Poetry Slam "Dead or Alive": Die "Ulmer Ente" geht nach Frankfurt

Heinz Erhardt als Slammer. Bei "Poetry! Dead or Alive" traten im Theater Ulm wieder tote gegen lebende Dichter an. Die Siegerente ging nach Frankfurt.

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Kreischen, johlen, klatschen und möglichst ausrasten vor Begeisterung. Im Großen Haus des Theaters Ulm herrschte beim 4. Poetry Slam wieder ausgelassene Stimmung und die durchgesessenen Stühle ertrugen das Rumhampeln des jungen Publikums stoisch und ergeben. Die Jury saß im Publikum, ausgestattet mit einem großen Block und Filzstift, um die Poetenschlacht mit Punkten zu bewerten.

Vier Slammer der deutschsprachigen Szene traten gegen vier tote Dichter an, die von Schauspielern des Theaters gesprochen wurden. Gunther Nickles hatte sich die Hornbrille von Heinz Erhardt aufgesetzt und die spärlichen Haare quer über die Glatze gekämmt. Er forderte "Silicium" und war in seinem Vortrag "ganz verstreut". Ach, das Original wird eben oft kopiert und nie erreicht. Besser hatten es die Vertreter der verstorbenen Dichter mit Autoren, von denen es keine oder kaum Tondokumente gibt. Der Tenor Girard Rhoden schlüpfte etwa in die Rolle des Sängers, Musikers und Jazzpoeten Langston Hughes. Direkt vom Wiener Zentralfriedhof reiste Johann Nestroy an und schlüpfte in den Körper des Schauspielers Dan Glazer. Mit den Aphorismen ähnelnden Seitenhieben schaffte es Nestroy sogar als punktbester Toter zu reüssieren.

Die deportierte Jüdin Selma Meerbaum-Eisinger weinte in einem Liebesgedicht um den Frühling und das Glück. Sidonie von Krosigk rührte sich und dem Publikum das Herz.

Das schaffen die Slampoeten der Gegenwart locker. David Friedrich aus Hamburg musste als erster das Opferlamm machen und heimste trotzdem mit seinem "Digger" ordentlich Punkte ein. Mit einem auch gestisch reichen "Heidelbeermahl" präsentierte Theresa Hahl aus Bochum ein Stück Philosophie unter einer Strickmütze. "Ein Happy End in Teufels Namen", das selbst einen Papst als Exorzist nicht verschonte, rupfte und zupfte die Seriensiegerin Lisa Eckhart (Berlin) als Schwarz-Weiß-Malerei ins Publikum.

Sieger der Lebenden wurde jedoch der Beatboxer Dalibor aus Frankfurt, der seinen Körper als Percussion-Instrument und seine Stimme zum Singen einsetzte. Der Mann "mit Mikrofonhintergrund" rappte Beethovens "Für Elise" und überzeugte mit einer punktgenauen Performance, nur unterbrochen von Zwischenapplaus, und brachte das Publikum zum Jubeln, Kreischen, Johlen und Ausflippen.

Die Moderatoren Daniel Grünauer und Ko Bylanzky heizten auf lässige Art die Stimmung an, und Susi, die mit der Kreide die Punkte auf die Tafel schrieb und am Smartphone sieben und sieben zusammenzählte, die hatte natürlich ein tolles Kleid an. Rot war's.

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