Partnerstädte-Austausch: Zweieinhalb Monate der Star in New Ulm

Im September 2012 begann für Eva-Maria Karremann ein großes Abenteuer: Sie flog als Austauschteilnehmerin nach New Ulm in den USA , um dort zu leben und zu arbeiten. Doch das war nicht alles: Sie wurde gefeiert wie eine Prominente.

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Ein eigenes Auto, auf dem ihr Name steht. Ein Chauffeur, der das Auto fährt. Menschen am Straßenrand, die ihr zujubeln. Sie winkt zurück und lacht. Doch sie ist nicht die Queen oder eine Prominente - sondern Eva-Maria Karremann aus Deutschland. Auf einer Parade zum Beginn des Oktoberfests in New Ulm in den USA. Dort lebte und arbeitete Karremann zweieinhalb Monate lang als Teilnehmerin des Hans-Joohs-Austausches.

Das Austauschprogramm besteht schon seit 1986 zwischen den Partnerstädten Ulm, Neu-Ulm und New Ulm, einer 14.000-Einwohner-Stadt in Minnesota. Dabei wird jungen Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren die Möglichkeit gegeben, für drei Monate im jeweils anderen Land zu arbeiten. Jedes Jahr dürfen ein deutscher und ein US-amerikanischer Teilnehmer dieses Abenteuer erleben.

Vergangenes Jahr war es Eva Karremann. Sie ist heute 26 Jahre alt und lebt seit Anfang Januar in Friedrichshafen. Davor hatte sie bei ihren Eltern in Laupheim gewohnt und im Ulmer Universitätsklinikum als Betriebswirtin in der Personalabteilung gearbeitet.

Durch Zufall entdeckte sie die Anzeige für den Austausch in der Zeitung, die sofort ihr Interesse weckte. Als dann an einem Donnerstagabend ein Brief vom Austauschprogramm in der Post lag, sei die Aufregung groß gewesen. "Ich habe mich riesig gefreut, als ich die Zusage bekam! Und habe erstmal alle Freunde und meine Familie angerufen", erinnert sich Eva Karremann.

Doch der Beginn des Austauschs verlief turbulent: Wegen Visumsproblemen konnte Eva Karremann nur für zweieinhalb anstatt drei Monate nach New Ulm reisen. Und ihren Weiterflug von Chicago nach Minneapolis verpasste sie auf der Hinreise am 18. September. Am Flughafen wurde sie dann umso freundlicher begrüßt. "Einen herzlicheren Empfang nach zwölf Stunden Flug kann man sich nicht vorstellen", erzählt Eva Karremann. Mit einem großen Blumenstrauß hatte man sie am Flughafen abgeholt und anschließend in ihre Gastfamilie gebracht. "Auch dort freuten sich alle riesig, mich zu sehen. Aber wie jeder verstehen konnte, wollte ich nach diesem langen Flug einfach nur ins Bett." Zwei Wochen später organisierte die "Sisters Cities Commission", ein Verein, der die Städtepartnerschaft betreut, einen offiziellen Begrüßungsabend mit 80 Gästen. Dort sah Eva Karremann ihre New Ulmer Austauschpartnerin Diane Germann, die schon von Mai bis Juli in Deutschland lebte, wieder. Und dort drehte sich zum ersten Mal alles um sie.

Oft stand die Deutsche im Mittelpunkt. So wie bei der Oktoberfest-Parade. Denn ihr Austausch brachte viele öffentliche Auftritte mit sich. Präsentationen, etwa über das Gesundheitssystem in Deutschland beim Rotary Club zur Wahl des Präsidenten in den USA, standen oft auf Eva Karremanns Tagesordnung. Zusätzlich zu ihrer täglichen Arbeit im New Ulm Medical Center, bei dem sie während des Austauschs im Personalmanagement tätig war. Wegen der Arbeit und der vielen Verpflichtungen hatte Eva Karremann kaum eine freie Minute, erzählt sie. Sie war irgendwann so beliebt bei den New Ulmern, dass Jake Minch, der Vorsitzende der "Sisters Cities Commission", ihre Termine koordinieren und verplanen musste. "Jeder wollte mich kennenlernen und Jake Minch musste das managen", erzählt die 26-Jährige lachend. Dennoch blieb ihr auch Zeit, selbst organisierte Ausflüge zu unternehmen: Sie besuchte zwei Konzerte, schaute sich ein Football-Spiel an und reiste nach Chicago und Madison.

Nach zweieinhalb Monaten mit vielen neuen Erfahrungen und "tollen Menschen" folgte Ende November dann der Abschied. "Es kullerten viele Tränen - nicht nur bei mir", erzählt Eva Karremann. Dennoch freute sich sehr auf das Wiedersehen mit ihrer Familie, die sie in New York traf und mit ihr nach Deutschland zurückflog.

Heute denkt Eva Karremann noch oft an den Austausch zurück. Mit ihrer Austauschpartnerin Diane Germann und den Gastfamilien hat sie regelmäßig Kontakt. Und diesen Sommer folgt dann das Wiedersehen in New Ulm: Sie wird ihren Urlaub dort verbringen. Und vielleicht wieder wie ein Star behandelt werden.


Info:
Die Bewerbungsfristen für den Hans-Joohs-Austausch für 2013 sind bereits seit vergangenen September abgelaufen. Und mittlerweile wurden auch die Kandidaten ausgewählt: Für Ulm und Neu-Ulm macht sich Sabrina Svechla im Sommer auf die Reise. Aus New Ulm kommt Michelle S. Malecha nach Deutschland.

Wer 2014 teilnehmen möchte, kann sich ab September für den Austausch bewerben. Voraussetzung ist, dass die Bewerber entweder studieren oder bis zum Beginn des Berufsaustausches eine abgeschlossene Berufsausbildung haben. Darüber hinaus sind gute Englischkenntnisse gewünscht. Das Höchstalter ist 25 Jahre.
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