Scharfe Kritik am Vorgehen von Nokia

Die Ankündigung des Handy-Riesen Nokia, den Ulmer Standort Ende September zu schließen, ruft den Betriebsrat und die IG Metall auf den Plan: Sie fordern einen fairen und respektvollen Umgang ein.

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    Heiner Mosbacher: Den Kollegen wurden keine Angebote auf Weiterbeschäftigung unterbreitet.
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Am 1. Juli wird bei Nokia in Ulm noch ein neuer Mitarbeiter eingestellt - ein Vorgang, der augenscheinlich macht, wie überstürzt die Entscheidung getroffen wurde, den Standort im Science Park zu schließen. Bezeichnend auch, dass die Mitarbeiter zwar in einer Versammlung in Kenntnis gesetzt wurden, dass das Forschungs- und Entwicklungszentrum vor dem Aus steht - aber den Termin (30. September) entnahmen sie erst der Presse. Nicht viel anders erging es der Gewerkschaft. "Wir wurden so ziemlich als letzte informiert", berichtet die Ulmer IG Metall-Chefin Dr. Petra Wassermann. Sie findet den Stil unmöglich, zumal Nokia für sich in Anspruch nehme einen fairen und respektvollen Umgang zu pflegen. Zu einem solchen würde aber gehören, dass die Belegschaft darüber informiert wird, was geplant ist. Wassermann: "Das war ein denkbar schlechter Auftakt."

Angebote auf Weiterbeschäftigung seien bislang seitens des Unternehmens nicht unterbreitet worden, berichtete der Betriebsratsvorsitzende Heiner Mosbacher gestern. Es gibt auch kaum echte Optionen: Die wenigen noch verbliebenen anderen Standorte in Deutschland erfüllten ganz andere Aufgaben, zum Beispiel in den Bereichen Marketing und Vertrieb.

Unterdessen kam aus der Belegschaft noch am Tag der Entscheidungsverkündung der Vorschlag, den Standort mit Hilfe eines Investors zu retten. "Es gibt technikorientierte Unternehmen, die investieren und Produkte entwickeln", erklärt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Michael Reiner. Warum, so die Überlegung, sollte nicht einer interessiert sein, einen voll funktionstüchtigen Standort zu übernehmen? "Es ist aber nicht zu erkennen, dass Nokia in diese Richtung gedacht hat", sagt Reiner. In Anbetracht der Kürze der Zeit, sei das auch gar nicht möglich gewesen, meint Wassermann.

Das Vorgehen von Nokia wirft weitere offene Fragen auf. Etwa die, wie in der Kürze der Zeit die Belegschaft aufgelöst werden soll. Der Zeitpunkt hierfür könne von der arbeitsrechtlichen Seite her gar nicht auf den der Schließung fallen, sagt Wassermann. Sprich: Es gibt mitunter längere Kündigungsfristen, die einzuhalten sind. Eine Möglichkeit wäre, die betreffenden Nokianer in die Freistellung zu schicken.

Gewerkschaft und Betriebsrat geben die Hoffnung nicht auf, dass an dem Schließungsbeschluss noch etwas zu ändern ist. "Wir wollen vom Management wissen, ob über Alternativen nachgedacht wurde, ob sie geprüft wurden und warum sie verworfen wurden", sagt Wassermann. Und die Arbeitnehmervertreter setzen auf Unterstützung aus der Politik, wobei sie sich der Solidarität von Oberbürgermeister Ivo Gönner gewiss sind. Er äußerte sich bereits unmissverständlich.

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Kommentare

18.06.2012 18:06 Uhr

Illegitim erzwungene Auflassung

Obwohl allgemein stets ohne Alternative verschließen sich zweifelsfrei rasch zunehmend mehr höchst illegitim angesichts moderner Arbeitsweisen und den dadurch einzig als Ausrücke des Sozialen erzeugten Produkte. Insofern hätte selbst noch die Forschungs- und Entwicklungsabteilung eines Marktführers wie des us-amerikanischen Herstellers Apple in Ulm/Do. effektiv keine andere Wahl gehabt und sich dazu entschließen müssen, in einem solchen Kontext die notwendig privatwirtschaftlich zu betreibende Wissenschaftseinrichtung schleunigst aufzulassen. Dass nunmehr allen voran Nokia sich dazu veranlasst sieht, wirft kein günstiges Licht auf weite Teile hiesiger Bevölkerung.

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