Sinfoniekonzert im CCU: Klangvolle Gäste

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Cheryl Swoboda war die Solistin im Konzert für Viola und Orchester.  Foto: 

Da kam ein relativ junger Dirigent nach Ulm und traf zum ersten Mal auf die Philharmoniker. Und es waren ja nicht nur die Philharmoniker: Zahlreiche Verstärkungen saßen auf der Bühne des Einsteinsaals, sechs statt der etatmäßigen drei Kontrabässe zum Beispiel; was zu hören war. Mit keinem routiniert eingespielten Klangkörper hatte Johannes Klumpp das Programm einstudiert, auch mit keinem derart selbstsicheren Orchester, dem es egal ist, wer vor ihm steht. Und außer Tschaikowskys wunderschön-reißerischer Fantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia“ hatte man dem Gast auch keine Publikumshits aufs Notenpult gelegt: Béla Bartóks Konzert für Viola und Orchester sowie die 3. Sinfonie Sergej Rachmaninows.

Also, da muss man schon was können, um zu überzeugen. Der 1980 in Stuttgart geborene Klumpp kann was.  Er war Kapellmeister in Gelsenkirchen, dirigierte bereits namhafte Orchester, gehörte zu den vom Deutschen Musikrat geförderten  „Maestros von morgen“ und ist seit 2013 Chef des Folkwang-Kammerorchesters Essen. Klumpp dirigiert konventionell geradeheraus mit Blick in die Partitur, dann wieder mit großen, weit ausholenden Gesten und tänzelnd in eigenwilliger Choreografie.

Aber was zu hören war im voll besetzten Congress Centrum, das war ein akkurat abgemischter Klang. Die Ulmer Philharmoniker spielten in allen Registern so tadellos wie lange nicht. Diese  Präzision sorgte für ein helles, klares Klangbild. Peter Tschaikowskys „Romeo und Julia“: gut ausbalanciert die dramatische Härte wie das schwärmerische Liebeslied. Eine feine, kontrollierte Aufführung. Noch mehr Emotionen und Attacke wären freilich möglich gewesen.

Bratsche hat Klumpp auch einmal studiert, so war das natürlich eine vortreffliche Paarung in Bartóks Konzert für Viola und Orchester mit der Solistin Cheryl Swoboda. Die Amerikanerin ist Mitglied des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim, als dessen Chefdirigent bekanntlich der Ulmer Generalmusikdirektor Timo Handschuh fungiert . . .  Bartók hatte dieses Bratschenkonzert bei seinem Tod 1945 in New York unvollendet hinterlassen: Es verströmt düstere Moderne,  besitzt den neuen klassizistischen amerikanischen Ton und beschwört  wehmütige Erinnerungen des Exil-Komponisten an seine ungarische Heimat. Diese Klangwege schritt Cheryl Swoboda  souverän aus. Spannend, auch mal die Bratschenkunst zu hören. Sonderapplaus mit Blumen gab’s danach vom Kollegen der Philharmoniker, von Thomas Eckert. Die Zugabe war eine Hommage an den Großmeister Paganinni und technisch bravourös: das Solo-Capriccio für Viola von Henri Vieuxtemps.

Große Klasse dann die 3. Sinfonie Rachmaninows. Faszinierend, was der Exil-Russe 1935 am Vierwaldstätter See mal nicht für die Tastenlöwen, sondern rein fürs Orchester komponiert hatte: veredelte Spätromantik, auch expressive Strauss-Anklänge dabei, natürlich Russisch-Sentimentales und eine Einlage zeitgenössischer Neoklassizismus. Und alles wirkungsvoll verarbeitet. Kompliment an den Dirigenten: Klumpp gelang es vortrefflich, die unterschiedlichen Stimmungen zu malen,  mit weich blühenden Übergängen. Viel Beifall.

Konzerte GMD Timo Handschuh steht wieder beim 3. Philharmonischen Konzert im CCU am Pult und dirigiert am 28. Februar/1. März  Beethoven:  3. Sinfonie und Violinkonzert (mit Laurent Albrecht Breuninger). 

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