Protestmarsch in Ulm gegen türkischen Ministerpräsidenten Erdogan

Der Aufruhr in der Türkei gegen Willkür und Gewalt hat in Ulm erneut Unterstützer auf den Plan gerufen. Hunderte protestierten gegen Erdogan.

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Ulmer Demonstranten fordern ein Ende der Gewalt in der Türkei und den Rücktritt Erdogans.  Foto: 

Kurden und Türken, Aleviten und Sunniten stehen Seite an Seite und protestieren gegen die Politik des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Sie ziehen durch Bahnhof- und Hirschstraße, über Münsterplatz und Neue Straße auf den Marktplatz und skandieren: „Überall Taksim! Überall Widerstand!“

Schätzungsweise 500 Menschen haben sich am Samstag einem vom Alevitischen Kulturzentrum Ulm organisierten Protestmarsch angeschlossen – darunter wenige mit deutschen Wurzeln. Von politischer Seite unterstützten nur die Grünen den Protest. Die Demonstranten fordern den Rücktritt Erdogans. Sie fordern ein Ende der Gewalt und die Freilassung der Festgenommenen.

Die Demo-Teilnehmer solidarisieren sich mit dem breiten Aufruhr in der Türkei, der im Gezi-Park am Istanbuler Taksim-Platz seinen Anfang nahm, wo Erdogan eine Shopping-Mall bauen möchte – eines von vielen Mammutprojekten, die mitunter autoritär durchgedrückt werden. Und er mischt sich in die private Lebensführung ein. Seine Politik sei eine „Demütigung der freiheitlich denkenden jungen Generation in den Städten“, sagte Ferhat Yildiz vom Alevitischen Kulturzentrum. „Die Demonstrierenden sind zum Symbol einer großen Sehnsucht nach freiheitlicher Demokratie geworden.“ Es könne nicht sein, dass ein Feierabendbier und Zärtlichkeiten eines jungen Paares in der Öffentlichkeit als verwerflich eingestuft würden.

Es geht um weit mehr als Bäume im Gezi-Park. „Die Regierungspolitik holzt seit Jahren demokratische Rechte regelrecht ab“, prangerte Sidar Demirdögen, Vorsitzende des Bundesverbands der Migrantinnen, an. „Wir wollen eine Politik, bei der Mensch und Umwelt im Mittelpunkt stehen, nicht der Profit.“ Erdogan könne noch so sehr Medien behindern, „je weniger die Menschen in der Türkei reden können, desto mehr müssen wir für sie sprechen“. In Ulm sprachen sie auch mithilfe prägnanter Plakate: „Wenn Unrecht zu Recht wird, dann wird Widerstand zur Pflicht“ stand zu lesen oder „Taksim heißt auch: Widerstand der Frauen, denn es geht um Freiheit und Mitbestimmung“.

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