Zentralbibliothek: Ausleihe geht viel schneller

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Martin Szlatki zeigt das neue Verbuchungssystem: Die Mikrochips sind so klein wie Reiskörner.  Foto: 

Seit Freitag ist die Ausleihe und Rückgabe von Medien in der Ulmer Zentralbibliothek neu geregelt. Bei einem Bestand von 621 000 Medien, einer jährlichen Besucherzahl von fast 600 000 und 1,1 Millionen Ausleihen pro Jahr ist das auch dringend notwendig geworden, sagt Martin Szlatki, Direktor der Ulmer Stadtbibliothek. Die neue Technologie nennt sich „Radio-Frequency Identification“, zu Deutsch Radiofrequenz-Identifikation, kurz RFID, und soll einen wichtigen Schritt in Richtung Zukunft machen. „Insgesamt hat die Einführung 200 000 Euro gekostet, die der Ulmer Gemeinderat übernommen hat“, sagt Szlatki. Weitere Stadtbibliotheken, wie die in Böfingen, sollen in den kommenden Jahren im Rahmen der „Zielkonzeption 2022“ folgen.

Der neue Verbuchungsvorgang

Auf allen Medien befinden sich nun RFID-Etiketten, die von den Mitarbeitern in mühevoller analoger Arbeit angebracht wurden. Sie bestehen aus einem Mikrochip, der mit einer kleinen Antenne verbunden ist. Sobald der Chip in Reichweite eines Lesegeräts kommt, überträgt die Antenne Informationen mittels Radiowellen zum Lesegerät, welches die Daten ausliest. Dadurch ist eine automatische, kontaktlose und eindeutige Identifikation der Medien ohne weitere Informationen möglich. Die Mikrochips, die so klein wie Reiskörner sind, werden auch beim neuen deutschen Personalausweis verwendet.

Der genaue Ablauf sieht dann so aus: Man scannt erst seinen Bibliotheksausweis ein und legt dann die gewünschten Medien auf das RFID-Gerät. Dadurch werden diese automatisch im Bibliothekskonto verbucht und die Daten werden an die Bibliotheksdatenbank weitergeleitet.

Die Vorteile von RFID liegen klar auf der Hand: Gegenüber dem bisher verwendeten Barcode müssen die Daten nicht mehr umständlich mit Scannern ausgelesen werden, sondern alles geschieht per Funkübertragung. „Die Kunden können nun selbst die Ausleihe und Rückgabe der Medien an RFID-Selbstverbuchungsterminals übernehmen“, sagt Szlatki. Welche Medien ausgeliehen werden, sehen nur die Kunden. Die neue Technologie ist schneller, da man gleich ganze Bücherstapel selbst verbuchen kann – so erspart man sich viel Zeit mit Warten. Zudem stehen zurückgegebene Medien anderen Kunden direkt zur Verfügung. Weiterhin entlastet RFID die Mitarbeiter, die nun vermehrt auf individuelle Fragen und Wünsche eingehen können und mehr Zeit für stark nachgefragte Dienstleistungen haben. Durch die Automation werden aber keineswegs Arbeitsplätze verloren gehen, versichert Szlatki.

Die RFID-Chips selbst liefern keine Informationen über den genauen Ort. Standortinformationen erhält man aber indirekt über die Kenntnis des Standorts des Lesegeräts, da die Chips nur eine geringe Reichweite besitzen. Zudem werden durch die Etiketten nicht nur Medien, sondern auch Personen eindeutig identifiziert. Persönliche Informationen über den Entleiher eines Gegenstands könnten so gesammelt und auch weitergeben werden. Szlatki versichert aber, dass bei dem Vorgang nur so viele Daten erfasst werden, wie notwendig sind.

Keine Bedenken wegen Daten

Zu keinem Zeitpunkt würden personenbezogene Daten oder Angaben zu den Inhalten der entliehenen Medien übertragen. Die Mediennummern und der Name des Entleihers werden wie bisher nur in der internen Bibliotheksdatenbank zusammengeführt. Weitere Sicherheitsbedenken könnten ebenfalls ausgeräumt werden, denn RFID-Geräte geben keine Dauerstrahlung ab – nur im Moment des Lesevorgangs entsteht ein Magnetfeld, dessen Stärke weit unterhalb der eines Smartphones liegt.

Zur selbstständigen Ausleihe oder Rückgabe stehen den Kunden zukünftig im Erdgeschoss insgesamt sechs Stationen zur Verfügung. Hinzu kommen Ausleihterminals im ersten und zweiten Obergeschoss. Diejenigen, die es wünschen, bekommen auch eine Einführung in das neue Verbuchungssystem. Weitere Pläne sind laut Szlatki der Ausbau des E-Book-Angebots und der so genannten Onleihe.

Manche Dinge werden sich aber nie ändern: „Die Leute sollen wissen, dass wir auch in Zukunft gerne unserem Slogan ‚Alle haben Fragen – wir haben Antworten‘ nachkommen werden.“

Stadtbibliothek Die Ulmer Stadtbibliothek ist inzwischen 501 Jahre alt, besteht aus der Zentralbibliothek am Marktplatz, vier Stadtteilbibliotheken sowie der Fahrbibliothek. Der Bestand beträgt insgesamt 621 000 Medien. Vergangenes Jahr wurden 1,1 Millionen Ausleihen gezählt. Die Stadtbibliothek hat derzeit knapp 21 000 aktive Nutzer, 35 Prozent von ihnen kommen mindestens einmal pro Woche.

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