Russischer Sommernachtstraum

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Spielfreudig: die Ulmer Philharmoniker.  Foto: 

Sie kamen in Strömen: Luftig und farbenfrisch gekleidet kannten die Scharen mit Sack und Pack nur ein Ziel: die überdachte Veranstaltungsbühne im Glacis-Park, dem schönsten Freiluft-Konzertsaal Neu-Ulms und sommerlichen Kultur-Hotspot. In schöner Tradition gab sich dort das Philharmonische Orchester unter Joongbae Jees temperamentvollem wie feinsinnigem Dirigat wieder die Ehre.

Nach Russland hatte die halbe Hundertschaft (Konzertmeister: Eduard Sonderegger) eingeladen. Zum Schwabentarif – umsonst. Und 1100 Musikfreunde kamen. Auch Petrus spielte mit. Ein Groß­ereignis in stimmungsvoller Naturkulisse mit Möwen-Ge­kreisch, Enten-Geschnatter, dösenden Hunden und staunenden Kindern. Es passte alles! Party­stimmung ohne Etikette – fast wie momentan bei den berühmten St. Petersburger „Weißen Nächten“.

Umwerfend führte Benjamin Künzel geist- und kenntnisreich durch das 90-minütige Non-Stopp-Programm, das in der Festlichen Ouvertüre von Schostakowitsch mit Blechbläserfanfaren, Streicherschmelz, Paukenwirbel und Beckentusch sowie später mit dem 2. Walzer aus dessen 2. Jazz-Suite auf russisches, wenig abgegrastes Terrain der Vor-Putin-Zeit entführte.

Mit Spielfreude und farbenreicher Grandezza trafen weniger bekannte Werke wie Walzer und Mazurka aus Aram Chatschaturjans „Maskerade-Suite“ oder Glinkas Opern-Ouvertüre „Ruslan und Ludmilla“ mit hitzigen Unisono-Streicherpassagen auf populäre Ballett-Klassiker von Tschaikowsky. Da betörte solistisch die Harfe im „Nussknacker“-Blumenwalzer genauso wie die Oboe im tonmalerischen „Schwanensee“-Finale oder die schneidige „Onegin“-Polonaise.

Doch das war nicht alles! Denn zwischendurch interpretierte als Special Guest das neue Ensemblemitglied Martin Gäbler, aktuell auch als Oberpriester Ramfis in der „Aida“ auf der Wilhelmsburg im Einsatz, Opernraritäten aus Rachmaninows „Aleko“ und Rubinsteins „Dämon“. Bravos galten seinem profunden Bass in der ebenfalls auf Russisch gesungenen Arie des Gremin aus Tschaikowkys „Eugen Onegin“.

Mächtig zugelangt wurde bei  Mussorgskys Orchester-Hit „Das große Tor von Kiew“ zum finalen Höhepunkt. Imposant, wie Joongbae Jee auf Laut-Leise-Kontraste und weihevollen Triumph-Bombast setzte. Danach noch Chatschaturjans rasanter, herrlich schräger „Maskerade-Galopp“ – ein echter Zugabe-Clou.

Info Paradekonzert des Philharmonischen Orchesters auf dem Ulmer Marktplatz am 2. Juli,  11 Uhr.

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