Rigna Folk statt Khebez Dawle im Ulmer Zelt: Musik verbindet

Die Hauptband fällt aus, es lebe die Vorband! Die Ulmer Rigna Folk machten aus dem Abschiebe-Debakel um ihre syrischen Kollegen von Khebez Dawle das Beste: Sie spenden ihre Einnahmen für Flüchtlinge.

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Viktor Nordir wird’s in Zukunft schwer haben. Der stimmlich an Brian Molko erinnernde Sänger und Gitarrist der Ulmer Band Rigna Folk beklagte am Samstag beim Konzert im Ulmer Zelt, dass er auf der großen Bühne seine Mitmusiker kaum sehe. Die vier seien es gewohnt, sich auf kleinen Brettern gegenseitig auf die Füße zu treten. Nun, damit muss er leben. Denn die 2008 gegründete Band ist live viel zu überzeugend-intensiv, um sich noch lange auf winzigen Bühnen zu verstecken.

Zumal sich mit diesem Auftritt, bei dem die Band kurzfristig vom Support für die Berliner Khebez Dawle zum Hauptact aufrückte, der Anteil der Fans im arabischsprachigen Raum enorm erhöhte. Die Berliner Folkrock-Band mit zuletzt im Libanon im Exil lebenden syrischen Musikern hatte ihr Ulmer Gastspiel absagen müssen, da der Sänger und ein weiteres Mitglied abgeschoben werden sollen. Dennoch kamen viele in der Region lebende Asylbewerber aus dem Nahen Osten und Afrika ins Zelt – teilweise dank von Hilfsorganisationen und Zeltverein großzügig vergebenen Freikarten. Ihre Videos und Kommentare im Internet belegen: Sie waren von der ebenfalls lokalen Vorband Red Eye Stone, die an Rage Against The Machine erinnert, ebenso begeistert wie von  den epischen Rigna Folk mit ihrem Sound zwischen Sigur Rós und Muse.

 Das ist natürlich nicht wirklich schlecht für Nordir, Vlad Müller (Drums), Chriss Fakler (Bass) und Jens Schalle (Gitarre). Die Klage des Frontmanns war ja auch nicht ernstgemeint. Schon vorab hatte er betont, man wolle Unverständnis und Ärger über den behördlich verhinderten Auftritt der Syrer in etwas Positives ummünzen, das Beste draus machen. Das sieht bei Rigna Folk so aus: Der Erlös aus dem Verkauf des neuen Albums „Nova Void“ gehe komplett ans Flüchtlingshilfswerk der UNO, erklärte Viktor Nordir den jubelnden einheimischen und internationalen Fans nach druckvoll rockenden und zugleich schön melodischen Stücken wie „Grow Beyond“, dem in Nordirs Muttersprache Russisch gesungenen „Kosmonavt“, „Hybrida“ und dem titelgebenden „Sol“ von der Vorgängerplatte. Bravo! Im mindestens zweifachen Sinn.

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