Schlicht, aber stimmig

Ein Dorf steht Kopf. Schieberei und Korruption drohen aufzufliegen. Doch der Revisor ist selbst nur ein Mensch. Der Jugendclub des Theaters macht aus Gogols Stoff eine genüssliche Farce in "Dogville"-Optik.

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Ein Dorf im Stress: Der angekündigte Revisor scheucht nicht nur die Gutsbesitzerinnen Bobtschinskij und Dobtschinskij auf. Foto: Hermann Posch

Ich-ich-ich, und dann erst alle anderen. So lautet das oberste Prinzip der Großkopfeten in Nikolai Gogols Stück "Der Revisor". Aufgeschreckt durch den angekündigten Besuch eines inkognito auftretenden hohen Beamten aus der Hauptstadt, reden die Dorfbewohner mächtig aneinander vorbei. Das hebt Regisseurin Miriam Locher in ihrer neu übersetzten und auf knapp eine Stunde gekürzten Fassung für den zweiten Jugendclub des Theaters Ulm hervor, indem sie Bürgermeister, Richterin, Klinikchef, die sediert wirkende Postbotin sowie zwei hühnerhaft aufgeregte Gutsbesitzerinnen die meiste Zeit frontal ins Publikum statt zueinander sprechen lässt.

Im Übrigen setzt sie auf Situationskomik und Slapstick, was beim Premierenpublikum im Podium des Theaters mit reichlich Lachern und Applaus quittiert wurde.

Britta Lammers hat für diesen mehr als 170 Jahre alten gesellschaftskritischen Komödienklassiker ein minimalistisch-modernes, bewusst an Lars von Triers "Dogville"-Ästhetik angelehntes Bühnenbild in der Grundfarbe egoistisch-gieriger Seelen konzipiert: Schwarz. Ihre Kostüme sind schlicht modern. Wenig soll ablenken von den sich überkreuzenden Monologen.

Franziska Wierse verkörpert den titelgebenden Revisor zunächst recht harmlos: als Spielerin, die in St. Petersburg ihr Geld verjubelte und nun vor dem Vater zu Kreuze kriechen soll. Auf dem Weg dorthin macht sie samt obelixhafter Dienerin Osip (überzeugend: Sonja Halter) im Dorfgasthof Station. Ihren großen Auftritt hat die vermeintliche Revisorin erst, als sie vom korrupten Stadthauptmann (Christian Mertl) und seiner ehrgeizig-zickigen Gattin (Vita Sadovnikova) mittels Schnaps vorübergehend ruhiggestellt werden soll. Das geht schief, denn die Chlestakowa riecht den Braten und spielt sich so genussvoll wie lallend als JK-Rowling-Intima mit zahlreichen Kontakten zu den Mächtigen auf.

Nach und nach marschieren also Nina Habres als hyperventilierende Richterin, Nick Körber als windiger Oberarzt, Miriam Maric als bekiffte Postlerin sowie die Tuschel-Girlies Dobtschinskij und Bobtschinskij (herrlich: Karoline Jagodzinski und Clara Kaltenbacher) bei ihr auf und schmieren sie mit zugkräftigerem Stoff: grünen Rubel-Scheinen. Dagegen ist kein Gras gewachsen. Erst als die unfreiwillige Hochstaplerin auf Anraten der bodenständigen Osip abgereist ist, bemerken die angeschmierten Dörfler ihren Irrtum.

Locher macht aus dem "Revisor" eine kurzweilige Farce, die 14- bis 18-jährigen Darsteller zeigen eine stimmige Ensembleleistung.

Info Weitere Termine: morgen, Dienstag, sowie am 14. und 20. Juni.

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