Schavans Wechsel in den Vatikan: Ohne jede Schamfrist

Annette Schavans Abschied aus Berlin ohne jede Schamfrist – gewiss bedingt, weil der Botschafterposten am Heiligen Stuhl jetzt und nicht x-beliebig frei wird – beschädigt das Bild der Politik weiter. Ein Kommentar von Hans-Uli Thierer

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Überraschend kommt der  Rückzug Annette Schavans aus dem Bundesta<span style="display: none;"> </span>g nicht. Ihre Ankündigung vor Wochen, sich auf einen neuen Lebensabschnitt vorzubereiten, klang kryptisch, war aber in Wirklichkeit glasklar. Zurück lassen wird sie eine – allem wohlfeil zur Schau getragenen Verständnis Partei-Altvorderer zum Trotz – bitter enttäuschte Parteibasis.

Schließlich hatten die Granden vor Jahresfrist alle Hebel in Bewegung und die Mitglieder regelrecht unter Psychodruck gesetzt, um der wegen ihrer Doktorarbeit unter Beobachtung stehenden damaligen Ministerin eine gute Nominierung für den Bundestag zu bescheren. Eine Demonstration der Geschlossenheit wurde es dann: 95,5 Prozent bedeuteten angesichts der Plagiatsaffäre für die keineswegs heiß und innig geliebte Schavan mehr als einen Vertrauensbeweis.

Und jetzt? Was ist die Moral von der Geschicht’? Schavan wechselt nach Rom und signalisiert entgegen allen Beteuerungen nach ihrem Rücktritt vom Ministeramt damit, dass sie sich zu Höherem berufen fühlt als zur gewöhnlichen Abgeordneten. Zu fein fürs harte Brot auf den harten hinteren Bundestagsbänken? So wird diese Entscheidung ankommen beim Fußvolk. Die mit politischen Talenten in Stadt und Kreis nicht übermäßig gesegnete CDU steht erstmals seit 1949 ohne direkt gewählten Abgeordneten da, der Ehinger Heinz Wiese ist über die Landesliste gewählt. Und was will Ulm vom Nachrücker aus Leutkirch erwarten? Für die stärkste politische Kraft in der Region ein Desaster.

Der Abschied aus Berlin ohne jede Schamfrist – gewiss bedingt, weil der Botschafterposten am Heiligen Stuhl jetzt und nicht x-beliebig frei wird – beschädigt das Bild der Politik weiter. Die Öffentlichkeit hat – siehe Pofalla, siehe von Klaeden, Schröder, Koch, siehe Postengeschacher nach jedem Regierungswechsel, egal welcher Couleur – mehr und mehr den Eindruck, dass der Politikbetrieb funktioniert als Perpetuum mobile einer sich selber durchfütternden Versorgungsmaschinerie.

Bei aller Enttäuschung: Schavans Rückzug aus der Politik ist ein doppelter Verlust. Ihre Intellektualität und Analysefähigkeit haben sich abgehoben von der zunehmenden Verflachung. Sie war Motor maßgeblicher Projekte in der Region wie Bahn-Neubaustrecke und Wissenschaftsstadt. Annette Schavan gab Impulse, ohne sich in den Vordergrund zu spielen, was angenehm, aber auch dem Umstand geschuldet war, dass sie sich nicht Lobbypolitik für ihren Wahlkreis vorhalten lassen wollte. Jetzt ist ihr Image beschädigt.

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Kommentare

04.02.2014 20:32 Uhr

Kopfschütteln

Herr Freiburger schreibt unverständlichen Müll, Herr Schmitz verteidigt eine Parteigenossin. Egal welcher Partei man angehört bzw. welcher Partei die Sympathien gehören. Habt ihr denn keine eigene Meinung mehr? Warum muss denn alles nur noch der Parteiräson untergeordnet werden? Ein Schwarzer ohne Ehre ist nicht besser, als ein Grüner. Oder Roter. Und Schavan soll in den Vatikan. Ihre Sünden büßen...

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04.02.2014 15:28 Uhr

Wasele !??, seller Oliver hat gar net gekr.-hhh-t !!???

Der hat nur schwarzes -hhh- gmacht !???

Un scho gar net uf em schwarzen Mist !, sondern sell war Dung ! – Dung !! - Dünger !!!???? für Schwarz un schweärzer !!

Sozusagen de Weggidäy for de Bläck Füss !!??? von sellem stimmigen Vieh-hh !!!????

Na dann !

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Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
Immanuel Kant

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04.02.2014 14:34 Uhr

Abber vielleicht !

kommt bei sellem Oliver jo noch !

seller Moment !

der ERleuchtung !!!?????

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Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
Immanuel Kant

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04.02.2014 14:30 Uhr

Wasele krä-hhh-t der Hahne !???

^^ ...mir fällt im Moment keine Partei ein, die besser ist als "die Schwarzen" ^^

auf wellem Mist !!????

Zahlen "die Schwarzen" !???

dem Oliver !

selle Oliven !!???

für sellen Mist !!!!?????

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Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
Immanuel Kant

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04.02.2014 14:07 Uhr

Schön gegen "Schwarz" geschossen, aber ....

...mir fällt im Moment keine Partei ein, die besser ist als "die Schwarzen". Soweit ich das erkennen kann, zählt für ALLE Politiker/innen nur eines "... was interessiert mich mein Geschwätz von gestern...". ;)

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04.02.2014 12:43 Uhr

Antwort auf „Lieber Thierer, so ein Unsinn!”

Als GRÜNER kann ich bestätigen, dass Herr Thierer keines ist.

Es scheint bei der Alb-Donauer/Ulmer CDU usus zu sein, Parlamentsmandate nicht wegen der eigentlichen Aufgabe - Vertretung der Menschen - anzustreben, sondern als Stufe auf der Karriere-Leiter oder des Geschäfts wegen. Im Ulmer Stadtrat gibt es ebenfalls Beispiele.

Dafür sind diese Mandate aber nicht gedacht. Ich mache "keinen Aufstand", weil ich Frau Schavan nicht gewählt habe. Hätte ich es getan, käme ich mir, salopp gesagt, "verarscht" vor, wenn jemand, für vier Jahre Gewählt, nach vier Monaten "kündigt".

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04.02.2014 12:33 Uhr

Antwort auf „Lieber Thierer, so ein Unsinn!”

Herr Schmitz,

eines habe ich noch vergessen zu erwähnen: Ein Botschafter als Politiker zu bezeichnen ist sachlich einfach falsch (im Zweifel informieren Sie sich über die primären Aufgaben eines Botschafters.Der wird auch nicht gewählt sondern "ernannt" vom Außenminister). Vielleicht sollten Sie mal ihre schwarze ablegen...

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04.02.2014 12:24 Uhr

Antwort auf „Lieber Thierer, so ein Unsinn!”

Ich finde den Bericht sehr gut und treffend.
Vielleicht ist der Begriff "Schamfrist" nicht optimal. Aber es beweist doch, dass für Frau Schavan die Kandidatur (und die Direktwahlwahl, da hat ja im "schwarzen" Alb-Donau Kreis niemand gezweifelt) als Bundestagsabgeordnete nur ein "Notnagel war, nachdem Sie als Ministerin (bald) ohne Doktortitel nicht mehr tragbar war. Beim nächst besten Angebot heißt es dann "und tschüß"!
Ist es nicht auffallend, dass überwiegend Politiker aus den Reihen der CDU/CSU keine Hemmungen haben bessere Stellen anzunehmen und dabei alle gängigen Moral über Bord werfen?
Frau Schavan zeigt halt nur ihren wahren Charakter. Klug reden aber nichts dahinter.
Ich wünsche der Katholikin Schavan jedenfalls viel Vergnügen und Spaß als Botschafterin im Vatikan...

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04.02.2014 11:43 Uhr

Gottes Segen

... wird Ihnen, lieber Herr Thierer nach Ihrem trefflichen, punktgenauen Kommentar im CDU-lastigen ADK nicht mehr so leicht jemand wünschen. Respekt für Ihre Zivilcourage, Wahrheiten zu thematisieren, welche hierzulande all zu gerne verdrängt bzw. negiert werden. Bleiben Sie standhaft.

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04.02.2014 11:39 Uhr

Gottes Segen

...wird Ihnen, lieber Herr Thierer, nach diesem trefflichen, punktgenauen Kommentar im CDU-lastigen ADK nicht mehr so leicht gewünscht werden. Respekt für Ihre Zivilcourage Wahrheiten auszusprechen, welche hierzulande allzu gerne gedeckelt bleiben sollen.

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04.02.2014 11:12 Uhr

Lieber Thierer, so ein Unsinn!

"Der Abschied aus Berlin ohne jede Schamfrist – gewiss bedingt, weil der Botschafterposten am Heiligen Stuhl jetzt und nicht x-beliebig frei wird – beschädigt das Bild der Politik weiter."

Sie kommt aus der Politik, sie bleibt in der Politik - was soll denn da die "Schamfrist?"

Das ist doch wieder nur an den Haaren herbei gezogen, um gegen die 'Schwarzen' zu schießen. Man merkts halt doch sehr, dass Sie ein Grüner sind!

Schade, Sie waren mal ein guter Journalist. Hoffentlich werden Sie es bald wieder. Vielleicht nach der nächsten Wahl, wenn die CDU wieder am Ruder ist?

Denn die SWP scheint sich seit der letzten Wahl den politischen Gegebenheiten sehr, meiner Ansicht nach ZU sehr, anfgepasst zu haben.

Auch ein Lehrstück für Angepasstheit. Ein paar hundert km weiter östlich hätte man von Wendehälsen gesprochen.

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04.02.2014 10:47 Uhr

wirklich traurig ist, daß durch Schavans erneute Kandidatur für den Bundestag

- obwohl sie längst anderes im Sinn hatte - ein wirklicher Demokrat Ulms Hans-Walter Roth keine Chance hatte, sich künftig für Ulm im Bundestag einzusetzen.

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04.02.2014 10:06 Uhr

haha

doppelt betrogen die ulmer - Aber "Sie war Motor maßgeblicher Projekte in der Region wie Bahn-Neubaustrecke und Wissenschaftsstadt" -Was genau hat Fr. Schavan bezügl. der Wissenschaftsstadt
geleistet?

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