Orange Campus: Fußballer schlagen große Lösung vor

Überraschendes Angebot von Vorstand und Aufsichtsrat des SSV 1846 Fußball: Nachwuchszentrum für alle Ulmer Spitzensportler könnte der Ausweg aus der Krise um den Orange Campus sein.

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Modell des geplanten Orange-Campus: Debatte voller Überraschungen.  Foto: 

Die an Überraschungen nicht gerade arme Debatte um den Orange Campus nimmt eine weitere Wende: Gegenüber der SÜDWEST PRESSE machten Vorstand und Aufsichtsrat des SSV 1846 Fußball am Dienstagabend den Vorschlag, über ein Nachwuchszentrum aller Ulmer Spitzensportler nachzudenken. „Wir wollen die Idee eines Campus retten“, so Vorstand Anton Gugelfuß mit Blick auf die stockenden Finanzierungsgespräche. Deshalb erneuere man den Vorschlag, über ein gemeinsames Projekt aller Ulmer Sportvereine nachzudenken.

Ähnlich argumentiert der Aufsichtsratsvorsitzende der Ulmer Fußballer, Heribert Fritz. Er schickt voran, dass die Basketballer in den letzten Jahren einen „großartigen Job“ gemacht hätten und „zu Recht“ ihr Projekt Orange Campus im Blick hatten. Wenn der Campus allerdings wegen fehlender Finanzierung nicht mehr von der Stadt unterstützt würde, „stünde es uns Fußballern gut an, das Projekt gemeinsam zu entwickeln.“ Fritz betont, dass dieser erste Vorschlag nur ein Gesprächsangebot sei: „Das Wichtigste ist doch, dass wir alle hoch erhobenen Hauptes weitermachen können und eine gute Lösung hinbekommen.“ Schon vor zwei Jahren hatte Vorstandschef Anton Gugelfuß über eine Kooperation zwischen Fußball und Basketball nachgedacht, sein Vorstoß sei aber wirkungslos geblieben.

Ein zweiter Versuch

Nun ist angesichts der Finanzierungsprobleme der Basketballer für ihr 23-Millionen-Euro-Projekt eine neue Lage entstanden. „Wenn die Stadt so viel Geld in die Hand nimmt, sollte das Projekt auch möglichst viele Menschen erreichen“, sagt Thomas Oelmayer aus dem Vorstand der Fußballer. Mit Blick auf die rund 40 000 Aktiven in Ulm sowie viele weitere Sportler in Neu-Ulm und der Region mache eine universelle Basis großen Sinn.

Vorstandskollege Anton Gugelfuß sieht starke Synergien: So könnten Schulungsräume, Trainer, Profi-Fitnessstudio, Physiotherapie, psychische Betreuung, Leistungsdiagnostik und die Begleitung durch die Uni gemeinsam genutzt werden. „Das gilt für Ruderer und Leichtathleten wie für die Ballsportarten.“ Das unterstreicht Aufsichtsratschef Fritz: „Sharing ist ein aktuelles Thema, das könnte passen.“

Nachbar SSV lobt die Idee

Auf einen Standort wollen sich die Fußballer nicht festlegen, verweisen aber auf die anstehenden Sanierungsmaßnahmen in der Friedrichsau. An der Gänswiese sollen für drei Millionen Euro marode Umkleide- und Duschtrakte modernisiert werden, vor allem Jugendmannschaften profitierten von dieser Investition.

Für den Standort Friedrichsau kann sich auch Willy Götz, Präsident des SSV Ulm 1846, mit seinen mehr als 10.000 Mitgliedern erwärmen: „Als Standort wäre es ideal.“ Götz verweist auf den anstehenden Neubau der Jahn-Halle: „Das könnte eine moderne Multifunktionshalle für alle sein.“ Auch das bestehende Leichtathletikstadion, die Innenstadtnähe und die gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln seien nachvollziehbare Argumente für die Oststadt, ergänzt Oelmayer. Wichtig ist ihm vor allem eine Botschaft: „Unsere Idee geht auf keinen Fall gegen den Basketball.“

Kommentar: Zurück in die Zukunft

Klingt nach Spielwiese für alle:  Ein Campus, auf dem Basketballer und Fußballer trainieren, Leichtathleten und Ruderer. Vielleicht auch Frisbeewerfer und Bahnengolfer, ohne diese Sportarten gering zu schätzen. Doch so einfach sollte die Idee des SSV Ulm Fußball nicht ins Abseits gestellt werden: Was zunächst nach sportlichem Wirrwarr klingt, könnte ein spannender Beitrag in einer Debatte sein, die langsam unübersichtlich zu werden droht.

Allmählich wird deutlich, dass die Vergangenheit die aktuelle Debatte über Sportförderung einholt. Offenbar hatte eine prall gefüllte Stadtkasse die Phantasien vieler Vereine angeregt, ohne dass sie den Dialog über Wirtschaftlichkeit und möglichen Synergien geführt hätten. Nun, wo die Erstliga-Basketballer einen großen Betrag für sich reklamieren, wird Widerspruch laut.

Dies wirft mindestens zwei Fragen auf: Hätte nicht schon im Stadtverband für Sport intensiver über die Pläne der Vereine, die sich offenbar untereinander nicht verständigen konnten, diskutiert werden müssen? Hat man zu lange den Aktiven signalisiert, dass ihre Projekte fröhlich durchgewunken werden? Spätestens seit dem vorläufigen Scheitern der Orange-Campus-Pläne sind die unbeschwerten Zeiten vorbei, alte Konflikte drängen wieder ans Tageslicht. Für die Diskussion heißt es: Zurück in die Zukunft.

Stadtfinanzen Wie kann man das Risiko für Ulm im Fall des Scheiterns eines Orange Campus begrenzen? Und sind die finanziellen Risiken der Stadt und die Gewinnmöglichkeiten für die Gesellschafter der Basketballer nicht ungleich verteilt? Diese Fragen haben auch gestern Mitglieder des Ulmer Gemeinderates bewegt. Reinhold Eichhorn von den Freien Wählern rechnet so: „3 Millionen Euro Fördergeld plus 3,2 Millionen Darlehen plus 9 Millionen für die Erbpacht macht 15,2 Millionen von der Stadt.“ Damit sei das Risiko klar ungleich verteilt, das Fazit das FWG-Fraktionschefs: „Wir müssen neu verhandeln.“

Sportförderung „Wir finden das Projekt der Ulmer Basketballer gut, speziell den sportlichen Teil“, sagt Erik Wischmann von der FDP. Aber auch der kommerzielle Teil mit Praxen und Gewerbe müsse sauber gerechnet werden, schließlich seien die Bedingungen formal gesehen nicht erfüllt. Speziell beim Rückfall des Geländes an die Stadt im Falle einer Insolvenz, dem so genannten Heimfall, müsse klar sein, wie das Gelände genutzt werden könne.

Sacharbeit In den kommenden Tagen werde die BBU’01 gewissenhaft an der Erfüllung aller von der Stadt gestellten Bedingungen arbeiten, sagt Basketball-Vorstand Andreas Oettel. Weitere Statements wolle der Verein aber gegenwärtig nicht geben. Aus den Kreisen des Gemeinderates kam der Hinweis auf eine mögliche Insolvenz: „Dann würde die patriotische Karte gespielt werden“, so ein Stadtrat. Umso mehr brauche man einen Wirtschaftsplan, der in der Lage sei, schwierige Phasen zu überbrücken. Und da helfe Geld statt Wunschdenken. Der Politiker: „Bisher merke ich viel vom letzteren, aber viel zu wenig vom ersten.“

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Kommentare

12.10.2017 08:14 Uhr

Antwort auf „Anderer Lösungsvorschlag”

Wird schwierig, denke ich:
Das Konzept sieht meines Wissens vor, dass die Einnahmen aus dem kommerziell benutzten (und nicht bezuschussten!) Teil des OC (Fitness-Studio, Büroräume, Gastronomie...) mit dazu dienen, das ganze Projekt zu tragen.
"Kleiner" würde dann bedeuten, man konzentriert sich auf den sportlich notwendigen Teil (Hallen, ...), dann fehlen aber genau diese Einnahmen.

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11.10.2017 11:49 Uhr

Anderer Lösungsvorschlag

Die Basketballer bauen neben der Ratiophamarena in kleinerem Rahmen, ebenso die Fußballer neben dem Donaustadion. Keine Luftschlösser sondern realistisch finanzierbare Objekte.

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11.10.2017 10:36 Uhr

spannende Verhandlungen

Ja genau, auch noch andere Vereine und Betreiber mit in's Boot holen - ich kann mir lebhaft vorstellen, wie die Herren und Damen Stadträte dann nicht nur die meiner Meinung nach gesunde finanzielle Basis des BBU 01 in Frage stellen, sondern gleich noch die der anderen Beteiligten. Bis in einer solchen Konstellation dann klar ist, wer was in welcher Höhe und mit welchen Sicherheiten mitfinanzieren wird und wie dann die Eigentumsverhältnisse aussehen, schreiben wir mindestens das Jahr 2030!

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