Pas-de-Deux auf Ulmer Hockern

La Strada, das Lied von der Straße, hat die Strado Compagnia Danza zum Thema ihrer neuesten Tanzperformance erkoren. An Silvester war umjubelte Premiere im ausverkauften Saal des Stadthauses.

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Die Geschichte vom großen Zampano und seiner Assistentin Gelsomina bringt die Strado Compagnia Danza auf die Bühne des Stadthauses.  Foto: 

Beim Titel "La Strada" kommt einem als erstes Fellinis Meisterwerk von 1954 in den Sinn. Filmbilder tauchen auf, die Anthony Quinn zeigen, der den Zampano spielte - ein Name, ein Begriff, den Fellini für den Film erfand - und Giulietta Masani, die Ehefrau des Regisseurs, welche die naive Gelsomina so eindrücklich verkörperte. Im Gedächtnis erklingt die Melodie des traurig schönen Liedes, das Gelsomina auf der Trompete immer wieder spielt.

So vorbelastet betritt man den großen Saal im Stadthaus und wundert sich. Der Zuschauerraum ist ansteigend und die Fensterwand zum Münsterplatz hin mit weißen Häuserfronten geschlossen. Darauf werden Haus- und Landschaftsumrisse projiziert, welche die jeweiligen Örtlichkeiten verdeutlichen. Diese Video-Installation von Paul Stauber, Hartmut Holz und dem Ulmer Büro 2av beeindruckt mit den stärksten Bildern des Tanzabends.

Hanna Münch spielt und tanzt die Gelsomina mit großer Empfindsamkeit für die Rolle. Sie spielt anfangs gedankenverloren Steine-Ditschen, wobei das Video punktgenau das dreimalige Auftreffen verdeutlicht. Unterstützt werden die Bilder vom Musiker Florian Lipphart, der neben dem Flügel auch Glockenspiel, Akkordeon, Trommel und Keyboard bedient und teilweise gleichzeitig bespielt. Seine Komposition für das sentimentale Stück passt großartig zum Geschehen auf der Bühne und vermittelt sehr stimmungsvolle Klangbilder.

Choreograph Domenico Strazzeri verkörpert den Schausteller Zampano, der sich mit Gelsomina eine neue Assistentin kauft. Kraftprotzend und mit unbeweglicher Miene beherrscht er die Bühne und überzeugt nicht nur mit seinem Kettentrick. Strazzeri gelingt am Schluss sehr schön der erste Gefühlsausbruch Zampanos, wenn er vom Tod seiner Assistentin erfährt, doch dieses Solo ist zu kurz geraten.

Den fröhlichen Gegenspieler Matto versteht Daniele Ricci mit großem Elan umzusetzen. Akrobatische Tanzszenen scheinen unter seinen Füßen ein Leichtes zu sein. Und mit seinem sympathischen Grinsen vermag er nicht nur Gelsomina auf der Bühne für sich einzunehmen. Das Pas de deux zwischen ihm und seinem Quasi-Rivalen Zampano, ein furioses Hosenträger-Duell, ist mit seiner abwechslungsreichen Abläufen sicherlich der tänzerische Höhepunkt des kurzen Abends. In mehreren Rollen tritt Ines Nieder auf, die als Gelsominas Mutter zusammen mit Strazzeri ein ausdrucksstarkes Verhandlungs-Pas-de-Deux auf Ulmer Hockern tanzt, um ihre Tochter an den Artisten zu verkaufen.

Judith Seibert und Leonie Walter treten ebenfalls in verschiedenen Rollen auf und erfreuten in einem ausgelassenen Volkstanz sowie dem Klatsch-Spiel auf den Text "Em pom pi palemi palemista". Wenn die Tänzerinnen und Tänzer jedoch zu sprechen beginnen, um Handlungsstränge zu verdeutlichen, flacht das Geschehen deutlich ab, da das nicht ihre Stärke ist und daher wenig überzeugt - wie auch manches Solo etwas unbeholfen altmodisch wirkt.

So bleibt ein wechselhafter Eindruck zurück, von dem manche wunderschöne Situationen und Bilder im Gedächtnis haften bleiben.

Info Weitere Vorstellungen 2. bis 5. und 9. bis 12. Januar, jeweils 20 Uhr.

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