Schlechte Signale, gute Struktur

Die Arbeitnehmer-Organisation der SPD im Land hat sich über die Lage am Ulmer Arbeitsmarkt informiert. Die Zeichen sind widersprüchlich. Während viele ihre Jobs verlieren, ist der Arbeitsmarkt breit aufgestellt.

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Schlecker, Nokia, Iveco - die Nachrichten aus der Wirtschaftsregion Ulm waren zuletzt nicht gut: Arbeitsplatzverluste auf breiter Front. Der Landesvorstand der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) in der SPD Baden-Württemberg hat sich mit einer Sitzung explizit der Zukunft der Arbeit in Ulm gewidmet. Aktuelle Nachrichten kamen beim Treffen der Sozialdemokraten im Kornhauskeller von Gewerkschaftsvertretern und von Hilde Mattheis, der SPD-Bundestagsabgeordneten aus Ulm.

Schlecker, Nokia, Iveco - alles Einzelfälle? Ja und nein. Während für Peter Fischer, den Vorsitzenden des Deutschen Gewerksschaftsbunds (DGB) Südwürttemberg, derzeit "vieles verharmlost wird", liegt doch jeder dieser drei Fälle wieder anders.

Schlecker: Die Besonderheit bei der Drogeriekette ist, dass vor allem Frauen von der Insolvenz betroffen sind, die schwer wieder einen Job finden. 800 Menschen sind in der Region betroffen, nur 20 Prozent von ihnen sind bislang weitervermittelt. Nach den Verkäuferinnen trifft es jetzt die Lagermitarbeiter, dann die in der Verwaltung.

Nokia: Die Schließung des Standorts nährt bei Petra Wassermann, der Geschäftsführerin der IG Metall in Ulm, die Sorge, dass die Abwärtsspirale auch den Strukturwandel in der Region trifft, in diesem Fall hochqualifizierte Arbeitnehmer. Besonderheit in Ulm für Mattheis: "Nokia war nicht in die Stadtgesellschaft integriert." Der Untergang vollzieht sich ohne größere öffentliche Teilhabe von Gewerkschaft und Politik.

Iveco: anders beim Lastwagenbauer. Die Folgen der Werksschließung im Donautal für die Beschäftigten konnten dank des öffentlichen Drucks erträglicher gestaltet werden, wie die AfA-Runde konstatierte. Jetzt aber kommen die Auswirkungen bei den Zulieferern an, wie bei ZF am Bodensee, das die Getriebe für die Ulmer Laster lieferte.

Dass Autobauer wie Iveco Probleme haben, gilt ohnehin als Alarmzeichen für die Gesamtwirtschaft. Ulm hat für Mattheis durch den Ausbau des Dienstleistungssektors vor allem auf dem Oberen Eselsberg dabei zwar eine "gute Struktur". Allerdings mache sich Angst nun auch dort breit, wo man bei einem "verwöhnten Arbeitsmarkt" bislang mit stetigem Zuwachs rechnen konnte.

Das große Thema für Petra Wassermann ist "die Qualität der Arbeit in der Region", in der der Erfolg zuletzt zu sehr durch Leiharbeit, Auslagerungen und Tarifabsenkung erkauft und neues Personal zu oft vom Personaldienstleister gestellt werde. Auch für AfA-Landesvorsitzenden Udo Lutz ist angesichts der Lage vieler Menschen im Besonderen wie der Konjunktur im Allgemeinen klar, wohin die Reise gehen muss: Entgelte hoch-, prekäre Beschäftigung zurückschrauben. Die "Ausfransung" bei Arbeitsverhältnissen müsse eingedämmt werden.

Info Die AfA ist die größte Arbeitsgemeinschaft in der SPD, sie verfolgt die ureigenen Parteiziele Arbeit und soziale Gerechtigkeit. Mitglieder sind politisch interessierte Arbeitnehmer, Gewerkschafter, Betriebs- und Personalräte. Ziel sind existenzsichernde, sozial abgesicherte Arbeitsplätze.

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