Neues Referat für „Queerdenkende“ an der Uni Ulm

Schwule und lesbische Studierende brauchen eine Interessenvertretung an der Uni, haben sich zwei junge Frauen gesagt – und eine Anlaufstelle gegründet.

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„Es bereichert, Kontakt zu Menschen zu haben, die ähnlich empfinden“, sagt Eileen Wieland (rechts). Gemeinsam mit Ilona Eiferle hat sie das Referat für Queerdenkende an der Uni gegründet.    Foto: 

Für den Ottonormal-Hetero wie auch die Annanormal-Hetera ist das zunächst verwirrend: Geht es um Menschen mit abweichender sexueller Orientierung, spricht man heutzutage von LSBTTIQ. Das politisch korrekte, gleichwohl unaussprechliche Kürzel fasst die Adjektive lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, transgender, intersexuell und queer zusammen. Wenn einem jetzt der Kopf schwirrt, so bittet man am besten Eileen Wieland um Aufklärung. „Ist ganz einfach“, sagt die 26-Jährige, die soeben ihr Psychologiestudium an der Uni Ulm abgeschlossen hat. Vergessen wir die ersten drei Begriffe, die jeder kennt. Als transsexuell bezeichnen sich Menschen, deren körperliche Geschlechtsmerkmale nicht mit dem Geschlecht übereinstimmen, mit dem sie sich identifizieren. „Da geht es ums Biologische.“ Transgender bezieht sich dagegen auf die soziale Rolle, meint „Menschen, die sich nicht eindeutig als Mann oder Frau zuordnen lassen möchten“. Intersexuelle sind selten: Sie haben sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsmerkmale. Queer schließlich hat eine doppelte Bedeutung. Zum einen bezeichnet es Menschen, die sich in keine dieser Kategorien einordnen lassen wollen, zum anderen fasst es alle eben geschilderten Varietäten zusammen.

Und damit sind wir beim „Referat für Queerdenkende“ an der Uni Ulm. Ins Leben gerufen haben es Eileen Wieland und ihre Kommilitonin Ilona Eiferle (29) im Februar vergangenen Jahres, wobei „wiederbelebt“ passender wäre. Der Vorgänger, das Schwule-Lesben-Bisexuellen-Referat „Schlub“ war seit fünf Jahren verwaist – tote Hose sozusagen. „Wir fanden, dass es an der Uni eine Anlaufstelle für all jene braucht, die sich nicht als heterosexuell definieren“, sagt Wirtschaftsmathematik-Studentin Eiferle.

Erste Anlaufstelle

Wie viele der 10 000 Uni-Studenten sich potenziell angesprochen fühlen dürften, wissen die beiden Frauen nicht. Aber das Angebot werde gut angenommen. Zu den monatlichen Treffen kommen meist zwischen 30 und 40 Studenten. Dann geht es weniger politisch als unterhaltsam zu. Freizeitbeschäftigungen wie Grillen oder Billard spielen stehen vor allem auf dem Programm, ab und zu auch mal ein Vortrag. „Es geht eben darum, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, etwas gemeinsam zu unternehmen.“ Für neu nach Ulm gekommene Studenten sei man so etwas wie die erste Anlaufstelle zur Schwulen- und Lesbenszene, die in Ulm überschaubar sei und unauffällig agiere. Wichtig ist den Queerdenkern Öffentlichkeitsarbeit, mit dem Ziel, Vorurteile abzubauen. Zum „Internationalen Tag gegen Homophobie“ im Mai etwa haben sie in der Stadt einen Infostand auf die Beine gestellt.

Gibt es an der Uni Vorbehalte gegen ihr Engagement? „Wenn,  dann höchstens versteckt“, sagt Wieland. Es komme schon mal vor, dass auf Plakate, die man  aufgehängt habe, abschätzende oder ironische Sprüche geschmiert würden – zum Beispiel: „Hier finden unfruchtbare Diskussionen statt“. Eiferle berichtet von einer privaten studentischen Grillparty, zu der sie und ihre Lebensgefährtin kürzlich eingeladen waren. Der Gastgeber habe ihr vorher gesagt, sie möge doch bitte nicht Händchen halten und aufs Küssen verzichten. „Erschreckend, dass es so was heute noch gibt“, findet die 29-Jährige. Abgesehen von derartigen Einzelfällen würden schwule, lesbische und sonstwie sexuell orientierte Studierende aber längst nicht mehr schief angesehen.

Gleichwohl sind die beiden davon überzeugt, dass eine Anlaufstelle an der Uni notwendig ist. So bietet das Queerdenker-Referat zum Beispiel Coming-out-Beratung an. „Es gibt immer noch viele, die sich nicht trauen, öffentlich zu ihrer Andersartigkeit zu stehen“, glaubt Wieland.

Wünsche hat die studentische Initiative auch. Eine Ringvorlesung zu LSBTTIQ-Themen, bei der die Teilnehmer Credit Points fürs Studium sammeln können, wäre schön, finden Eiferle und Wieland. Und eine „All-Gender-Toilette“, auf die all jene gehen können, die sich weder als Mann noch als Frau fühlen. Doch die beiden Frauen sehen es realistisch. „Von beidem sind wir in Ulm wohl noch ein gutes Stück entfernt.“

Fest Er hat sich mittlerweile in vielen deutschen Städten als Fest- und Gedenktag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern etabliert: der Christopher Street Day (CSD), an dem für die Rechte dieser Gruppen sowie gegen Diskriminierung und Ausgrenzung demonstriert wird. Der nunmehr 7. Ulm/Neu-Ulmer CSD findet am kommenden Samstag  von 14 bis 23 Uhr auf dem Ulmer Marktplatz und dem angrenzenden Hans- und Sophie- Scholl-Platz statt.

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Kommentare

08.08.2017 08:46 Uhr

OMG

> Und eine „All-Gender-Toilette“, auf die all jene gehen können, die sich weder als Mann noch als Frau fühlen.

Was haben wir heutzutage für Probleme... Eine extra Toilette für alle die nicht wissen ob sie im Stehen oder im Sitzen pinkeln sollen? Da sollte man sich fragen ob solche Leute überhaupt "alltagstauglich" sind.



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