PREMIEREN: Modernes Musiktheater

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Im Podium hat heute Abend, 19.30 Uhr, "Kassandra: Lieder der Fremde" Premiere. In der Lesart der Schriftstellerin Christa Wolf, die 1983 ihre Erzählung "Kassandra" mit nachhaltiger Wirkung veröffentlichte, beruhen die Weissagungen dieser Seherin aus der griechischen Mythologie nicht auf prophetischen Gaben, sondern auf der klaren Analyse der Wirklichkeit - was ohne Gehör in der Gesellschaft bleibt. Für den Komponisten Gerhard Stäbler war Wolfs Erzählung der Antrieb zu musikalisch-politischer Arbeit: Im Podium sind Stäblers Instrumentalstücke "Kopflos" und "Abschiede", zwei "Kassandra-Studien", zu erleben. Regisseur Philipp Jescheck verbindet die Stäbler-Stücke mit Werken aus der Renaissance, mit Orlando di Lassos "Prophetiae Sibyllarum". Die musikalische Leitung hat Hendrik Haas. Neben dem Opernchor und einem Instrumentalensemble der Philharmoniker wirkt die Schauspielerin Christel Mayr als Kassandra mit. Die Aufführungsdauer beträgt 75 Minuten.

Im Großen Haus hat morgen, Donnerstag, 20 Uhr, ein Musiktheater mit Werken von John Cage und Gerhard Stäbler Premiere: "Europeras 3&4/FuturessenceXXX". Cage (1912-1992), einer der großen Komponisten und Künstler des 20. Jahrhunderts, experimentierte im Alter auch mit dem Material der vertrauten europäischen Oper. Was dabei herauskommt, gesteuert von einem Zufalls-Generator, ist nichts anderes als eine ironische, kritische Abrechnung mit dem überkommenen Repertoire von Wagner, Verdi und Co. Keine modernen Töne, aber ein Anschlag aufs Konventionelle. Matthias Kaiser und Britta Lammers (Bühne) setzen die "Europeras 3&4" gemeinsam mit einer ebenfalls tabufreien musiktheatralischen Installation Gerhard Stäblers in Szene. "FuturessenceXXX" verarbeitet diverse Theaterstücke der Futuristen aus dem frühen 20. Jahrhundert: eine "Exekution" mit elektronischer Musik, die im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) entstand "und einlädt zum Hören, Sehen, Fühlen und Riechen". Die musikalische Leitung der Premiere hat Michael Weiger, es singen Katarzyna Jagiello, Edith Lorans, Hans-Günter Dotzauer, Tomasz Kaluzny, Alexander Schröder und Jeoung-Su Seo. Die Pianisten sind Igor Beketov und Alfredo Miglionico. Aufführungsdauer: zweieinhalb Stunden inklusive Pause.

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