Privatsphäre ade? Datenschützer diskutieren auf Kongress

Die Kontrolle, welche unserer Daten im Netz verbreitet werden, gleitet uns aus den Händen. Ob die Privatsphäre schützenswertes Kulturgut ist, darüber gingen die Meinungen im Stadthaus auseinander.

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Prof. Dr. Gerhard Kongehl meint, jeder sollte selbst entscheiden, was über ihn verbreitet wird.  Foto: 

„Ist Privatsphäre noch das Gleiche wie vor zehn Jahren?“ Mit dieser Eingangsfrage polarisierte Martin Hofmann, Politikredakteur der SÜDWEST PRESSE und Moderator der Podiumsdiskussion „Datenschützer im Jahr 2020“, am Samstag auf dem Jubiläumskongress von Udis im Stadthaus. Schon am Freitag war die geplante EU-Verordnung zum Thema „Datenschutz“ durch die Mangel genommen worden (wir berichteten).

Nun ging es aber ums Eingemachte, sprich darum, ob Datenschutz und damit die Privatsphäre im Zeitalter des Internets überhaupt noch möglich ist. „Privatsphäre ist die Voraussetzung, sich in der Gesellschaft positionieren zu können“, sagte Prof. Gerhard Kongehl, der Geschäftsführer von Udis. Kontra gab Jürgen Geuter, der in dem datenschutzkritischen Chatroom „Spackeria“ schreibt. Privatsphäre sei eine Erfindung der bürgerlichen Gesellschaft und keineswegs festes Bestandteil der menschlichen Kultur, meinte er. Zudem bestünde, anders als etwa im Dritten Reich, keineswegs die Notwendigkeit, seine Identität zu verbergen. Das sieht Kongehl anders. „Privatsphäre ist eine Errungenschaft der Aufklärung, die das Individuum in den Vordergrund stellt, und somit ein gesellschaftlicher Fortschritt.“

Kein Zweifel bestand aber an der Tatsache, dass es immer schwerer wird, die Daten der Menschen so zu schützen, dass sie selbst bestimmen können, was davon wer sieht. „Wir können nicht abschätzen, was mit unseren Daten im Netz passiert“, sagte Geuter. Es sei eine Illusion zu glauben, man könne im Netz eine Halböffentlichkeit schaffen. „Was draußen ist, ist draußen.“ Umso wichtiger, das den Menschen bewusst zu machen, sagte Jörg Klingbeil, Datenschutzbeauftragter des Landes Baden-Württemberg. Daher gehen Datenschützer auch an Schulen, wie am Donnerstag ans Scholl-Gymnasium.

Außerdem verabschiedeten die Teilnehmer die „Ulmer Resolution“, in der sie einen festgeschriebenen rechtlichen Status für betriebliche Datenschutzbeauftragte, fordern, unabhängig von der Mitarbeiterzahl des Unternehmens.

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