Reaktionen: Stimmen aus Ulmer Sicht zu S 21

Das Bahnprojekt Stuttgart 21 kann nach Beschluss des Aufsichtsrats weiter vorangetrieben werden. Stimmen aus Ulmer Sicht von den Landtagsabgeordneten Jürgen Filius, Martin Rivoir, Karl Traub sowie von Annette Schavan und Dr. Monika Stolz, den örtlichen CDU-Abgeordneten in Bund und Land.

|

Landtagsabgeordneter Jürgen Filius von den Grünen ist vom Ergebnis nicht überrascht, "nachdem Angela Merkel die Weichen über ihre Minister Schäuble und Ramsauer schon gestellt hatte - koste es was es wolle". Überrascht haben ihn Gegenstimme und Enthaltung - "die Zweifel wachsen". Forderungen der Bahn ans Land, sich an der Finanzierung der Mehrkosten für den Tiefbahnhof in Stuttgart zu beteiligen, sieht er als Jurist gelassen entgegen. "Wir sind vertragstreu." Das Projekt müsse durchfinanziert und -gebaut werden, das Schlimme sei die weitere Verzögerung. Den Bau der Neubaustrecke sieht er davon nach wie vor unabhängig.

Ein guter Tag für Ulm, Oberschwaben, Baden-Württemberg - und auch für die Neubaustrecke, kommentierten SPD-Landtagsabgeordneter Martin Rivoir und Oberbürgermeister Ivo Gönner glasklar durch die regionale Brille. Trotz der umstrittenen Mehrkosten für den Bahnhofsumbau in Stuttgart könne die Strecke nach Ulm nun weitergebaut werden. Für Rivoir bekräftigen Bund und Bahn damit auch, in den nächsten Jahren einen Milliardenbetrag im Land zu investieren. "Nun müssen alle Beteiligten prüfen, ob sie für die Umsetzung richtig aufgestellt sind." Insbesondere die Bahn, was das Controlling betrifft.

Annette Schavan und Dr. Monika Stolz, die örtlichen CDU-Abgeordneten in Bund und Land, sind sich einig: Der Bahn-Aufsichtsrat habe eine gute Entscheidung fürs Land getroffen - "und speziell für unsere Region" (Schavan). Alle politisch Verantwortlichen seien nun gefordert. "Die Lösung der Finanzierungsfrage ist anspruchsvoll und verlangt allen Seiten konstruktive Verhandlungsfähigkeit ab", sagte die Ex-Bundesbildungsministerin. Der Ertrag aus Stuttgart-Ulm werde letztlich ein Vielfaches der Investition betragen. Stolz: "Eine klare Ansage von Bahn und Bund, dass gebaut wird. Der Ministerpräsident sollte endlich die Rolle des Projektpartners annehmen. Regieren ist gefragt, nicht Taktieren."

"Das einzig Vernünftige, dass weitergebaut wird", sagt der CDU-Landtagsabgeordnete Karl Traub. Für ihn gehörten der Stuttgarter Tiefbahnhof und die Schnellbahntrasse über die Alb unmittelbar zusammen, und mit diesem Projekt werde auch die Hauptroute Paris-Wien über Stuttgart und Ulm verlaufen. Die höheren Baukosten von 6,5 Milliarden Euro seien zu erwarten gewesen. Wenn es im Interesse des Landes sei, dann müsse sich das Land an den Mehrkosten beteiligen und es nicht auf eine Klage der Bahn ankommen lassen, meint er: "Vor Gericht zu gehen, ist immer die schlechteste Lösung."

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

07.03.2013 09:55 Uhr

Stolz, Traub und öffentliche Verkehrsmittel

In Hausen am Bussen fahren an Schultagen einzelne Busse, in den Schulferien - und an Wochenenden - gibt es weder Busse noch Anrufsammeltaxen. Bürgermeister über Jahrzehnte: Karl Traub.
In Ulm fuhren noch bis 2003 Straßenbahnen eines Typs, der in den 50er-Jahren entwickelt worden war über völlig marode Gleise; man wurde regelrecht hin- und hergeschleudert. Langjährige Gemeinderätin an der Spitze der CDU: Monika Stolz.
Wenn sich diese beiden Herrschaften für ein Projekt einsetzen, das mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu tun hat, dann sollte man sehr skeptisch sein.
Im übrigen sollte man einmal nüchtern überlegen, wer überhaupt Zeit und Geld hat, mehrmals im Jahr Flüge vom Stuttgarter Flughafen weg zu unternehmen. Das sind Leute, die - bei optimistisch angenommenen 10 Jahren Bauzeit - jetzt um die 60 sind und in ein paar Jahren eine hohe Rente bekommen werden.

Antworten Kommentar melden

06.03.2013 13:30 Uhr

Sie dürfen noch "Dr. Schavan" schreiben,

da Frau Doktor gegen die Entscheidung der Universität geklagt hat, darf sie den Titel noch so lange führen.

Wie ist eigentlich der Titel der Promotion von Frau Dr. Monika Stolz?

Liebe Redaktion, lasst doch einfach die Titel weg, denn die wissenschaftliche Arbeit einer Person gerade bei diesem Thema unerheblich, es sei eine der Frau Doktoren hätte auf dem Gebiet der Verkehrswissenschaften oder Eisenbahnwesen promoviert.

Das Ulm sich vom Rest der Republik gerne eine S-Bahn zum Flughafen bezahlten lässt, ist nicht weiter verwunderlich.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

ICE-Lokführer verpennt Halt in Neu-Ulm

Seit dem Fahrplanwechsel hält täglich einmal ein ICE in Neu-Ulm. Das klappt noch nicht so gut, wie am Dienstag zu sehen war. 50 Passagiere blieben am Bahnsteig zurück. weiter lesen