Raubkunst: Ulmer Museum will aktiv aufarbeiten

Keine Frage: Die Raubkunst aus dem Ulmer Museum wird restituiert. Der Kulturausschuss befürwortet auch eine Stelle für Provenienzforschung.

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Rein faktisch lag die Sache klar - die eigentliche Dimension noch einmal deutlich zu machen, oblag Sabine Schuler von der CDU-Fraktion. Unter Tränen beklagte sie in der Sitzung des Kulturausschusses am Freitag, wie wenig emotional über die Frage der NS-Raubkunst gesprochen werde: "Wir sind es den Menschen schuldig, dass wir nicht nur reagieren, sondern aktiv die Geschichte aufarbeiten", sagte die Stadträtin. Nur dann könne man auch zu den fraglichen Stücken im Ulmer Museum stehen - die Rede ist von den drei Gold- und Silberschmiede-Objekten, die als "NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut" gelten und zurückgegeben oder zurückgekauft werden sollen.

Museumschefin Gabriele Holthuis hatte eingangs die Geschichte des "Trinkschiffs" und der Gruppe "Hahn und Henne" dargelegt. Alle drei Objekte stammten aus dem Eigentum einer jüdischen Sammlerin und seien nach deren Tod 1937 versteigert worden. "Entscheidend ist, dass der Erlös einbehalten wurde und nicht an die Erben gegangen ist." Damit handle es sich um einen Verkauf unter Druck der Nationalsozialisten, also um "verfolgungsbedingten Vermögensverlust". Nachdem aber im Falle von "Hahn und Henne" unklar sei, ob sie wirklich aus der Hochphase der Ulmer Goldschmiedekunst im 17. Jahrhundert oder aus dem 19. Jahrhundert stammen, schlage das Museum vor, diese zurückzugeben und nur das Trinkschiff erneut zu erwerben.

In der Frage der Restitution gab es keinerlei Dissens. Durchaus diskutiert wurde, welche Stücke für Ulm erhalten werden sollten. Helga Malischewski (FWG) regte an zu klären, wieviel "Hahn und Henne" kosten würden. Ralf Milde (FDP) fand es viel spannender, die Geschichte der Raubkunst zu erzählen, als die Objekte zu behalten. Ein Punkt, an dem Holthuis mit dem zweiten Teil des Antrags einhakte, in dem es um die weitere Aufarbeitung der Sammlung geht. Bislang "reagieren wir", erklärte sie. Die Geschichte aller Ankäufe seit 1933 aktiv zu durchleuchten, sei aus eigener Kraft nicht zu leisten - mit weiteren Restitutionsfällen müsse man aber rechnen. Der Antrag auf eine Stelle für Provenienzforschung - die bis zu hundert Prozent von der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturverluste gefördert werden kann - wurde also einstimmig angenommen.

Die Entscheidung über den Kauf des Trinkschiffs fiel nichtöffentlich. Es soll nun für eine "höhere fünfstellige Summe" gekauft werden, wie Kulturbürgermeisterin Iris Mann sagt. Hahn und Henne würden nicht von der Stadt, eventuell aber "von einem Stifter oder einer Stifterin" für das Museum erworben.

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