Piroggen, Pirsin, Striezel

Schade, dass das Wetter diesmal nicht so richtig mitgespielt hat: Beim "Fest der Kulturen" auf dem Marktplatz zeigten Akteure aus vielen Ländern, wie bunt und vielseitig das Leben in der Stadt geworden ist.

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Tanz der Derwische, gezeigt von Mitgliedern des türkischen Vereins Ebru. Derwische sind Angehörige einer muslimischen Ordensgemeinschaft. Foto: Oliver Schulz

2009 hatten die Veranstalter der Tage der Begegnung ihr "Fest der Kulturen" auf den Ulmer Marktplatz verlegt. Sie hatten damit weit mehr Besucher angesprochen als zuvor, als sie, weitgehend unter sich bleibend, in Vereinsheimen gefeiert hatten. Allerdings sind Freiluftveranstaltungen der Witterung ausgesetzt. Und das samstägliche Wetter hätte schon schöner ausfallen dürfen, um ihrem diesjährigen Fest zur gebührenden Resonanz zu verhelfen. Denn das, was die etwa 40 mitwirkenden Vereine, Institutionen und Gruppen diesmal zu zeigen und für den Gaumen zu bieten hatten, bezeugt eindrucksvoll, wie weit Zuwanderer aus den unterschiedlichsten Ländern das Leben in unserer Region bereichern.

Viele Akteure wirken bei dem Fest seit Jahren mit. Jedesmal stoßen auch neue hinzu. Zum Teil, weil ihre Vereinigungen erst vor kurzem gegründet wurden. Zum anderen auch, weil ihre Mitglieder beschlossen haben, sie aus einem Dornröschenschlaf zu wecken.

So ergeht es der Deutsch-Finnischen Gesellschaft. Ulla Pohl, die neue Vorsitzende des hiesigen Bezirksvereins, will verstärkt mit öffentlichen Kulturveranstaltungen den Verein wie auch das Land im hohen Norden ins Bewusstsein der Ulmer rücken. Für den 24. November steht ein Kantele-Konzert mit dem "Dou Kämmi" in der Sebastianskapelle auf dem Programm, sagte sie am Stand, an dem finnischer Kaffee, finnisches Olut (Bier), karelische Piroggen und Mustikkaulle, ein Heidelbeer-Gebäck, angeboten wurden. Mittsommer, so erzählte sie, feiere der Verein in der Friedrichsau. Feste Programmpunkte im Jahreslauf seien auch Weihnachten und der 1. Mai.

Auch die Kreisgruppe der Siebenbürger Sachsen, die sich ebenfalls zum ersten Mal mit einem Stand auf dem Marktplatz präsentierte, soll zu neuen Aktivitäten angespornt werden. Der 160 Mitglieder starke Verein existiert schon seit Jahrzehnten in der Stadt, berichtete Claudia Benkö, die den Vorsitz übernommen hat. Gekleidet war sie in ein farbenprächtiges Gewand, das schon ihre Großmutter getragen hatte. Die Siebenbürger veranstalten vier große Veranstaltungen im Jahr. Den Faschingsball, das Sommerfest, zu dem Baumstriezel serviert werden, den Kathreinerball, ein traditionelles Namenstagsfest nicht nur für Frauen und Mädchen, die auf den Namen Katharina getauft wurden, sowie die alljährliche große Feier zum Advent.

Der Deutsch-Tschechische Kulturverein Klic (deutsch Schlüssel) ist zwar noch klein. Zurzeit zählt er gerade zehn Mitglieder. Eines seiner Ziele ist, die tschechische Literatur im Ulmer Raum zu fördern. Zu dem Zweck hatte er im vergangenen Jahr einen tschechischen Kulturtag angesetzt. Am Stand am Samstag warb er aber für allem für touristische Ziele in Tschechien.

Der Verein Eritreische Jugend Union bot im Wesentlichen zwei Gerichte: Zigni, eine Speise aus Rindfleisch, Pfeffer, Spinat und Kartoffeln. Sowie Pirsin, etwas Vegetarisches aus Linsen, Kartoffeln, Karotten und Bohnen.

Mit den größten Zuspruch fand allerdings das, was die Frauen vom Thailändischen Kulturverein zum Essen boten. Der Verein zähle derzeit 38 Mitglieder, berichtete die Vorsitzende Pitiya Buntz. Fast alle sind Frauen, die sich einmal im Monat zum Austausch und zur gegenseitigen Hilfe treffen. Immer wieder veranstalten sie auch große Feste. Zum Sommerfest etwa waren 500 Besucher in die Eselsberg-Halle geströmt. Für 2013 haben diese Frauen fest eingeplant, ihr thailändische Neujahrsfest im April und Loy Krathong, ihr Lichterfest im November, öffentlich zu feiern.

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