Pubertät im Schredder: Rainald Grebe

Seine Requisiten stammen aus der Generation Golf, seine Erkenntnisse aus der Biografie - da, wo er ehrlich privat wird, ist Rainald Grebe richtig gut.

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    Nicht nur ein Mann der leisen Töne: Rainald Grebe. Foto: Oliver Schulz
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In der Ferne sieht man den Kölner Dom. An klaren Tagen. Rainald Grebe kommt aus Frechen. Eine kleine Stadt im Rheinland, die sich auf "ästhetisches Verbrechen" reimt. Ein Ort, an dem man früh von einem anderen Leben träumt - die passende Heimat für einen, der auszieht, ein Künstler zu werden.

Eine bessere Folie lässt sich kaum denken für dieses vierte Solo-Programm mit Klavier, das der Künstler am Sonntag im ausverkauften Zelt spielte. "Das Rainaldgrebekonzert" ist Bildungsroman und Archiv einer westdeutschen Adoleszenz, von der ersten, unappetitlichen Erinnerung (in Ulm) bis zum selbstgemachten Sushi mit Neo-Spießern in Berlin-Mitte.

Vati war Professor für Bibliothekswissenschaften - der 1971 geborene Sohn hat sein eigenes Leben, seine Fotos und Erinnerungen auf USB-Sticks gespeichert. Die Requisiten aus dem hinlänglich bekannten Fundus der Generation Golf scheinen unerschöpflich, prasseln bis zur Ermüdung herunter: Toast Hawaii, Kurt Felix, Blockflöte, Lacoste, Heino - aber hoppla, der singt ja die erste Strophe des Deutschlandliedes. Grebe delektiert sich auch, aber nicht nur an biografistischem Kram, schafft gnadenlos schlüssige Bögen von der Kindheitsanekdote zum Krieg. Warum eine traumatisierte Elterngeneration nicht anders konnte als den Partykeller zu erfinden, bebildert er mit seiner Mutter: einem Flüchtlingskind aus Breslau, das heute täglich auf dem Heimtrainer schwitzt. "Ich dachte nur: Der Russe im Rücken."

Wo er das Große aus dem Kleinen herauspult, steigert sich der gelernte Puppenspieler vom Entertainer zum Erzähler. Was alle erwarten - "Brandenburg" -, jagt der Ego-Archivar durch den Schredder. Dafür kommt das anrührende Lied über eine Pubertät in Frechen. Wo es alles gibt und alles fehlt, wo alles seine Ordnung hat, aber nichts passiert. Inhaltlich auch nicht neu. "Aber es stimmt." Würde Mutter Grebe sagen.

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