Rat der Religionen spricht mit einer Stimme

In Ulm sitzen die großen Religionen an einem Tisch und verpflichten sich zu vertrauensvoller Zusammenarbeit: Christen, Juden und Muslime. Gestern wurde der Rat der Religionen offiziell ins Leben gerufen.

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Die Unterzeichner der Satzung des Rats der Religionen: (von links) Kasim Kocakaplan, Shneur Trebnik, Selda Karaduman, Nihad Smajic, Matthias Hambücher und Ernst-Wilhelm Gohl. Im Hintergrund OB Ivo Gönner. Foto: Lars Schwerdtfeger

Große Dinge werden am Ende mit kleinen Unterschriften besiegelt. So auch gestern im Ulmer Rathaus, als der Rat der Religionen offiziell gegründet wurde: Sechs Vertreter von Kirchen und religiösen Vereinen unterschrieben: Ernst Wilhelm Gohl als Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Ulm, Matthias Hambücher als Dekan des katholischen Dekanats Ehingen-Ulm, Selda Karaduman von türkisch-islamischen Kulturverein Ditib, Kasim Kocakaplan vom alevitischen Kulturverein Ulm, Nihad Smajic vom bosnisch islamischen Kulturzentrum und Shneur Trebnik als Rabbiner der jüdischen Gemeinde Ulm.

"Das ist ein historischer Moment für diese Stadt", sagte OB Ivo Gönner. Er sieht im Rat einen "gelungenen Beitrag zur Verständigung und zum friedlichen Zusammenleben der Menschen verschiedener Religionen in Ulm". Respekt sei mehr als Toleranz, denn er beinhalte Achtung. Der OB betonte, dass Religionsausübung in Deutschland ein individuelles Recht sei, das von der Religionsfreiheit im Grundgesetz geschützt werde.

Die Idee zum Rat der Religionen fußt auf den Erfahrungen der Charta Oecumenica, die die Ulmer Protestanten und Katholiken gemeinsam im vergangenen Jahr erarbeitet haben. Der Wunsch, die Zusammenarbeit formal festzuhalten, sei daraufhin erweitert worden auf Muslime und Juden. Seit Januar 2012 wurde an der Satzung gefeilt.

"Wir wollen als Religionen in der Gesellschaft mit einer Sprache sprechen", machte Hambücher deutlich - unter Achtung der Eigenständigkeit aller Mitglieder. Das Gremium habe sich überlegt, "welche gemeinsame Anliegen wir haben und wo wir gemeinsame Lösungen zu finden gilt".

Die Aufgaben, die sich der Rat gibt, beschrieb Rabbi Trebnik: Mitwirken bei öffentlichen Veranstaltungen, wie bei den Tagen der Begegnung; multireligiöse Feiern zu öffentlichen Anlässen von stadtweiter Bedeutung gestalten; gemeinsame Stellungnahmen erarbeiten, wie zum Beispiel über Beschneidung; religiöse Bildungsarbeit fördern, zum Beispiel in Kindergärten; den Bau und Unterhalt von Gebets- und Versammlungsräumen unterstützen; die Organisation eines jährlichen Treffens aller Religionen. "Wir waren an vielen Punkten schon sehr nah beieinander", sagte Trebnik.

Die Einschätzung teilten die muslimischen Vertreter. Kasim Kocakaplan hob hervor, dass es keine Gewichtung der großen Religionsgemeinschaften gebe, sondern "dass jede Stimme gleichberechtigt ist".

Bislang hat der Rat sechs Körperschaften und Vereine der Religionen als Mitglieder. Jedes Mitglied hat im Gremium zwei stimmberechtigte Delegierte: In der Regel ein religiöser Vertreter (Pfarrer, Imam, Rabbiner oder ähnliches) und einen anderen. Aufgenommen werden religiöse Gemeinschaften, die mindestens 150 Mitglieder in Ulm und den Nachbar-Landkreisen haben und "eine signifikant große Zahl von Mitgliedern" vertreten. Wer beitreten will und die Kriterien erfüllt, kann einen Antrag stellen. Aufgenommen wird, wer im Gremium mindestens eine Zweidrittel-Mehrheit erhält. Für Sekten werden nicht aufgenommen: Dafür sind in der Satzung Ausschlusskriterien definiert.

Die Amtszeit des Rats der Religionen beträgt vier Jahre, vertreten wird er durch drei gewählte Sprecher. Als beratende Mitglieder sind im Rat der Ulmer OB, ein Vertreter der Stadt für internationale Angelegenheiten und einer der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Ulm/Neu-Ulm vorgesehen, welcher also die Interessen kleinere Religionsgemeinschaften vertritt. Die konstituierende Sitzung ist am Montag, 17. Dezember.

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