Lehrgang für Klinikpersonal: Operation Anerkennung

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Vom drohenden Pflegenotstand in deutschen Krankenhäusern ist oft die Rede. Andererseits gibt es viele Menschen, die gerne in einer Klinik arbeiten würden, es aber nicht dürfen – obwohl sie eine entsprechende Ausbildung und vielleicht sogar Berufserfahrung mitbringen. Die Rede ist von Migranten, nicht zuletzt von Flüchtlingen aus vergleichsweise hoch entwickelten Ländern wie Syrien oder dem Irak, die aber die hohen deutschen Ausbildungsstandards nicht erfüllen.

So war es auch bei Ömer Altun (29). Nach einem in der Türkei abgeschlossenen Bacherlorstudiengang „OP-Technik“ hatte der junge Mann zwar rasch an einer Klinik in Istanbul einen Job gefunden. Seinen Wunsch, irgendwann in einem deutschen Krankenhaus zu arbeiten, hatte er aber nicht ad acta gelegt, und deshalb 2015 bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft angefragt, ob es eine entsprechende Möglichkeit für ihn gebe.

Altun hatte Glück. Die Krankenhausgesellschaft vermittelte ihm den Kontakt zur Schule für Operationstechnische Assistenz (OTA) an der Ulmer Uni-Akademie für Gesundheitsberufe. Nicht, dass sich OTA-Schulleiter Dirk Pflüger grundsätzlich über mangelndes Interesse an seinem Ausbildungszweig beklagen könnte. Im Gegenteil. Auf anderthalb Dutzend Ausbildungsplätze pro Jahr kommen im Schnitt gut 250 Bewerber. Doch Pflüger war beeindruckt von der Motivation und der Zielstrebigkeit des jungen Türken, der zudem – wichtiges Kriterium – schon ausreichende Deutschkenntnisse mitbrachte.

Also schritt Pflüger zur Tat. In Absprache mit Experten der Deutschen Krankenhausgesellschaft stellte er einen „maßgeschneiderten Anpassungslehrgang“ auf die Beine, wie er es ausdrückt. An der Wiblinger Akademie besuchte Altun in den folgenden zwölf Monaten genau jene Kurse, die ihm fehlten. „Dazu kamen noch Praxisphasen in verschiedenen chirurgischen Fachbereichen und OP-Sälen“, erzählt Pflüger. Auch für den finanziellen Unterhalt war gesorgt. Ömer Altun erhielt die gleiche Vergütung wie alle anderen OTA-Auszubildenden im dritten Jahr: knapp 1300 Euro Brutto.

Anfang November bestand er die deutsche Abschlussprüfung. Mittlerweile hat er einen unbefristeten Arbeitsvertrag in der Viszeralchirurgie auf dem Oberen Eselsberg. Für ihn sei damit ein Traum in Erfüllung gegangen, sagt der junge Mann, zu dessen Aufgaben es unter anderem gehört, den Chirurgen zu assistieren, OP-Geräte zu bedienen, die Patienten vor und nach der Operation zu betreuen und die medizinische Dokumentation zu übernehmen. „Ich schätze diese Arbeit sehr. Die OP-Säle sind hervorragend ausgestattet, die Hygiene ist einwandfrei, die Ärzte operieren sehr genau.“

Bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft ist man ob der gelungenen Ulmer Operation jedenfalls voll des Lobes. Die Akademie für Gesundheitsberufe habe wichtige Vorarbeit für ähnlich geartete Fälle geleistet, sagt Personalreferent Ralf Neiheiser, der in diesem Zusammenhang von „Pionierarbeit“ spricht. Immerhin gebe es derzeit mehr als 50 Anträge von Bewerbern aus so genannten Drittstaaten wie Tunesien, der Türkei oder dem Irak. „Wir haben bereits erste Anfragen anderer Klinikstandorte zum Ulmer Beispiel.“

Kein Standardrezept

Ein Standardrezept für einen Anerkennungslehrgang gibt es allerdings nicht, betont Pflüger. Zu unterschiedlich seien die jeweiligen Lerninhalte, zu unterschiedlich sei auch der Kenntnisstand der jeweiligen Bewerber „Das muss fachlich immer individuell auf den jeweiligen Kandidaten zugeschnitten werden. Und ohne solide Kenntnisse der deutschen Sprache geht gar nichts.“ Denn Kommunikationsprobleme oder gar sprachliche Missverständnisse könne man im Operationssaal wahrlich nicht gebrauchen.

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in Medizinberufen dürfte das Ulmer Beispiel dennoch alsbald Schule machen. Allein bei den OTA gibt es in Deutschland derzeit etwa 1000 offene Stellen.

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