50-Millionen-Euro-Neubau: Richtfest für Hotel und Wohnungen im Dichterviertel

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Markanter Neubau: Das Vier-Sterne-Hotel (im Vordergrund) schirmt die Wohnungen (dahinter) zum Blaubeurer Ring und Hindenburgring hin ab. Vom Veranstaltungssaal im obersten Stockwerk reicht der Blick weit über das Münster hinaus.  Foto: 

Wenn die Straßen die Namen von Kleist, Mörike und Schiller tragen, liegt der Name Dichterviertel für das Quartier nahe. Und dann ist es auch nicht weit zu Märchen. Der Ulmer Finanzbürgermeister Martin Bendel fühlt sich jedenfalls an Dornröschen erinnert, wenn er an das Dichterviertel denkt. Es ist Sanierungsgebiet und soll „aus dem Dornröschenschlaf geküsst“ werden. Neue Gebäude, attraktive Straßenräume und Plätze, Wohnungen und Gewerbe einträchtig vereint sollen dafür sorgen, dass das Quartier „zu neuem Leben erwacht“. Das augenfälligste, erste und größte Projekt auf diesem Weg entsteht gerade in Nachbarschaft zum Blaubeurer Ring, Bendel bezeichnete es als Leuchtturmprojekt.

Der Ulmer Projektentwickler Pro Invest baut dort mit einem Volumen von 50 Millionen Euro ein Hotel mit 148 Zimmern sowie drei Gebäude mit insgesamt 74 Eigentums- und Mietwohnungen, 14 davon im preisgünstigen Segment. Auch Büros und ein Lokal zum neuen Quartiersplatz hin sind vorgesehen. AM Freitag war Richtfest, und Bürgermeister Bendel lobte die gute Zusammenarbeit mit Pro Invest und Geschäftsführer Rainer Staiger. Der revanchierte sich umgehend. Dass das Projekt „in blitzartiger Geschwindigkeit“ verwirklicht werden konnte, sei nicht zuletzt der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat zu verdanken, die das Bebauungsplanverfahren und die Baugenehmigung schnell abgewickelt hätten.

Ehemaliges Firmenareal

Staiger hatte das ehemalige Firmenareal von Wagner & Hefele Anfang 2014 gekauft. Anfang 2016 wurde nach den Plänen des Stuttgarter Architekturbüros Steinhoff Haehnel mit dem Bau begonnen, und im Frühjahr 2018 soll alles fertig sein. Ein Termin steht schon fest, sagte Staiger: Das Hotel muss am 31. März bezugsbereit sein, so ist es mit dem Betreiber Leonardo vereinbart.

Der israelische Hotelkonzern eröffnet in Ulm ein Vier-Sterne-Hotel mit 148 Zimmern, Veranstaltungssaal, Konferenzräumen und Restaurant. Ein Hotelzimmer im 1. Stock ist sogar schon eingerichtet, sagte Jan Heringa von Leonardo Hotels. Es ist beim Tag der offenen Tür am Sonntag ebenso zu besichtigen wie die Baustelle.

Bendel und Staiger schwärmten von der Nähe zur Innenstadt und zum Bahnhof. Die Lage werde sogar noch besser, wenn Stuttgart.21 mit der Schnellbahnstrecke verwirklicht ist. Auch deshalb sei es wichtig, ein so innenstadtnahes Quartier wie das Dichterviertel zu revitalisieren, sagte Bendel. Die Stadt hat dazu 2011 einen städtebaulichen Wettbewerb ausgelobt. Der Gemeinderat hat den daraus resultierenden Rahmenplan 2014 beschlossen, der die Grundlage für die Entwicklung in diesem Sanierungsgebiet bildet. Im Dichterviertel sollen dann 1600 Menschen leben. Es gehe darum, sagte Bendel, „eine qualitätvolle Dichte“ zu schaffen.

Teils öffentliche Tiefgarage

An der Verwirklichung dieses Ziels möchte auch Staiger weiterbauen. Direkt neben dem aktuellen Projekt plant er über das Pro-Invest-Schwesterunternehmen Multispace 13 so genannte Mikro-Apartments und Betreutes Wohnen (siehe Info-Kasten). Er würde auch gern ein weiteres Nachbargrundstück, das einem anderen Eigentümer gehört, in die Entwicklung mit einbeziehen, bisher aber ohne Erfolg.

Die Vermarktung der Wohnungen im derzeit entstehenden Neubau hat schon begonnen. Ein Privatinvestor habe eines der Gebäude als Kapitalanlage komplett gekauft. Einige Wohnungen in anderen Teilen, die Namen tragen wie „Poeta“ und „Lyrika“, seien aber noch zu haben. Für Büros ist eine Gesamtfläche von 740 Quadratmeter vorgesehen. Unter den Gebäuden gibt es eine zweistöckige Tiefgarage mit 179 Stellplätzen. 101 davon unter dem Hotel sind öffentlich nutzbar.

Info Beim Tag der offenen Tür am Sonntag, 2. Juli, von 11 bis 16 Uhr können Interessierte einen Blick auf die Großbaustelle im Dichterviertel werfen. Neben Baustellenführungen gibt es Ballonfahrten, Spiele für Kinder und Bewirtung.

Vorhaben Auch das nebenan gelegene ehemalige Firmengelände von Wagner & Hefele an der Kleiststraße soll bebaut werden. Rainer Staigers Firma Multispace 13, die das Grundstück Anfang 2014 gekauft hat, will bis zu sechs Geschosse hohe Gebäude erstellen. Sie sollen mit zwei Arten von Wohnen genutzt werden:

Mikro-Apartments Geplant sind 112 so genannte Mikro-Apartments: Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen, die laut Stadtverwaltung ein Zwischending zwischen Hotel und gewerblich-wohnwirtschaftlicher Nutzung darstellen. Die Apartments werden vermietet etwa an Beschäftigte, die nur ein paar Wochen in Ulm sind oder die nur während der Woche in Ulm arbeiten.

Betreutes Wohnen 59 Wohnungen sollen für betreutes Wohnen zur Verfügung stehen. Ein Pflegedienstleister will diese Wohnform mit allen Serviceleistungen anbieten.

Kritik Der Stadtentwicklungsausschuss stimmte dem Vorhaben zwar zu, manche Stadträte hatten wegen der Mikro-Apartments aber große Bedenken. Vor allem CDU und FWG fürchten, dass es an dieser Ecke zu hotellastig wird und das Wohnviertel darunter leidet.

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