Potenzial für Wirtschaft: Internationale Ulmer mit besonderen Fähigkeiten

Kemal Düzel bewegt sich problemlos zwischen zwei Welten: seinen türkischen Wurzeln und der deutschen Heimat. Leute wie er seien für die global agierende Wirtschaft ein großes Pfund, sagt Düzel.

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Sein Vater kam in den 60er Jahren nach Deutschland, aus einem Ort in Ostanatolien. Er war einer von tausenden Gastarbeitern, die geholfen haben, die Bundesrepublik aufzubauen, sagt Kemal Düzel, der in Söflingen geboren ist. Manchmal wünscht er sich, diese Leistung würde mehr gewürdigt. Integration sei kein großes Thema gewesen. Deutschkurse gab es nicht, auch sonst keine großen Hilfen, um sich in der neuen Heimat zurecht zu finden. Aber auch auf der anderen Seite fehlte oft die Bereitschaft, die andere Kultur kennenzulernen.

Während also Deutschland der Generation der ersten Gastarbeiter oft fremd blieb, bewegen sich deren hier geborenen Kinder problemlos zwischen beiden Welten. Nur ein Beispiel ist die Zweisprachigkeit. Ein Pfund, mit dem man punkten könne, sagt Düzel, der studierter Diplomkaufmann und Stipendiat des Bundesministeriums für Wissenschaft und Technologie ist.

Er nennt Beispiele: „In der heutigen globalen Wirtschaft braucht man Leute, die sich in den Kulturen der Handelspartner auskennen. Und ihre Sprache sprechen.“ Düzel, der mehrere Shopping Malls gemanagt hat, darunter auch das Blautalcenter noch bis Ende des Jahres, weiß um die Vorteile einer interkulturellen Kompetenz auch im Verkauf. „Ist doch klar, dass ein Grieche, der auf eine griechische Verkäuferin trifft, sich besser aufgehoben und respektiert fühlt.“ 40 Prozent der Ulmer Bevölkerung habe internationale Wurzeln. Dass Stadt und Gemeinderat dem Rechnung tragen und eine Internationale Stadt sein wollen, findet der 36-Jährige lobenswert: „Das ist ein starkes Signal.“ Aber Ulm sei schon immer eine offene Stadt mit offenen Menschen gewesen.

Düzel will seinen Teil für ein gutes Miteinander beitragen und hat sich für den Internationalen Ausschuss beworben. Nun ist er neben zwei anderen verantwortlich für den Bereich Wirtschaft und Wissenschaft. „Ich kann Impulse geben dafür, dass die Stadt gut gerüstet in die Zukunft geht, dass sie ihre Internationalität zu ihrem Vorteil nutzt“, sagt der Vater einer kleinen Tochter.

Brainstorming mit seinen Kollegen hat er bereits gemacht. „Wir haben zusammen gegessen.“ Jeder brachte etwas aus seiner Heimat mit. Das Ergebnis: Es gab griechisches, türkisches, arabisches und bosnisches Essen, einen guten Rotwein und ein gemeinsames Ziel. Mehr braucht es erst einmal nicht.

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Kommentare

03.12.2015 12:04 Uhr

Extreme Verengung

An der Vielfalt eigenständiger Ansätze, die einen Zugang zur Wirklichkeit ermöglichen und die auch sozialwissenschaftliche Laien unbeschadet nutzen können, mangelt es gewiss nicht. Materiell und ideell gefördert wird allerdings lediglich immer nur einer davon. So berief jüngst ein Ausschuss des Deutschen Bundestages für eine Expertenanhörung zur Frage der künftigen Gestalt der hiesigen Industrie bloß eine Vertreterin des Münchner Instituts für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF). Die Industriegewerkschaft Metall demgegenüber beschränkt sich in derselben Weise und gibt allein dem Alterspräsidenten des Soziologischen Forschungsinstituts (SOFI) in Göttingen den entsprechenden Raum, sich kritisch mit zurückliegenden Fehlern auf diesem Gebiet auseinanderzusetzen. Es wäre insofern äußerst fatal, wenn die Stadt Ulm als zweifelsfrei offenes Gemeinwesen sich auf solch eine Eindimensionalität einlässt, anstatt die von Natur aus gegebene Mehrdimensionalität der Welt zu wahren, und infolge dessen ihre ökonomische Stärke vollends verspielt.

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