Philosophieren im Kellerloch

Viel Beifall für die letzte Premiere des Theaters Neu-Ulm in dieser Saison: "Enthüllungen aus dem Kellerloch" nach Dostojewskis Erzählung.

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Peter Gerter spielt Bajan zu Heinz Kochs Darbietung. Foto: Theater Neu-Ulm

In den "Enthüllungen aus dem Kellerloch" von Fjodor Dostojewski (Regie Claudia Riese) blüht Heinz Koch als Protagonist regelrecht auf. Er hatte die Erzählung selbst für sein Theater Neu-Ulm bearbeitet, sich dabei weitgehend an das Original gehalten, dieses aber gestrafft. Pointiert spielt Koch den eigenbrötlerischen, zu sich selbst philosophierenden Intellektuellen.

Ein Sonderling um die 60 blickt schonungslos zurück auf 40 Jahre Einsamkeit, in denen er zurückgezogen und abgeschieden in einem spartanisch eingerichteten Kellerloch in St. Petersburg hauste. Selbstzerstörerisch leidet er an seiner Existenz, feilt an abstrakten Denkmustern, empfindet das Dasein belanglos und reibt sich zynisch, fiebrig, leidenschaftlich provokativ an den Grenzen und der Ausweglosigkeit, gegen die er nicht ankommt.

Faszinierend, wie Dostojewski (alias Heinz Koch) die Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft verdeutlicht. Das alles geschieht in einem schlichten Bühnenbild mit Holzkiste als Tisch, Bett, Stuhl, Kochplatte und einem langen Messer, mit dem Heinz Koch nicht nur Äpfel schält, sondern hin und wieder auch emotionale Gesten unterstreicht.

Musik lockert die anspruchsvolle Darbietung auf. Peter Gerter stellt auf dem Bajan, dem Instrument, das er als Professor an der Musikhochschule in Wladiwostok gelehrt hatte, verschiedene russische Komponisten vor: frech, melancholisch, leidenschaftlich, sehnsuchtsvoll. Viel Beifall und eine Zugabe. Schade, dass der Zuschauerraum nur zur Hälfte gefüllt war. Anfang Juni wird die Inszenierung bei den Bayerischen Theatertagen in Nürnberg zu sehen sein.

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