Scherer-Ensemble besingt den Wein

Wein, Weib und Gesang. Das Scherer-Ensemble unter Thomas Müller entführte im Gewölbekeller des Schwörhauses zumindest in die Welt des Weins.

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Ulm zur Zeit der Renaissance und Romantik: Jeden Samstag fand auf dem Weinhof der Weinmarkt statt. Im Gewölbesaal des Schwörhauses auf dem Weinhof floss ebenfalls viel von dem roten Saft, denn der Saal wurde als Weinlager genutzt. Ein idealer Ort also für ein Konzert, das sich dem Thema Wein widmet. Mit Kompositionen aus Renaissance und Romantik besang das Scherer-Ensemble den edlen Trank in allen Facetten.

Es ging um den Wein und Könige, Frauen, Liebe und Kummer. Schon mit dem Eröffnungsstück und den einleitenden Zeilen "Ein König ist der Wein", die auch das Motto des Konzerts bildeten, zog das Ensemble die Zuhörer in seinen Bann.

Ein sehr ausgeglichener Stimmsatz aus Tenor, Bariton und Bass erfüllte den Saal. Leiter Thomas Müller hatte sich bewusst für Werke weniger bekannter Komponisten entscheiden. Dafür ist das Scherer-Ensemble bekannt. Statt zum "hundertsten Mal eine Brahms-Interpretation" zu hören, standen Komponisten aus Ulm und Oberschwaben im Vordergrund: etwa der Söflinger Wilhelm Speidel (1826-1899) und der zeitweise Ulmer Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791).

Aber nicht nur in Ulm und Umgebung wurde der Wein besungen, auch bekannte Größen wie Felix Mendelssohn Bartholdy oder Franz Schubert liebten offenbar den gegorenen Saft. Das Scherer-Ensemble trat für diesen Anlass in rein männlicher Besetzung auf. Acht ausgebildete und teilweise professionelle Sänger begeisterten den gut gefüllten Saal.

Doch nicht nur die Ohren kamen auf ihre Kosten. In der Pause waren Mund, Nase und Augen an der Reihe. Jacques Wein-Depot lud zur Weinverkostung ein, Stadtarchiv und Stadtbibliothek stellten literarische Schätze zum Thema aus.

Das Publikum amüsierte sich etwa über den Namen des wirklich existierenden Dichters Blasius Vielsauff. Die Buch- und Quellenbestände umfassten aber auch Warnungen, die gleich zu Beginn an das Publikum weitergeleitet wurden. "Wer sich ihm thut überladen / dem bringt er endlich grossen Schaden." Der enthusiastische Applaus beanspruchte letztlich auch die Hände und damit den Tastsinn. Mit einem dem Wein gewidmeten Gute-Nacht-Lied verabschiedete sich das Ensemble.

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