Roman von Stefan Plöger über Telefonseelsorge

Stefan Plöger leitet die Telefonseelsorge. Und er schreibt literarisch. In seinem neuen Roman „Im Licht der Nacht“ verbindet er beides.

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„Im Licht der Nacht“ ist Stefan Plögers zweiter Roman.  Foto: 

Eigentlich fließt Bedas Leben ruhig vor sich hin. Seit Jahren schon, seit Jahrzehnten. Der frühpensionierte Lehrer ist  ein Einzelgänger, er hat sich eingerichtet in seinem Dasein und ist nicht unzufrieden damit. Doch dann, nach einer Nacht,  ist nichts mehr wie zuvor. Die Katastrophe seines Lebens ist plötzlich wieder nah, und schlimmer noch: Sie ist größer, viel größer, als er sich je hätte denken können.

Es geht um Elementares in dem Roman „Im Licht der Nacht“: um Liebe, die unerfüllt und dennoch einzigartig bleibt, um Verletzungen, Verantwortung, Schuld, um Trauer und Tod. Autor Stefan Plöger erzählt vom Leiden, von Schmerzen, aber auch davon, dass man Wege finden kann, mit dem Unbegreiflichen umzugehen. Durch Gespräche, die tief gehen und die neue Sichtweisen einbringen, durch Menschen, denen man sich öffnen kann und Vertrauen fasst. Auch wenn es Fremde sind.

Denn Beda begegnet sein früheres Leben am Telefon. Er arbeitet ehrenamtlich bei der Telefonseelsorge, und eines Nachts ruft eine Frau an, die um ihren Sohn trauert. Er hat sich das Leben genommen, und die Mutter hat keine Erklärung weshalb. Nach und nach merkt Beda: Er spricht mit Eva, seiner großen Liebe, die ihn, den Referendar, nach einem tödlichen Unfall verlassen hatte.

Die anonymen Gespräche am Telefon kennt Stefan Plöger gut. Er gehört zum Leitungsteam der Telefonseelsorge Ulm/Neu-Ulm. Mit „Im Licht der Nacht“ hat er seinen zweiten Roman vorgelegt, auch eine Novelle hat der 1958 geborene Plöger schon veröffentlicht.

Die Telefonseelsorge spielt in seinem neuen Roman eine zentrale Rolle. Nicht nur, weil Beda unverhofft wieder auf Eva trifft. Plöger schildert in anderen Anrufen, die Beda in dieser Nacht entgegennimmt, ein breites Spektrum menschlicher Verunsicherung und Verletzung. Da ist der junge Mann, der den Telefonseelsorger zunächst beschimpft. Oder die Frau, die sich vor dem Treffen mit ihrer Schwester nicht zwischen zwei Kleidern entscheiden kann. Harmlos? Nur vordergründig. In beiden Fällen geht es um etwas ganz anderes. Das zeigt sich, als es Beda gelingt, mit den Anrufern  ein Gespräch zu entwickeln.

Der Dienst in der Telefonseelsorge bringt für Beda „einmalige, unvorhersehbare Begegnungen, die eine solche Tiefe haben können, Begegnungen mit Menschen, die ans Herz wachsen“. Die Gespräche verändern auch etwas in ihm selbst, „sie waren ein Geschenk, das er sich selbst machte“. Auch wenn das Ende häufig offen bleibt.

So wie auch die Zukunft von Beda und Eva. Sie begegnen sich nicht nur zufällig am Telefon, sie treffen sich dann auch noch persönlich – und offenbaren sich ihre Geschichte, die so eng verwoben ist. Das erzählt Stefan Plöger mit einem einfühlsamem Blick auf seine Figuren, ganz ohne Schuldzuweisung und einfach sehr spannend.

Info
Stefan Plöger: „Im Licht der Nacht“, swb Verlag, 10,80 Euro, ISBN 978-3-945769-56-0

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