Rockerprozess um Schüsse auf Wiblinger Haus in heißer Phase

Die wichtigsten Zeugen sind gehört, die wichtigsten Beweise gezeigt - der Prozess um die Racheaktion der Rockerbande Bandidos geht in die Schlussrunde.

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Kurz nach der Tat vor zweieinhalb Jahren, kurz nachdem Mitglieder der Rockerbande Bandidos auf das Haus des Anführers der verfeindeten Rock Machine MC geschossen haben, hat der Angeklagte das Land verlassen. Das hat ihn nicht gerade unschuldig wirken lassen. Schließlich wird dem 33-Jährigen vorgeworfen, die Schützen in jener Nacht zum Tatort gefahren und dort auf sie gewartet haben - Beihilfe zum versuchten Mord lautet die Anklage der Staatsanwaltschaft.

Er wollte eindeutig vor den Folgen seiner Tat fliehen, behauptet die Anklage. Er wollte kein Bandido mehr sein, wollte aussteigen und fürchtete Konsequenzen seitens der Rockerbande, behauptet hingegen sein ehemaliger Anwalt, der am Freitag als Zeuge vor Gericht aussagte. Er sei bei der Racheaktion weder anwesend noch daran beteiligt gewesen, lässt der Angeklagte selbst seinen Anwalt mitteilen.

Als Zeugen hat das Gericht in den vergangenen zwei Wochen zwölf Mitglieder der Bandidos und Rock Machine MC aus Ulm und Neu-Ulm geladen - besonders kooperativ zeigte sich jedoch kaum einer von ihnen. Auslöser des Konfliktes, der in den Schüssen auf das Wohnhaus des Rock Machine MC Chefs gipfelte, soll eine Schlägerei in einem Strip-Club in der Blaubeurer Straße gewesen sein. Flaschen seien geflogen, Tische umgeschmissen worden - das belegen die Aussagen der Club-Mitarbeiter. Nur die beteiligten Rocker, die erinnern sich freilich an nichts.

Die Bandidos hätten sich von dem Konflikt provoziert gefühlt und seien zum Haus des Rock Machine MC Anführers gefahren. Dort hätten sie sein Auto zertrümmert, in die Motorhaube und in das Wohnhaus geschossen. "Eine Arschlochaktion der alten Führung", nennt ein Kriminaloberrat den Gewaltakt im Zeugenstand. Alles halb so schlimm, sagt der betroffene Bandenführer den Richtern. Im Auto habe niemand dringesessen, und auch seine Lebensgefährtin, die zu diesem Zeitpunkt alleine im Haus war, sei unverletzt davongekommen. Am liebsten würden die Rocker das alles unter sich regeln. Gegen andere auszusagen, das widerspricht dem Rocker-Kodex. Elf von zwölf Rockern wollen deshalb nichts wissen, leiden unter starken Gedächtnislücken, auch wenn sie nachweislich dabei waren. Nur einer, der Hauptzeuge der Staatsanwaltschaft, schert aus. Er belastet nicht nur den Angeklagten sondern gleich zwei weitere Männer: Ein ehemaliges Bandidos-Mitglied soll die Waffen entsorgt, der damals amtierende National Sergeant der Bande auf das Haus geschossen haben.

Die so Beschuldigten sehen das vor Gericht freilich anders: "Der versucht mir nachträglich, einen reinzuwürgen", sagt der angebliche Waffenschieber, "aus tiefem, gegenseitigen Hass heraus." Auch der angebliche Schütze behauptet: "Ich habe mich zur Tatzeit in mein Büro gesetzt und gearbeitet." Und was den Angeklagten angeht, so hätten sie nichts gehört und nichts gesehen.

Im nun vier Verhandlungstage andauernden Prozess werden so kleinste Puzzlestückchen mühsam aneinandergesetzt. Noch zwei Verhandlungstage, dann muss das Bild stehen.

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