Schauspieler August Zirner und das Spardosenterzett im Podium

Er ist nicht nur Schauspieler, er ist auch Musiker. Und als solcher gastierte August Zirner mit seiner Flöte und dem Spardosenterzett jetzt im Podium des Theaters mit dem Programm "Diagnose Jazz".

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Auch ein Klasse-Flötist: August Zirner im Podium.  Foto: 

Was ist Jazz? Wilhelm Furtwängler soll in den späten 1920er Jahren eine Definition des von ihm nicht geliebten Musikstils versucht haben: "Jazz ist die treulose Geliebte" und "ein trauriges Zeichen von Entwurzeltsein. . ."

Mag Furtwängler dies auch nicht positiv gemeint haben - es ist was dran. Das sieht mit Sicherheit auch August Zirner so. Sein Programm "Diagnose Jazz - eine Geschichte des Jazz in Wort und Musik" dreht sich in den wesentlichen Phasen genau um oben genannte Inhalte - am Beispiel von Duke Ellington, Charles Mingus, Rahsaan Roland Kirk und Thelonious Monk.

Es ist der Meisterschaft des Schauspielers Zirner zu verdanken, dass man als Publikum plötzlich glaubt, diese Männer zu verstehen, die in ihnen wütenden Katastrophen erahnt. "Selbst wenn er schwieg, brüllte es in ihm . . ." sagte Zirner über den Bass spielenden Berserker Charles Mingus, der sich als Bruder im Geiste des zum Ende halbseitig gelähmten Saxophonisten Roland Kirk fühlte und dem früh Erblindeten die Sonne beschrieb: "Weißt du noch wie ein Ei aussieht? So ist die Sonne. . ."

Geschichten, Texte, die Zirner aus Biografien und Cover-Texten zusammen gepuzzelt hat. Und die er mit äußerst reduzierten gestischen und mimischen Mitteln zu faszinierenden Psychogrammen verdichtet.

Schon den Schauspieler Zirner zu erleben, war etwas ganz besonderes, wäre da nicht auch noch der Musiker Zirner gewesen. Dieser August Zirner ist kein Schauspieler, der auch noch ein Instrument spielt. Zirner ist als Musiker nicht weniger souverän und beachtenswert: ein Querflötist auf absolut erstklassigem Niveau in einer erstklassigen Band, dem Spardosenterzett. Das liest sich rätselhaft und altbacken, was das Trio dann auf die Beine stellt, ist aber aller Ehren wert. Bis hin zur zweiten Zugabe: "Take Five" in Es-Moll. Die gibt es zur Erinnerung an Zirners Daddy, einen amerikanischen Militärmusiker mit absolutem Gehör. Der kommentierte den ersten Schrei seines Filius angeblich trocken mit: "Es". Für Nichtmusiker: Es ist der Halbton unter dem E.

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