Podium zur Bundestagswahl: Parteien wollen den Bauern helfen

Bei Landwirtschaft, Naturschutz und Verkehr sind sich die Direktkandidaten einig. Beim Kohleausstieg nennen sie verschiedene Zeitfenster.

|
Nach 90 Sekunden war Schluss bei (von links): Marcel Emmerich (Grüne), Hilde Mattheis (SPD), Alexander Kulitz (FDP), Eva-Maria Glathe-Braun (Die Linke) und Anja Hirschel (Piraten).  Foto: 

FDP-Direktkandidat Alexander Kulitz kennt Wölfe „nur aus dem Märchen“ und sorgt sich daher nicht um Wanderschäfer, wie es in Brandenburg der Fall ist. Marcel Emmerich (Grüne) will mit seiner Partei beim Verkehr „raus aus dem Verbrenner“. Anja Hirschel (Piraten) forderte „samenfeste Kulturen“, also nachbaufähige Sorten in der Landwirtschaft. Es ging querbeet bei der Podiumsdiskussion mit den Bundestagskandidaten des Wahlkreises Ulm/Alb-Donau. Eingeladen ins – nur zu zwei Dritteln besetzte – Stadthaus hatten der BUND-Kreisverband Ulm, die Lokale Agenda Ulm und das Bündnis für eine agrotechnikfreie Region.

Ronja Kemmer bei Töpfer

Jedoch fand so gut wie keine Diskussion statt. Denn Moderatorin und BUND-Regionalgeschäftsführerin Daniela Fischer gestattete den fünf Kandidaten bei den vier Themenkomplexen Landwirtschaft, Energiewende, Verkehr und Naturschutz jeweils nur 90 Sekunden Redezeit. Umso ausführlicher zählte Daniela Fischer vor jeder Fragerunde eine Reihe Fakten auf, die die Umweltschützer beschäftigen wie Insek­ten­­sterben und Flächenverbrauch.

Und sie echauffierte sich, dass CDU-Kandidatin Ronja Kemmer abgesagt hatte, und „ihre Prioritäten anders gesetzt“ habe, weil sie am Dienstagabend bei einer Wahlkampfveranstaltung des CDU-Stadtverbands Blaustein den ehemaligen Bundesumweltminister Klaus Töpfer empfing. AfD-Kandidat Eugen Ciresa war bewusst nicht eingeladen worden. Dennoch musste Eva-Maria Glathe-Braun (Die Linke) etwas loswerden: Sie warf der AfD „Trumpismus“ vor, weil diese wie US-Präsident Donald Trump nicht an den Klimawandel glaube. „Klimawandel – weiter so?“ lautete indes die Kernfrage des Abends.

Glathe-Braun findet es skandalös, dass diejenigen am wenigsten zahlen, die am meisten Energie verbrauchen. „Die Energiewende ist auch eine Sozialwende“, sagte sie und bekam Beifall. Zu den anderen Themen meinte sie: Der Nahverkehr müsse preislich („ohne Fahrschein“) und fahrplanmäßig attraktiver werden. Statt „Flächenfraß“ sollten Innenstädte verdichtet werden. Ihre Partei wolle die biologische Landwirtschaft vorantreiben.

Einen Strukturwandel in der Landwirtschaft fordern auch die Grünen. Mit dem Slogan „Klasse statt Masse“ brachte Emmerich das Tierwohl zur Sprache. Wenn die Masttiere mehr Licht und Platz haben, müsse man deren Fleisch dann auch entsprechend kennzeichnen. Für die Energiewende solle man ein „richtiges“ Wärmegesetz auf den Weg bringen und sofort die 20 schmutzigsten Kohlekraftwerke in ganz Deutschland abschalten.

Das sehen Hilde Mattheis (SPD) und Kulitz anders: Man dürfe nur nach und nach aussteigen,  damit stets die Energieversorgung gesichert ist und man  solle an die Arbeitsplätze denken. Mattheis weiter zur Landwirtschaft: Die Produkte müssten wieder mehr wertgeschätzt werden – mit Hilfe der EU-Politik. Das Elektroauto sei für die SPD „nicht die große Lösung“. Vielmehr gehörten Güter wieder auf die Schiene.

Die Piraten wollen dafür sorgen, dass die kleinen bäuerlichen Betriebe überleben, „denn Großbetriebe liefern schlechte Qualität“, sagte Anja Hirschel.  Bei der Energiewende heiße das „Arbeitspferd“ Photovoltaik, weil alternative Energie nicht offshore erzeugt werden soll, sondern ortsnah. Hybridautos im Verkehr seien der falsche Weg und Güter gehörten auf die Schiene, gab sie Mattheis recht. Kulitz gab wiederum Hirschel recht, dass man für die Energiewende noch „massiv“ in die Forschung investieren müsse. In der Praxis sollte man mögliche Konflikte zwischen Windrädern und Vögeln sowie Wasserkraftwerken und Fischen beachten. In der Landwirtschaft nehme die FDP die kleinen Betriebe in Schutz. Subventionen hätten den Markt zerstört, und Fipronil im Hühner­ei sei eine „Sauerei“.­

Fragen Die meisten Fragen der Zuhörer waren an Marcel Emmerich (Grüne) und HIlde Mattheis (SPD) gerichtet. Er versicherte, dass seine Partei die „Sonnensteuer“ abschaffen wolle und dass die Grünen für den Neustart der Verhandlungen sind bezüglich der Freihandelsabkommen TTIP und Ceta. Mattheis bekam Beifall für den Satz, dass man den Joghurt „nicht dreimal um die Welt“ transportieren solle, sondern regional vermarkten. Und die SPD sei gegen Diesel-Fahrverbote.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Täter von Eislingen entschuldigt sich in Abschiedsbrief

Drei Tote in Eislinger Tiefgarage: Der mutmaßliche Täter hat seiner Noch-Ehefrau und deren Freund mit einem Küchenmesser die Kehle durchgeschnitten und sich offenbar durch einen Kopfschuss selbst getötet. Er entschuldigt sich für die Tat in einem Abschiedsbrief. weiter lesen