Pfuhler Rinne ist der Hit

Der Pfuhler See? Wäre nie ausgebaggert worden ohne das Betonwerk Neu-Ulm. Der Entwässerungsexperte hat sich ganz auf Schlitzrinnen spezialisiert. Deren Fertigung hat sich OB Gerold Noerenberg angesehen.

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OB Gerold Noerenberg (rechts) wurde von Geschäftsführer Michael Goebel (zweiter von rechts) durchs Betonwerk geführt. Links der stellvertretender Betriebsleiter Robert Puhlmann und Gesellschafterin Stephanie Weyermann.  Foto: 

Der Kies für den Beton kommt schon lange nicht mehr von nebenan. Dort, wo das Betonwerk Neu-Ulm Mitte der 60er Jahre seinen Werkstoff abbaute, suchen in diesen hitzigen Tagen abertausende Ulmer und Neu-Ulmer Abkühlung: Den Pfuhler Baggersee hat das Unternehmen ausgehoben, das 1964 in dem Neu-Ulmer Stadtteil gegründet wurde. Jetzt hat Oberbürgermeister Gerold Noerenberg sich das Betonwerk auf einer Betriebsbesichtigung angesehen.

Dessen Produkte sind keineswegs so generalistisch, wie der Firmenname vermuten lässt. Stellte man früher noch Standard-Betonröhren her, hat sich das Werk inzwischen auf Schlitzrinnen aus einem Guss spezialisiert, die es erfunden hat und bei denen es Marktführer ist. Diese "Pfuhler Rinne" hat jeder schon unbewusst wahrgenommen: Abwasser läuft durch länglich verlaufende Schlitze an der Oberfläche der in den Boden gelassenen Betonröhren ab. "Unsere Rinnen gibt es auf nahezu jedem deutschen Flughafen", sagt Geschäftsführer Michael Goebel. 30 verschiedene Varianten mit einem Durchmesser zwischen 20 und 60 Zentimetern gibt es. Sie werden in Containerterminals, im Gewerbe oder an Straßen wie an der A8 bei Dornstadt verbaut - europaweit. Seit ein paar Jahren stellt das Werk auch kleine City-Rinnen für Kommunen und Häuslesbauer her. Aktueller Auftrag: 5,5 Kilometer Rinnen am Münchener Flughafen auswechseln. Eine teure Spezialanfertigung, mit extra viel Stahl und hoher Resistenz gegen Enteisungsmittel, "aber sie zahlen's", sagt Goebel.

Dass das Familienunternehmen sich überhaupt in Neu-Ulm angesiedelt hat, war wohlkalkuliert. Für das württembergische Betonwerk Wernau war es nämlich schwierig, Aufträge aus Bayern zu bekommen. Die Lösung: ein neues Werk in Pfuhl, mit dem auch die bayerische Kundschaft bedient werden konnte. Neben Wernau hält die kleine Unternehmensgruppe außerdem zwei Beteiligungen an Werken in Tschechien. In Pfuhl arbeiten 40 Beschäftigte, die durch Lehrgänge für ihre Tätigkeit qualifiziert werden. Der Jahresumsatz am Standort liegt laut Goebel seit Jahren stabil bei rund sieben Millionen Euro.

"Wird das alles am Fließband gemacht?", will der OB bei der Firmenpräsentation wissen. Und sieht beim Rundgang durch die Werkhallen selbst, was Goebel zuvor geantwortet hat: "Es ist immer noch eine sehr händische Arbeit mit hohem manuellen Anteil." Deshalb bleiben die Fertigungskosten zwar auch bei hohen Stückzahlen hoch; andererseits hat das Unternehmen keine Entwicklungskosten für teure Maschinen, von denen dann auch die Konkurrenz profitieren könnte.

Nicht mal der amerikanische Präsident ist vor der Marktmacht der Betonbauer sicher, erzählt Goebel: "Sogar die Air Force One ist mit dem Obama drin mal über unsere Rinne in Ramstein gefahren."

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