügen die Heimreise antraten.

Zu dieser Zeit begann dann auch das groß Reinemachen am frühen Dienstag. 20 Mann der Entsorgungsbetriebe Ulm (Ebu) hatten Dienstantritt, drei Stunden später kamen noch einmal fünf Helfer hinzu. Auf 20 Tonnen - und damit deutlich mehr als im Vorjahr - schätzt Ebu-Betriebsleiter Michael Potthast die Müllmenge, die seine Mitarbeiter größtenteils bis gestern Mittag eingesammelt hatten - mit Hilfe von sechs Kehrmaschinen, einem Containerfahrzeug und sogar einem Radlader. Das konnten natürlich auch die 75 zusätzlich aufgestellten Mülleimer nicht fassen.

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