Roboter sollen Senioren im betreuten Wohnen helfen

Kosten sparen und das Personal entlasten: Das könnte möglich werden durch Roboter und Sensoren in betreuten Wohnungen. Beim Seniorentag im Stadthaus gab es Einblicke in aktuelle Forschungsarbeiten.

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Kommt der allein lebende ältere Mensch am Abend in seine Wohnung, "begrüßen" ihn eine kurz zuvor angesprungene Heizung und die Innenbeleuchtung. Als er sich das Abendessen zubereitet, meldet der intelligente Strommesszähler an die Verwalterin des betreuten Wohnens, dass dieser Bewohner erneut aktiv ist. Das Sicherheitssystem, das in der ganzen Wohnung unter dem Laminatfußboden in Alarmbereitschaft steht, bleibt ruhig. Es reagiert erst, sollte der Mensch in seiner Drei-Zimmer-Wohnung stürzen. Rutscht er auf dem Balkon aus und bleibt dort liegen, meldet das nach einer Weile der in der Balkontür eingebaute Sensor.

Diese Szenarien sind gar nicht mehr so abwegig, sagte Dr. Bruno Rosales Saurer gestern bei seinem Vortrag zur Eröffnung des Seniorentages im Ulmer Stadthaus. "Alltagsunterstützende Assistenzlösungen für ein gesundes und unabhängiges Leben" lautete das Thema, für das sich rund 50 Zuhörer interessierten. Die Seniorentage werden am 5. November im Stadthaus und am 7. November im Neu-Ulmer Edwin-Scharff-Haus fortgesetzt (siehe Infokasten).

"In Ulm könnten wir solch eine Modellwohnung längst haben", merkte Oberbürgermeister Ivo Gönner bei seiner Begrüßungsrede mit Blick aufs Programm an. 1995 hatte der Ulmer Gemeinderat einen Innovationsausschuss einberufen, der den Einsatz eines der ersten "Service-Roboter" vorantreiben sollte. Die Ulmer Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft hatte sogar eine Wohnung zur Verfügung gestellt. Aber: Es fand sich kein Bewohner, "der so eine Blechkiste in seiner Wohnung haben wollte, die ihm den Kaffee bringt", sagte Gönner. Und es fand sich auch keine Firma, die den Roboter bauen wollte. Damit scheiterte dieser Ulmer Versuch - und Ausschuss. Inzwischen sind Assistenzsysteme gang und gäbe.

Saurer berichtete aus seinem Arbeitsbereich im Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie von etlichen Hilfen im Alltag älterer Menschen. Das fängt zu Hause an beim Handy, auf dessen Rückseite sich ein roter Notrufknopf befindet. Und es hört auf beim Roboter, der im Altenpflegeheim den Bewohnern den Becher reicht, nachdem er ihn vorher am Trinkwasserautomaten gefüllt hat.

In Japan - "die sind schon weiter" (Saurer) - werden in Wohngemeinschaften dementer Menschen weiße kuschelige Robbenbaby-Roboter eingesetzt. Sie wecken Emotionen, rufen beim in sich gekehrten Bewohner Reaktionen hervor, lassen ihn wieder sprechen.

Das alles kann Kosten sparen im Gesundheitswesen und es entlastet das Pflegepersonal beziehungsweise pflegende Angehörige. Jedoch betonte der Forscher: "Diese ganzen Technologien ersetzen nicht das Zwischenmenschliche."

Dennoch hat eine Befragung der Bewohner in 100 entsprechend ausgestatteten Versuchswohnungen in Karlsruhe ergeben: Die älteren Menschen mussten sich zwar erst an das System und die "vielen Blinklichter" gewöhnen, fühlten sich aber sicher und nicht unbedingt beobachtet. Betreuer lobten die Entlastung.

Noch zwei Seniorentage
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