Premiere in der Theaterei: "Toutou"

Vordergründig geht alles um einen Hund, hintergründig um viel mehr. Stella Seefried inszeniert die Komödie "Toutou" an der Theaterei Herrlingen.

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Was bedeutet Toutou für Alex (Samuel Eisenring) und Zoé (Celia Endlicher) wirklich? Foto: Theaterei Herrlingen

"Ein Hund bedeutet Glück", sagt Alex. "Einen Hund zu verlieren, bedeutet Unglück", ergänzt Zoé. Damit bringt sie ihren Zustand auf den Punkt. Das Ehepaar ist unglücklich, weil sein Hund Toutou weggelaufen ist. Zunächst scheint es auch so, als ob das Verschwinden der Grund für die Ehekrise sei. Die beiden machen sich Vorwürfe, haben Schuldgefühle, die in Schuldzuweisungen enden. Während des Streits wird aber immer deutlicher, dass es um viel mehr geht. Stella Seefrieds Inszenierung der französischen Komödie "Toutou", die am Freitag in der Theaterei Herrlingen Premiere hatte, hält die Spannung bis zum Schluss. Was bedeutet Toutou für Alex, gespielt von Samuel Eisenring, und Zoé alias Celia Endlicher nun eigentlich? Er ist für sie mehr als ein Hund, das steht schnell fest. Schließlich könnte er weggelaufen sein, weil sie zu streng zu ihm waren: "Ein Hund erträgt keine Ungerechtigkeit", weil er sich für ein Leben in Freiheit entschieden hat: "Ein Hund ist ein Gefangener", oder weil er Sehnsucht nach einer Hündin hatte: "Ein Hund in der Stadt kommt selten zum Bumsen."

Das Theaterstück von Daniel Besse und seiner Frau Agnès Tutenuit lebt von Übertreibungen, Zuspitzungen und sprachlicher Brillanz. Der Hund Toutou, was übersetzt "Wauwau" heißt, wird überhöht und vermenschlicht. Schließlich ist er dauerhaft auf der Bühne präsent, obwohl er gar nicht da ist. Das liegt nicht nur an den Dialogen, sondern auch an der schauspielerischen Leistung der Darsteller. Während des Stücks nehmen sie immer wieder Hundehaltungen ein, gehen voreinander in den Vierfüßlerstand und kläffen sich gegenseitig an. Er wütend, gestikulierend, wortgewandt, sie verletzt, eingeschnappt, arrogant.

Als ihr Freund Pavel, gespielt von Bernhard Bonvicini, spontan zu Besuch kommt, nimmt das Stück eine langsame Wendung. "Merkt ihr denn nicht, dass ihr mit eurem Hund der ganzen Welt auf die Nerven geht?", ruft er, und es wird immer offensichtlicher, dass der Hund nur eine Projektion ist. Schließlich geht es um Freundschaft, um Überzeugungen, um Eifersucht und um den Traum von der großen Liebe. Nach und nach wird Alex und Zoés Geschichte aufgerollt, wie sie sich kennen gelernt haben, was sie mal waren, wer sie heute sind und warum Toutou überhaupt zu ihnen gestoßen ist . . .

Trotzdem verliert das Stück nicht an Leichtigkeit. Die Schauspieler schaffen es, die Balance zwischen Tragik und Komik perfekt zu halten. Wiederholungen wie die zahlreichen Ab- und Aufgänge von Pavel und die fröhliche Trompetenmusik "Bucovina" von Shantel lockern die Inszenierung auf. Und immer dann, wenn das Stück Gefahr läuft, zu dramatisch oder dialoglastig zu werden, tritt einer der Schauspieler wie durch Zufall auf ein herumliegendes Spieltier von Toutou, und ein lautes Quietschen ertönt.

Info
Nächste Vorstellungen: Freitag und Samstag, jeweils 20 Uhr

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