Pädophilen helfen, bevor es zu spät ist

Menschen mit pädophilen Neigungen zu helfen: Das versucht die Uni-Klinik seit zwei Jahren mit dem Projekt „Kein  Täter werden“. Mit gutem Erfolg.

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Pädophilie: eine krankhafte Störung, die fast nur Männer betrifft. Erworben in der Pubertät und womöglich schon qua Geburt angelegt, bleibt die Neigung ein Leben lang bestehen: Pädophile fühlen sich von Kindern sexuell angezogen. Wissenschaftler schätzen, dass etwa ein Prozent aller Männer pädophil ist.

Längst nicht jeder lebt seine Neigung aus. Im Gegenteil: Viele leiden darunter, versuchen sogar zu vermeiden, etwa an Schulen vorbeizulaufen. Doch die Gefahr, sich an Kinder und Jugendliche heranzumachen oder kinderpornographisches Material zu konsumieren, bleibt präsent – zumal der Zugang zu entsprechenden Bildern und Filmen so einfach ist wie nie und oft als Einstieg für weitere strafbare Handlungen dient.

Helfen, bevor Männer zu Tätern werden: An diesem Punkt setzt das Therapieangebot „Kein Täter werden“ der Uni-Klinik an. Jetzt feiert der Ulmer Standort des deutschlandweiten Präventionsnetzwerks zweijähriges Bestehen. Seit Juli 2014 bietet das Projekt, das an der Uni-Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie angesiedelt ist, Menschen mit pädophilen Neigungen, die keine Übergriffe begehen wollen, therapeutische Hilfe an: Anonym, unter Schweigepflicht, gratis. Ziel ist es, sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen bereits im Vorfeld zu verhindern.

Nach Angaben der Uni-Klinik wird das Angebot gut angenommen: Seit dem Projektstart kam es demnach zu 360 Beratungsgesprächen, seit 2015 gibt es eine Therapiegruppe. Um Patienten nach der Intensivtherapie weiter zu betreuen, startet demächst eine Nachsorgegruppe. „Es ist erfreulich, dass jetzt die ersten Patienten aus der Intensivtherapie in die weniger engmaschige Nachbetreuung wechseln können“, sagt Elisabeth Quendler, Psychologische Psychotherapeutin an der Uni-Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und Koordinatorin des Projektstandorts.

Nicht nur die Betroffenen selbst leiden unter ihrer sexuellen Neigung. Meist haben auch die Angehörigen große Schwierigkeiten, mit der Situation umzugehen. Daher wurde das Angebot im November 2015 um eine Angehörigengruppe erweitert. Finanziert wird das Projekt „Kein Täter werden“ in Ulm durch das Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg.

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