Ohne Ermutigung ist alles nichts

Ohne Jugend ist die ganze Donauraumstrategie der EU nichts wert. Aber wie bindet man sie ein? Der Weg zu einem Donaujugendwerk zumindest ist steinig. Aber es ist ja auch schon viel geboten. Eine Diskussion.

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Ein Beispiel dafür, was schon läuft für Jugendliche an der Donau: das Jugendcamp in Backa Topola in Serbien mit Ulmer Beteiligung. Foto: Privat

Seit 50 Jahren gibt es das deutsch-französische Jugendwerk, seit 22 Jahren das deutsch-polnische. Gute Vorzeichen und Beispiele also für ein Donaujugendwerk? Mitnichten. Dafür sind die Dinge an der Donau viel zu kompliziert. Gleichwohl braucht es die Jugend, um die Donauraumstrategie der EU mit Leben zu füllen. Da waren sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion zum Thema im Haus der Donau jetzt einig, nicht aber darüber, was das für die Praxis heißt.

Die Strategie von oben: Michael Theurer, der im Europäischen Parlament sitzt, hat die Idee eines Jugendwerks, vom Rat der Donaustädte und -regionen lanciert, bereitwillig aufgenommen, um damit prompt aufzulaufen. Theurer erzählte in Ulm, dass er in dieser Sache die Kanzlerin um Unterstützung bat, dann aber zu verstehen bekam, dass keine neuen Institutionen erwünscht sind. Trotzdem ist er überzeugt: "Wir brauchen eine Institutionalisierung der Jugendarbeit." Wobei sich die Situation ganz anders darstellt als beim deutsch-französischen Beispiel. Für den Donauraum hat man es mit vielen Regierungen in teilweise instabilen politischen Verhältnissen zu tun. Zur Finanzierung sind letztlich 14 Staaten unter einen Hut zu bringen, und: "Die Konkurrenz ist groß."

Die Strategie von unten: Raluca Popa sieht die Sache von der anderen Seite. Sie hat an Donaujugendcamps in Ulm teilgenommen und ist jetzt Kulturreferentin am Deutschen Kulturzentrum in Temesvar. Soziale Netzwerke, die in den Camps aufgebaut worden sind, "haben sich bis heute nicht verloren". Diese Stärke für die Begegnung sieht auch Swantje Volkmann vom Donauschwäbischen Zentralmuseum, die Jugendaustausch von Ulm aus betreut. Sie fragte denn auch, "was wir von so einem Jugendwerk überhaupt wollen?" Anders als Prof. Jan Bergmann vom Förderverein Europa-Zentrum Baden-Württemberg, der auf den Freizeitwert und den Mehrwert für die berufliche Entwicklung abhob, sagte sie: "Wir brauchen im weitesten Sinne Versöhnung." Es seien eben nicht alle gleich, bloß weil sie von der Donau sind. Das zeige sich bei den Jugendtreffen immer wieder, wenn die einen nicht mit den Ungarn ins Zimmer wollen und die anderen nicht mit den Serben. "Nach zwei Tagen aber spielt das keine Rolle mehr. Und das ist wichtig."

Die doppelte Strategie: Daran knüpfte der Ulmer Bürgermeister Gunter Czisch an: "Es ist schon eine Menge passiert." In einem nächsten Schritt könne eine Netzwerk-Koordinierungsstelle eingerichtet werden, dazu müssten bestehende Initiativen finanziell unterstützt werden, um den "vielen kleinen Pflanzen einen Nährboden" zu geben, am besten aus EU-Töpfen. Mit diesem Geld sind Anreise, Taschengeld und professionelle Jugendarbeiter zu bezahlen, weil dieser Job ehrenamtlich nicht zu leisten ist. Da sei mit 20 000 Euro schon eine Menge erreicht, auch ohne einen Haushalt von 20 Millionen zu haben wie das deutsch-französische Jugendwerk.

Der Ulmer Donaumanager Peter Langer bekräftigt dies: "Es braucht Ermutigung von oben." Wobei sich die Einsicht durchsetzen müsse, dass zur Idee des Jugendwerks gehört, junge Menschen, also spätere Eliten, in ihren Ländern zu halten, bevor es zum Exodus in den scheinbar goldenen Westen kommt.

Bis nun aber ein Donaujugendwerk geboren ist, hält Theurer erst mal fest: "In der Zwischenzeit wird es ein ziemliches Gegurke geben." Er selber will jetzt den Bundespräsidenten als Fürsprecher gewinnen.

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